Kultur

Jochum

„Mama“ sorgt für Beunruhigung

27. Jänner 2011 • Kultur

Seit 14. Jänner sorgen die verstörenden «Mama, Mama!»-Rufe eines jungen Mannes in verschieden Ton- und Stimmlagen in der Karlsplatz Passage für Beunruhigung und Verärgerung bei den WienerInnen. Dahinter steckt ein Kunstprojekt des Vorarlberger Künstlers Richard Jochum.

Beim Abgang zur Linie U2 sind die Hilferufe das erste Mal vernehmbar, je weiter man sich dem Aufgang „Künstlerhaus“ nähert desto lauter werden sie: Beinahe im Sekundentakt ertönen die Schreie eines jungen Mannes nach seiner Mama. Die Rufe wirken verwirrend, verstörend, irritierend. Zahlreiche PassantInnen werden sichtlich nervös, einige beschleunigen sogar ihre Schritte, schauen gehetzt hin und her. Was die meisten beim ersten Mal vielleicht für die Hilferufe eines Drogensüchtigen halten, entpuppt sich spätestens beim nächsten Mal nicht mehr als realer Hilferuf sondern man erahnt, dass es sich um eine konzeptuelle Arbeit handeln muss. Die Installation mit dem Titel "Unvorhergesehener Gewichtsschwund" des Vorarlberger Künstlers Richard Jochum sorgt auf jeden Fall für Kontroverse. Und das ist auch erklärtes Ziel der Sache.

„Es geht um das Verhältnis zu unseren Eltern“

Folgt man der Stimme, endet man irgendwann bei dem Treppenaufgang zum Künstlerhaus vor einer Glasfassade, hinter der sich zwei laufende Fernseher befinden. Einer zeigt den Künstler in Portraitaufnahme, wie er wiederholt nach seiner Mama ruft. Auf den anderen Bildschirm sieht man eine junge Frau, die (lautlos) „Papa“ ruft. Laut Jochum geht es um das Verhältnis zu unseren Eltern. Die Rufe, die durch die Karlsplatz Passage hallen, irritieren und das sollen sie auch.

Der Künstler Richard Jochum sieht das Ziel seiner Installation darin, Aufmerksamkeit zu erregen: „Das Rufen in dem öffentlichen Raum, alle Passanten drehen sich um. Das erregt natürlich Gefühle, Erinnerungen an die Kindheit. Das soll zum Nachdenken anregen.“ Die Installation "Unvorhergesehener Gewichtsschwund" ist Teil des übergeordneten Projekts, Atlas, das bereits in zahlreichen Galerien weltweit zu sehen war.

Das Problem der Vermittelbarkeit

Und hier zeigt sich auch die Problematik der Arbeit: Während die Installation in den Galerien mit einem Bewegungssensor ausgestattet war und deswegen individuell auf BesucherInnen reagierte und außerdem in einem hermetisch abgeschlossenen Kunstraum funktionierte, dürfte es problematisch sein, dass viele PassantInnen nicht wissen, woher die Mama-Rufe kommen. Erst wenn man der Stimme bis zum Video hinter der Glasfassade folgt erschließt sich die Jochums Installation. Durch die nicht erfolgte Vermittlungsarbeit dürfte die Soundinstallation derartige Irritationen hervorrufen, da ohne den theoretischen Hintergrund der intendierte Rückschluss auf Kindheit und Erinnerung fehlt.

Insgesamt fünf Wochen lang, bis 20. Februar, kann man die Stimme Tag und Nacht in der Karlsplatz Passage hören.

Laura Windhager

Über das Leichte und das Schwere. Zwischen Kulturpessimismus und Poputopien.

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Künstlerhaus / Brut

Karlsplatz 5
1010 Wien
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