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Krystufeks Hub – Liebe in der Garage X

14. April 2011 • Kultur2 Kommentare zu Krystufeks Hub – Liebe in der Garage X

Elke Krystufek wagt sich in neue Gefilde: In der Garage X Theater am Petersplatz inszenierte Krystufek ein Theater-Projekt – Premiere war am 13. April 2011. Das Stück heißt ‚Hub‘, arabisch für „Liebe“. Worum es geht? Der Künstlerin zufolge um Geschlechterbeziehungen im arabischen Raum mit Tanzeinlagen.

Ein Stück, das sich an sich selbst verhebt

Ein längerer Ägyptenaufenthalt im Vorjahr, während dessen Elke Krystufek sich intensiv mit dem Islam auseinandersetzte, war Ausschlag gebend für die Idee des Theater-Projekts. Dabei rausgekommen ist eine Abhandlung über Sexualität, Homosexualität, Liebe, Geschlechterkonstruktionen, Moslemklischees, Europäerstereotype, Kunst und den arabischen Frühling in der islamischen Welt. Was nach einer spannenden Auseinandersetzung klingt verliert sich jedoch erstens an seinen Rahmenbedingungen.

„Projekt“ nennt Krystufek ihr Stück Hub deshalb vorsichtshalber. Zu Recht. Was das Stück nämlich genau sein will, lässt sich nicht so genau erkennen. Postdramatisches Theater, ein Tanzstück oder doch eher Performance? Komödie, Lehrstück? Nicht wirklich ersichtlich. Nicht dass es notwenig wäre, stückimmanent eine rasiermesserscharfe Trennung zwischen den einzeln Genres ziehen zu müssen. Wenn ein Stück aber alles gleichzeitig sein will verschwimmen die Grenzen, alles läuft ineinander und wird ununterscheidbar und driftet somit in die Belang- und Bedeutungslosigkeit ab.

Schwache Provokation

Das zweite, wesentlich gravierende Problem ist jedoch Krystufeks Sprache und deren Herangehensweise an höchst prekäre Problematiken. Krystufek versucht es mit der Königsdisziplin Humor um sich Thematiken wie Homosexualität, Religion und Kunst im islamischen Raum zu nähern – und scheitert. Die wenigen, semiseriösen Passagen werden periodischen Abständen von seltsam bizarren Bauchtanzeinlagen unterbrochen, komplett mit schwulen Tänzer und kurvig-üppigen Schehezerades. Und Krystufek ließ wirklich nichts aus, kein Klischee das nicht bedient wurde, keine Derbheit, die nicht ausgeschlachtet wurde, kein Theatertrick der nicht umgesetzt wurde. Gender- und Rollentausch, ein wenig Hysterie, exzessives Einsetzen des Wortes „Schwanz“ – all diese mittlerweile fast verstaubten Theaterprovokationen lenken nicht von der Tatsache ab, dass Krystufeks Sprache nicht trägt. Hier wird verzweifelt versucht Aufhebens zu machen aber alles was gelingt ist hysterische Schaumschlägerei. Thematiken wie Frauen und deren Sichtbarkeit in der Kunst und am Kunstmarkt, Homosexualität in Ländern, in denen diese noch mit Todesstrafe vergolten wird, europäische und islamische Ignoranz und Arroganz werden derart oberflächlich und leichtfertig behandelt. Jeder Ansatz eines tiefergehenden Gedankens wird von halbnackten Bauchtänzern, Imamengebeten oder Kamelen in der Wüsteeinblendungen sofort im Keim erstickt. Spätestens bei den halbherzigen Witzen über Fukushima kann man nur mehr den Kopf schütteln. „Hub“ ist nichts anderes als eine künstlerisch Ausgeblasene Reproduktion von arabisch-europäischen Stereotypen, die jedoch nie kritisch hinterfragt und analysiert werden sondern bevor es zu einer Theoretisierung der Problematiken kommt wird weitergezappt: Stereotyp, Bauchtanz, Stereotyp, Kamel.

Auch nach 70 Minuten wird nicht ersichtlich, worum es eigentlich gehen soll. Jeder Versuch einer ernsthaften Auseinandersetzung scheitert, die Sprache kann das Stück nicht tragen, zurück bleibt ein schaler Beigeschmack und Kopfschütteln.

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GARAGE-X

Petersplatz 1
1010 Wien
http://www.garage-x.at

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2 Antworten auf Krystufeks Hub – Liebe in der Garage X – Verstecken

  1. Nino sagt:

    Oweh
    das klingt nicht gut.

  2. Laura Windhager sagt:

    @Nino
    das war es auch nicht. absolut nicht empfehlenswert. außer man legt wert auf kopfweh nach dem stück.

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