Kultur

Walter Pichler Ausstellungsansicht, zentrale Figur: Bewegliche Figur mit Organzakleid, 1982; © Wolfgang Woessner/MAK

Künstler im Fokus: Walter Pichler

1. November 2011 • Kultur

Es ist eine seltene Ehre, die dem MAK seit einigen Wochen zuteil wird. Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Künstler im Fokus“ präsentiert das Museum für angewandte Kunst in Wien unter dem Titel „Skulpturen Modelle Zeichnungen“ ebensolche Exponate des Künstlers Walter Pichler. Eine der raren Gelegenheiten die Ausstellungsstücke im Original zu sehen, denn der öffentlichkeitsscheue Künstler lebt und arbeitet sehr zurückgezogen und präsentiert seine Arbeiten nur selten einem breiten Publikum.

Vielmehr verweigert sich der Bildhauer, Architekt und Zeichner dem kommerziellen Kunstbetrieb. Angebote für Professuren schlägt er aus, an Ausstellungen beteiligt er sich nur selten, seine Skulpturen verkauft er aus Prinzip nicht. Seit den frühen 70er Jahren lebt der in Südtirol geborene Künstler auf einem von ihm erworbenen Bauernhof im Burgenland, wo er seither zurückgezogen lebt und arbeitet. Der Hof fungiert als Atelier-Komplex und dient zudem als ideale Hülle für Pichlers Werke, denn, wie der Künstler im Interview mit Ö1 erklärt: „Wo hört die Skulptur auf und fängt der Raum an?“

Das MAK als zweite Haut

Der relativ neu ausgebaute Dachboden des MAK mit seinen sichtbaren Verstrebungen scheint wie geschaffen für die ausgestellten Exponate zu sein. Eckig und kantig geben sich auch die Exponate der Ausstellung, etwa die Zeichnung „Metallkleid für einen Schlafenden“ (1970), die ihre skulpturale Entsprechung in den sich immer mehr abstrahierenden Betten aus Metall und (spitzem) Glas finden. Dort liegen „schlafende“, unbewegliche Figuren – ob sie von der Hülle geschützt sind oder sie wie Schneewittchen im Sarg aus Glas ausharren müssen, man weiß es nicht genau.

Die Form der meisten Objekte geht von der menschlichen Silhouette aus, es sind reduzierte, archetypisch wirkende Figuren, die eine besondere Erhabenheit ausstrahlen. In ihrer Strenge und Unberührbarkeit scheinen sie ebensolche Einzelgänger zu sein, wie ihr Schöpfer. Diese Attribuierung menschlicher Eigenschaften resümmiert der langjährige Direktor Peter Noever in der Online-Ausgabe der Zeit: „Pichler fordert für seine Arbeiten, was für Kunstobjekte ungewöhnlich zu sein scheint: Identität. Er verleiht sie ihnen, indem er ihnen nicht nur Rollen, wie beispielsweise jene von Beschützern, zuschreibt, sondern sie in Orte bettet und für sie eigene Welten schafft.“

Einheit von Skulptur und Architektur

Die Verbindung der beiden Disziplinen, die in Pichlers Ouvre in besonderer Weise zu Tragen kommt, fand im MAK bereits 1990 mit dem „Tor zum Garten“ seinen Ausdruck. Einerseits Skulptur, die in die Architektur des MAK in subtiler Weise eingreift und dieses annektiert, andererseits gänzlich eigenständiges Bau- und Kunstwerk des Künstlers. Die Ausstellung „Walter Pichler. Skulpturen Modelle Zeichnungen“ jedenfalls ist eine sehr gelungene Einzelschau und eine würdige finale Präsentation der Reihe „Künstler im Fokus“ – auch wenn man sich nicht von den bedrohlich über der Treppe schwebenden, speerartigen Objekte abschrecken lassen darf. (Barbara Pflanzner)

Künstler im Fokus #11:
Walter Pichler.  Skulpturen Modelle Zeichnungen
MAK – Museum für angewandte Kunst
bis 26.2.2012
Eintritt € 7,90, ermäßigt € 5,50

Abbildungen:
MAK-Ausstellungsansicht, 2011
Schlafender, Grundkonstruktion, 2011
© Wolfgang Woessner/MAK

MAK-Ausstellungsansicht, 2011
v.l.n.r.: Herumsteher, 2000;
Zusammengesetzte Figur (Kopf von Dieter Roth), 1999;
Bewegliche Figur mit Organzakleid, 1982;
Kleiner Rumpf, 1997;
Rumpf, 1982
© Wolfgang Woessner/MAK

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MAK

Stubenring 5
1010 Wien
+43 1 711 36-0
http://www.mak.at

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