Kultur

(c) olliwood productions Fotos: Helmut Prochart 2011
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Kino im Kopf spezial – Komm, süßer Tod

5. Oktober 2011 • Kultur

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Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einer Straßenbahn der Wiener Linien und fahren quer durch die Stadt. Stellen Sie sich vor, sie tragen einen Kopfhörer, über welchen sie die Tonspur des Films „Komm, süßer Tod“ hören. Stellen Sie sich vor, dass Sie sich einzelne Szenen aus dem Film im öffentlichen Stadtraum selbst suchen müssen. Individuelle Vorstellungskraft vermischt mit realen beziehungsweise inszenierten Bildern – so geschehen bei der Veranstaltung „Kino im Kopf spezial: Komm, süßer Tod“ des Künstlers Oliver Hangl, die am 4.10. ihre Premiere feierte.

Das ist Kunst im öffentlichen Raum mal anders. Der Performance- und Medienkünstler Oliver Hangl, der den meisten auch aufgrund seiner „Gehsteigdisco“ oder dem „Wiener Beschwerdechor“ ein Begriff sein dürfte, eignet sich mit seinem „Kino im Kopf“ den Wiener Stadtraum auf eine sehr interaktive Art und Weise an. Die TeilnehmerInnen lauschen über Kopfhörer den Sound des Films „Komm, süßer Tod“, während sie in einer Straßenbahn quer durch Wien gefahren werden, draußen wird der Stadtraum zur Bühne.


Inszenierte Fiktion oder inszenierte Wirklichkeit?

Die rasante Geschichte rund um seltsame Todesfälle im Rettungsfahrer-Milieu, die der Ex-Polizist und Neo-Rettungsfahrer Brenner mit seinem Kollegen Berti aufklärt, wird von Hangl mit Hilfe von Schauspielern und Komparsen im öffentlichen Stadtraum szenisch bebildert. Dabei stellt sich für die in der Straßenbahn sitzenden Gäste ein ums andere Mal die Frage, welche Person oder Szene ist real – und was wird gerade gespielt? Denn einige Szenen aus dem Film, die parallel über die Kopfhörer beschrieben werden, gliedern sich vollkommen natürlich in den Stadtraum ein – etwa, wenn der Ausdruck „Spenderleber“ auf ein Wirtshaus-Schild aufgemalt ist oder ein Rettungshelfer eine Frau im Rollstuhl vor sich her schiebt. Andere Handlungen müssen wiederum von den Teilnehmern im Menschengewurl der Stadt erst einmal ausfindig gemacht werden.

Hoher Entertainment-Faktor

Das Konzept von "Straßenbahn als Kinosaal und Stadt als Handlungsort" birgt einen hohen Entertainment-Faktor. Sehr lustig ist, wenn bei einer Liebeszene zwischen Brenner und der „beinbegipsten“ Clara vor dem Burgtheater die vorbeigehenden Passanten ihren Fotoapparat hervorholen oder wenn der Künstler während der Fahrt aussteigt und wegsprintet, um anschließend selbst aktiv an der Story teilzunehmen. Als sozusagen „roter Faden“ fungiert ein gelbes Rettungsauto mit der Aufschrift „grünes Kreuz“. Immer wieder lässt es sich im Verkehr in der Innenstadt entdecken, verschwindet wieder zwischen den Autos oder nimmt eine andere Route, um dann wieder aufzutauchen und einen weiteren Handlungsort zu markieren. Circa eine Stunde dauert die Fahrt vom 14. bis in den 20. Bezirk, den restlichen Weg bestreiten die Gäste zu Fuß. Dann ist der öffentliche Stadtraum endgültig zur Bühne und sind die BesucherInnen selbst zum Kino geworden.

Unkontrollierbares Kino

49 Statisten und (O-Ton Oliver Hangl) etwa 700 Passanten formieren sich zu circa 30 Szenen aus dem Film. Was im Vorbeifahren so leicht und spielerisch anmutet, ist eine organisatorische und logistische Glanzleistung. Rote Ampeln, andere Verkehrsteilnehmer und potenzielle technische Probleme sind eine hohe Anforderung an das Team rund um den Künstler. Dass die Szenen deswegen nicht immer synchron mit dem Gehörten stattfinden, tut dem Ganzen keinen Abbruch. Eine höchst unterhaltsame Veranstaltung, die es dem Betrachter überlässt herauszufinden, welche Wahrnehmungen nun real, welche inszeniert, und welche sie nun selbst zum Teil von „Kino im Kopf“ haben werden lassen. (Barbara Pflanzner)

Kino im Kopf spezial: Komm, süßer Tod
by Oliver Hangl
www.olliwood.com

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