Kultur – Musik

(c) Dina Regine / http://www.flickr.com/photos/divadivadina/2726296562/
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Keith Richards: Autor des Jahres

9. September 2011 • Musik1 Kommentar zu Keith Richards: Autor des Jahres

Keith Richards ist bei den "GQ Men of the Year"-Awards zum Autor des Jahres gekürt worden. Dass es dabei nicht etwa um von "Keef" verfasste romantische Prosa dreht, sondern um seine großartige Autobiographie "Life", dürfte klar sein. Eine Hommage.

Rock’n’Roll Autobiographien
: von Lemmy bis Anthony

Rock’n’Roll Autobiographien gibt es viele, und dass in einigen oft explizit und nicht immer ganz gesellschaftskompatibel von illegalen Suchtmitteln, Geschlechtsverkehr und allerlei Extravaganzen die Rede ist, dürfte auch nichts Neues sein. Man denke da an Anthony Kiedis‘ Biographie, der lebhaft erzählt, wie er bereits in seinen Prä-Teenage Jahren dank eines sexuell recht frei denkenden Vaters die eine oder andere weibliche Bekanntschaft machen durfte und bereits mit Marihuana und anderem rumexperimentierte, während sich anderen noch heimlich bei der Tankstelle eine kleine Flasche "Sauren Apfel" und ein Playboy-Magazin kaufen.

Oder Mötley Crüe, die mit "The Dirt" eine unfassbar unterhaltsame, aber über weite Strecken nicht minder unfassbar abstoßende Lebensgeschichte erzählt haben, mit Anekdoten, wo sich der Rock’n’Roll-affine Leser abwechselnd vor Lachen biegt und sich leicht beschämt vorstellt, was die Mamas der vollgepeckten Holladrios denn denken mögen, wenn sie dieses Machwerk lesen.

Auch Lemmy hat vorgelegt, und dass der kein Kind von Traurigkeit ist und auch seinem zarten Alter gerne und stolz eine Flasche Jack Daniels plus die eine oder andere Line Speed konsumiert, ist auch allgemein bekannt.

Life

Keith aber hat, natürlich mit Co-Autor, die wohl beste Rock’n’Roll Autobiographie verfasst. Als Grundargument für die Relevanz dürfte "schließlich ist es Keith von den Rolling Stones" schon ganz gut herhalten, was aber auch Bill Wyman und Ron Wood mit ihren eher lauwarmen Büchern nicht geschafft haben, schafft Onkel Keef spielend und bravorös:

Mehr mitnehmen als "Life" geht nicht, und das weder kokett oder aufgesetzt, noch, wie bei Lemmy ab und an, selbstmitleidig. Keith erzählt sein Leben (und Herrgott, für solche Leben erfand man das Wort "bewegt") inbrünstig, passioniert, schonungslos, oft äußerst charmant – und reflektiert. Da ist längst nicht immer das "Scheiß drauf" Augenzwinkern dabei.

Bei all dem Wahnsinn ist das Großartige an Keith Richards seine endlose Passion. Fürs Gitarre spielen, für die Musik, fürs Leben. Und dass dieses "Brennen" natürlich auch schattigere Seiten mit sich bringt, unter anderem die zweite Ingridienz von "Sex, Drugs und ehschonwissen" nämlich, beleuchtet "Life". Die Exzesse, die Streitigkeiten (unter anderem mit Mick Jagger, der Keith nach der Lektüre, so ist anzunehmen, nicht mehr ganz so knorke finden könnte) und Verluste, unter anderem den seines Sohnes. Keith Richards Buch ist ein Zeitdokument von Dekaden das näher am Geschehen nicht sein könnte.

Keith Richards ist ein Epitom von sovielen Dingen – wie die New York Times so schön schrieb – "not only the heart and soul of the world’s greatest rock ’n’ roll band, he’s also the very avatar of rebellion: the desperado, the buccaneer, the poète maudit, the soul survivor and main offender, the torn and frayed outlaw, and the coolest dude on the planet, named both No. 1 on the rock stars most-likely-to-die list and the one life form (besides the cockroach) capable of surviving nuclear war".

Onkel Keef, er lebe hoch.

Keith Richards hat seine Geschichte hervorragend erzählt. Dass er noch am Leben ist, kann als biologisches Wunder gesehen werden. Robin Williams meinte mal, dass nach dem Atomkrieg die einzigen Überlebenden ein paar Kakerlaken und Keith Richards wären, der den Viehern erklärt: "I smoked your uncle, did you know that?".

Auf dass er sie alle überlebt, unser Onkel Keef.

Keith Richards "Life". Erschienen im Heyne Verlag.
Gebundene Ausgabe: 736 Seiten
Auflage: 2009 (26. Oktober 2010)
ISBN-10: 3453163036
ISBN-13: 978-3453163034

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Eine Antwort auf Keith Richards: Autor des Jahres – Verstecken

  1. Charles sagt:

    Ob Keith noch selbst
    Schreiben kann? Ich hab da berechtigte zweifel. Der job des ghostwriters ist sicher auch extrem hart, nur bei ozzy wärs noch schlimmer, aber good job. Da hatte keith viel zeit und der ghostwriter viel geduld. Das ergebnis ist genial.

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