Lifestyle – Skurriles

Aussen

Jet-Rest

18. April 2013 • Skurriles

Kitsch, Skurrilität und pure Geschmacklosigkeit – Themenrestaurants sind wirklich nichts für schwache Gemüter, entbehren aber auch nicht eines gewissen Charmes. Das Disneyland der österreichischen Erlebnisgastronomie befindet sich allerdings eigentlich in Tschechien: das Niki Lauda-Jet-Rest, ein Restaurant in einem ausgemusterten Flugzeug.

Schon von Außen zeigt die angeblich von Prof. Ernst Fuchs gestaltete Iljuschin UK-62 – übrigens die ehemalige tschechische Regierungsmaschine, die hier ihren wenig glanzvollen Ruhestand verlebt – einen erheblichen Trash-Faktor, ziert doch eine nackte Dame in bester Airbrush-Truck-Manier die Hülle. Eintreten kann man entweder klassisch über die Treppe oder über eine geschlossene Brücke direkt von der Mall aus, wo man sogar bei einem Fake Check-in Schalter vorbei muss.


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Die Innenraumgestaltung vermittelt authentisches Ostblock-80er-Flair (obwohl die Eröffnung im Jahre 2000 stattfand) und überbietet die Aussenhülle farbtechnisch noch bei Weitem: Leoparden-Sitzbezüge(!) und andere wilde Stoffmuster mischen sich da mit dem bunten Plastik-Marmor der Kaffeehaustische und den Airbrush-Motiven „aus aller Welt“, die die Wände der Flugzeugkabine zieren – genauso wie die Speisekarte ist der Flugzeug-Innenraum nämlich den fünf Kontinenten gewidmet.

Bei Themenrestaurants gilt im Normalfall ja die Regel „je origineller die Deko, desto schlechter die Küche“, und die Deko im Jet-Rest ist schliesslich wirklich phantastisch – was das für die Küche heißt, zeigt schon ein Blick in die internationale Speisekarte: die wenigen Speisen die nicht paniert sind wären etwa die australische Känguruhsuppe oder der asiatische Fisch mit Currysauce – das afrikanische Pharaoschnitzel entpuppt sich als ein Patchwork-Teppich aus Hühnerstückchen, der von Backteig zusammengehalten wird – allerdings isst man im Jet-Rest dafür auch eher günstig, wenn man nicht die Straußenmedallions für 13 Euro bestellt.

Alles egal: denn was zählt ist das Erlebnis, und geboten bekommt man im Jet-Rest wirklich Einiges – bis ins kleinste Detail ist das Restaurant liebevoll durchgeplant: Plastikaufsteller von weltweiten Sehenswürdigkeiten, sich drehene Turbinen (leider ohne Motorenlärm), wirklich funktionierende Flugzeugtoiletten(!), ein freier Blick ins Cockpit und der Schanigarten auf den Flügeln (mit Blick aufs benachbarte Ritterburgen-Themenrestaurant), garantieren immerhin einen absolut gelungenen Trip ins Absurde. So gut haben Sie noch nie schlecht gegessen! (rmd)

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