Kultur – Musik

Jack Johnson

Jack Johnson – beinahe eine Hommage

29. April 2011 • Musik

Jack Johnson hatte gerade sein erstes Album, „Brushfire Fairytales“ veröffentlicht, als ein Freund von mir gerade nach einem Auslandjahr in der USA heimkam und meinte, da gäbe es diesen Surfer und Filmemacher, einen Kumpel von Ben Harper, der jetzt eine Platte rausgebracht hätte, die ich mir unbedingt anhören müsse. Ganz akustisch alles zusammen, mit dem nötigsten an Drums und Bass. Damals war „chillig“ auch nicht so ein Unwort.

Was haben wir alle „Brushfire Fairytales“ auf- und abgehört, mit grandiosen Songs wie „Flake“ oder „Bubble Toes“ (und dem für mich eher unerträglichen „Sexy Plexy“). Und als dann „On And On“ rauskam, ging der Johnson-Wahnsinn bei uns allen munter weiter – Musik, die eine heitere aber nachdenkliche Lockerheit verspürt, die viele von uns gerne haben würden. Es gab keine Session, kein am See oder im Park mit Gitarren sitzen, wo „Taylor“ nicht vorgekommen wäre. Die maritimen Metaphern gingen quer durch die Presse, Musik wie ein ruhiger Tag am Pazifik, was geht, geht und was geht, geht eben nicht. Hauptsache, on and on… Jack, der Buddha mit der Akustikgitarre.

it goes on and on…

Eigentlich war es klar, dass es kommen würde, wie es gekommen ist – Jack Johnson mutierte mit seinem dritten Album zum Mega-Seller, zum internationalen Superstar. Und ganz nebenbei hatte Johnsons akustischer, reduzierter Sound auch weitaus mehr Einfluss auf das, was man heutzutage vielleicht Singer/Songwriterpop nennen könnte. Nach und nach ist die Akustikgitarre im Pop wieder tragend geworden – nicht als das Instrument, dass beim Balladenblock im Set gezückt wird – und Johnsons Gitarrespiel hat da mit Sicherheit seinen Teil dazu beitragen – sowie der hierzulande für seinen Einfluss auf die Akustikgitarre nur bedingte US-Superstar Dave Matthews, der ganze Heerscharen von Jason Mraz´es (oder wie man Mraz auch immer im Plural rüberbringen kann) zu verantworten hat.

shoeboxes of photographs…

Und während ich früher Freunde beineidet hatte, die sich die Kohle zusammengekratzt und sich Jack Johnson in Australien angeschaut haben, müssen wir mittlerweile nicht mehr nach Übersee zu Jack, nein, Jack kommt zu uns, war schon mehrmals da. Ich sage es ehrlich: irgendwann habe ich einfach das Interesse an ihm verloren, oder sagen wir, es ist zwischenzeitlich eingeschlafen. Nicht, dass ich die Musik nicht gut gefunden hätte – Erneuerungen gab es bei Johnson, E-Gitarre hin oder her, nur bedingt. Das war für mich ähnlich wie bei Norah Jones: als deren erstes Album veröffentlicht wurde, war ich hin und weg und habe wenig anderes gehört für eine Weile, ab Album Nummer drei wurde es für mich aber eher bedeutungslos.

Aus irgendeinem Grund habe ich mir aber letztens wieder „Better Together“ angehört, dieses simple aber völlig charmante Liebeslied über „the shoebox of photographs and sepia-toned loving“ und musste wieder an Jack denken, und wie ich mir damals eingeredet habe, jetzt auch Surfen gehen zu müssen und an meiner inneren Balance zu arbeiten und Flip Flops zu tragen. Dann kommt noch dazu, dass Freunde von mir gerade in seinem Studio in Los Angeles waren um dort aufzunehmen und irgendwie brachte mich das dazu, wieder an Mellow Jack zu denken, und dass ich ihn eigentlich schon gerne live sehen würde.

…and on and on…

Mit ein wenig Abstand zum früheren Fantum muss ich gestehen, dass ich Jack völlig großartig finde und mir das Konzert ansehen werde. Eine Tour, bei der Jacks Einnahmen zu hundert Prozent gespendet werden ist schon per se unterstützenswert, Jacks Umweltethik ebenso. Brushfire Records, solarbetriebenes Studio. Jack ist irgendwie ein Typ, auf den man sich einigen kann. Konsensmusik behaupten böse Zungen, mögen sie es behaupten.

Vielleicht lege ich mir auch wieder mal den Soundtrack auf, den ich früher so toll fand – jenen, den wir bei unserem Roadtrip durch die Wüste damals gehört haben: Jack, John Butler, Jason Mraz (bevor er unerträglich wurde), Dave Matthews und wie sie alle heißen…

…and on…

Und auch wenn der Eintritt mit knappen 60,- Euro ziemlich teuer ist, werde ich mit Tausenden anderen am 28.7. in der Ottakringer Arena Wiesen stehen, im besten Falle bei bestem Wetter und wenn es regnet wäre das vielleicht noch besser, und den früheren Hardcore-Fan rauslassen. Weil: it goes on and on and on…

Markus Brandstetter

Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

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