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Banksy © pierre33

Ist das Kunst oder kommt das weg?

9. November 2011 • Kultur4 Kommentare zu Ist das Kunst oder kommt das weg?

Wisch, Schrubb, Putz … und weg ist der vermeintliche Schandfleck – der sich später allerdings als millionenteures Kunstwerk entpuppt. Die Reinigung der Austellungsräumlichkeiten durch eine gewissenhafte Dortmunder Putzfrau, der das 800.000 Euro teure Kunstwerk „Wenn es anfängt durch die Decke zu tropfen“ von Martin Kippenberger zum Opfer fiel, reiht sich ein in eine lange Geschichte versehentlicher Kunstzerstörungen. Wir haben eine kleine Auswahl für euch zusammengestellt.

Das spannungsreiche Verhältnis zwischen moderner Kunst und Reinigungskräften ist schon alt. Im Jahr 1986 wurde die Arbeit des Künstlers Joseph Beuys mit dem Titel „Fettecke“, bestehend aus 5 Kilogramm Butter, vom Hausmeister der Düsseldorfer Kunstakademie weggewischt. Das tragische Ende der Fettecke hatte insofern ein happy end, als es das Werk zu einer der bekanntesten Arbeiten des Künstlers werden ließ.

Weitaus wunderlicher ist die zweite Kunstzerstörung, der Beuys zum Opfer fiel. Offensichtlich wird seine Kunst nicht immer von allen als solche erkannt und verstanden, denn seine mit Heftpflastern und Mullbinden versehene Wanne, in welcher der Säugling Beuys angeblich immer gebadet wurde, war von zwei Mitgliedern des SPD-Ortsvereins zum Abwaschen der Gläser benutzt worden. O-Ton der beiden Frauen: „Wir dachten, das alte Ding könnten wir schön sauber machen und benutzen, um darin unsere Gläser zu spülen. So wie die aussah, konnten wir sie nicht gebrauchen. Deshalb haben wir die Wanne geschrubbt“ – sehr zum Ärger des Künstlers.

Aber nicht nur bei unseren deutschen Nachbarn ging der Schuss aufgrund Übereifrigkeit nach hinten los. Erst diesen Sommer wollte das muslimische Kulturzentrum im englischen Bristol einen ordentlichen Eindruck machen und malte die Außenwand des Zentrums kurzerhand weiß. Ungünstig nur, dass sich an ebenjener Wand ein Graffiti des englischen Superstars Banksy befand – ein tausende Pfund teures Kunstwerk binnen Minuten unter einer Schicht gutgemeinter Farbe verschwunden. Das tut weh.

Allerdings auch aufgrund des Umstands, dass Arbeiten des berühmtesten Street Artists bereits mehrfach als vermeintliche Schmierereien identifiziert und durch angeordnete „Restaurierungen“ zerstört wurden: in Melbourne verschwanden Banksys Fallschirm-Ratte sowie ein altmodischer Taucher im Trenchcoat, und in London übermalten Bauarbeiter die Darstellung einer Szene aus dem Film "Pulp Fiction". Die Verantwortlichen der Stadt dürften sich im Nachhinein sehr geärgert haben. Das Graffiti, das die Schauspieler John Travolta und Samuel L. Jackson statt mit Waffen mit Bananen in den Händen zeigt, hatte immerhin einen geschätzten Wert von etwa 340.000 Euro.

Eine zerknirschte Stadtverwaltung hat wohl auch die Stadt New York. Deren U-Bahn-Stationen wurden in den 1980er Jahren nämlich regelmäßig mit Graffities von Keith Haring versehen – und ebenso regelmäßig vom Putzpersonal ebendort wieder weggemacht.

Vor einer zugegebenermaßen etwas schwierigeren Aufgabe waren die Mitarbeiter des Reinigungsdienstes bei folgenden beiden Kunstwerken gestellt: im Jahr 2011 räumten diese nämlich die Installation „Untitled“ von Damien Hirst auf, die aus übriggebliebenen Resten einer Party bestand. Der amüsierte sich anscheinend über den Vorfall. Die Mitarbeiter des Londoner Auktionshauses Sotheby’s hatten da schon mehr Pech: diese schmissen eine scheinbar leere Kiste in einen Müllzerkleinerer – in der sich allerdings ein 157.000 US-Dollar teures Bild des britischen Malers Lucian Freud befand.

Also liebes Putzpersonal und liebe Stadtverwaltung: vielleicht doch besser erstmal den „Schmutz“ Schmutz sein lassen, bevor dieser unwiederbringlich im Mülleimer verschwindet.

(Barbara Pflanzner)

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4 Antworten auf Ist das Kunst oder kommt das weg? – Verstecken

  1. stp sagt:

    banksy my ass
    banksy hat offenbar nicht verstanden um was es bei street art geht, nämlich auch um das ephemere. und wieso soll ein wandbild so viel wert sein? wand abreissen und versetzen?

  2. pflanzner sagt:

    naja
    banksy hat das vermutlich eh verstanden – die preise bestimmt ja in der regel der markt. warum manche bilder so extreme preise erzielen, ist sowieso recht undurchsichtig..

  3. stp sagt:

    @pflanzner
    ich habe mich verlesen, ich dachte banksy wäre verägert gewesen, nicht die verantwortlichen.

  4. floke sagt:

    banksy
    ich war vor 2 jahren in london und wollte mir das pulp fiction ding ansehen. war dann auch sehr enttäuscht, dass es übermalt wurde. schade um das gute bild!

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