Lifestyle – Skurriles

(c) Gerd Altmann/Shapes
(c) Gerd Altmann/Shapes

Internettrends – Dafuq?

17. April 2013 • Skurriles

#Generationenkonflikt ist ein Terminus, der wohl allen bekannt ist. Doch die Zeit scheint reif für eine Neu-Besetzung des Begriffs zu sein! Denn wer mir die eigentümlichen Rituale, Bräuche und Usancen meiner eigenen Generation erklären kann, der möge den ersten Stein werfen – und am Besten ein Video davon auf Youtube hochladen.

#Hashtag? Das ist doch was Illegales, oder?

Dass die Flut an technischen Gadgets, smarten Phones, Tabletts (was sollen die können, außer Sachen zu tragen?) und Apps einen ein bisschen schwindlig machen kann, brandmarkt einen nicht gleich als Generations-Outsider. Wenn man ein #Hashtag für einen berauschten ganztags Trip hält, gilt das schon eher. Aber jetzt mal ehrlich: das geht doch alles zu schnell!? Zwei Wimpernschläge hat es gedauert, bis der obligatorische „Chai Latte“ im Café in Uni-Nähe durch ein tödlich-chemisch aussehendes Getränk mit „Bubbles“ ersetzt wurde, an dem plötzlich jedeR unter 30 wie am Tropf hing. Aber keine Sorge – ist schon wieder out!

OMG – Luv is in the air!

Dunkel erinnern wir uns an Zeiten, in denen #Flirten über Blickkontakt und den einen oder anderen Drink zu viel angeleiert wurde. „Ach Omi, kA wovon du da redest!“, denken sich nun manche meiner Generations-GenossInnen! Denn jetzt gibt es „Spotted“! Wenn ich also irgendjemanden sehe, der mir gefällt, brauche ich nicht einmal von meinem Smartphone aufsehen und *gg* machen, sondern ich suche „Spotted @U3“ oder „Spotted @irgendeintalinvorarlberg“ und schon ist das Opfer meiner Begierde gefunden! Wenn alles gut geht, textet er mir bald „hdl“, ganz Mutige greifen zu Küsschen-Smiley.

Wer keine Hobbies hat, fährt nach Absurdistan

Trotz der Kurzlebigkeit unserer Zeit scheinen viele junge Menschen von unerträglicher Langeweile geplagt zu werden. In Ermangelung sinnvolleren Zeitvertreibs und unter Miteinbeziehung der am leichtesten verfügbaren Utensilien nimmt Beschäftigungstherapie hochinteressante Formen an. Da filmen sich junge Leute dabei, wie sie sich steif wie ein Brett auf den dreckverkrusteten Bakterienfriedhof einer Fußgängerzone legen („Planking“ für alle Outsider) oder einen Liter Milch über den Kopf kippen. Wem das hier beschriebene „Milking“ zu politisch unkorrekt ist, der greift zu „Porting“ (einfach die Milch durch eine Flasche Portwein ersetzen). Das ist vegan, laktosefrei und kann als kritischer Kommentar zur Alltagsdroge Alkohol gewertet werden.

Der BF des Menschen ist auch nicht sicher

Wer sich zu fein ist, sich selbst öffentlicher Demütigung preiszugeben, der macht sich einfach sein Haustier untertan, vorzugsweise seinen Hund. Einfach das Köterchen in die Ecke gesetzt, ein paar liebevoll drapierte Papierfetzen, Klopapierrollen und eine in den Teppich geschmierte Leberstreichwurst später fotografiert man sein Opfer und nennt das dann „Dogshaming“. Shaming ja, aber für wen? Ein möglicherweise selbstkritischer Ausdruck des Selbst- und Fremdschämens entlang diverser Internettrends ist die Begeisterung für die wohl hässlichste Ausgabe eines sonst so lieblichen Tierchens: #Grumpy Cat. Da werden auf den FB-Pinnwänden wild Fotos einer höchst unzufrieden aussehenden Katze hin- und hergepostet, teilweise in entwürdigenden Posen oder verkleidet als rosa Monster. Wofür ist dieser Hype Ausdruck? Allgemeine Unzufriedenheit, kompensiert in einer Welt, in der alle perfekte Perlweiß-Minen aufsetzen sollen? Vielleicht sind viele auch einfach ein wenig einsam, obwohl man gleichzeitig den Eindruck hat, nirgends mehr allein sein zu können. Dazu asap mehr in Teil zwei…

Foto (c) Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com
Pixelio.de

Nadja Pospisil

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