Kultur – Film / TV

Riccardo Pizzuti

Immer mitten in die Fresse rein

28. Mai 2013 • Film / TV

Wie heißt eigentlich der Bösewicht, der von Bud Spencer und Terence Hill durch fast jeden ihrer Filme geprügelt wird? Stadtbekannt kennt seinen Namen.

Es war immer schon leicht die Helden zu lieben – besonders die Helden der Kindheit. Die, die immer alles richtig machten, immer Recht hatten. Michael Knight war so einer, MacGyver und vor allen anderen natürlich die beiden liebenswertesten Haudraufs der Filmgeschichte – Bud Spencer und Terence Hill. Bei ihnen saß jede Faustwatsche, jeder Schmäh zündete auf Kommando.

Der Mann in der Schlaglinie

Doch wo gehobelt wird, da fallen Späne – es muss also jemanden geben, der all die Ohrfeigen und derben Schmähs einsteckt. Und genau so einer ist Riccardo Pizzuti. Wir alle kennen ihn, doch wissen wohl nur die Allerwenigsten seinen Namen. Er war das Lieblingsopfer des liebenswerten Phrasen- und Faustdrescher-Duos Spencer/Hill.

Niemand konnte so oft, so viel und in solcher Eleganz einstecken wie der italienische Stuntman, der in fast jedem Film der beiden auftritt und seinen Part als sinistrer Bösewicht oder dessen Handlanger, runterreißt. Manchen ist er vielleicht unter der dem Spitznamen Silberpappel aus der großartigen Komödie "Zwei Missionare" bekannt, in der zwei schlagkräftige Priester den bösen Kolonialisten ordentlich den Garaus machen. Aber auch als fallsüchtiger Kneipenwirt in "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" oder als Revolverheld Jeff in "Die rechte und die linke Hand des Teufels", war so sicher, dass er eine auf die Zwölf bekam, wie die Bohnen in der Pfanne.

Karrierebeginn in den 1960ern

Seine Karriere begann der schlaksige Fallkünstler Mitte der 1960er Jahre mit kleinen Rollen vor allem in Italo-Western. Während der Hochblüte des Spaghetti-Genres war es auch, als er Ende der 1960er auf das ebenfalls aus dem Staub- und Blaue-Bohnen-Eck kommende Duo Spencer/Hill traf. 1968 machte man den ersten gemeinsamen Film "Vier für ein Ave Maria". Zwei Jahre später folgte "Die rechte und die linke Hand des Teufels" und bald gehörte Pizzuti, der auch unter den Pseudonymen Rick Piper oder Richard Stark aktiv war, zum fixen Inventar jeder Prügel-Komödie. Bis in die frühen 1990er stand er so als Watschenmann vom Dienst zur Verfügung. Nebenbei trat er immer noch als Darsteller kleinerer Rollen in Italo-Western und anderen Filmen auf.

Beeindruckend neben der Sicherheit seiner gehirnerschütternden Bodenküsse war vor allem auch die schier selbstzerstörerische Penetranz, der von ihm verkörperten Figuren. Zumeist war er der Erste, der einen Streit vom Zaun brach oder zu Boden ging und oft der Letzte, der sich noch einmal zur finalen Kopfnuss anstellte.

Ein fallender Held

Wie viele zwerchfellerschütternde verregnete oder kalte Sonntagnachmittage haben wir vor der Zeit, als es zur Normalität wurde, diese mit (Kater-)Kopfweh im Bett zu verbringen, mit diesem wackeren Mann verlebt, ohne uns seiner Dauerpräsenz so wirklich bewusst zu sein.
Heute, mit knapp 80 Jahren, hat sich Riccardo Pizzuti aus dem Filmgeschäft zurückgezogen und lebt irgendwo in der Nähe von Paris. Uns aber wird er immer als einer der unbesungenen Helden der Filmgeschichte in Erinnerung bleiben – als der Mann, der immer dort zur Stelle war, wo es einen Kinnhaken zu kassieren gab.

Ein "Best of" der schönsten Niederschläge:

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