Lifestyle

His Bobness.

Hommage an den Schnauzbart

20. Jänner 2013 • Lifestyle

Der Schnauzbart, ein anachronistischer Monolith der Behaarungsphilosophie, dessen Zenith im popkulturellen Mainstream-Kontext zwar überschritten sein mag, der gerade deshalb aber den Brückenschlag zwischen konservativer Werterhaltung und postmoderner Progressivität spielend meistert. Etwas umständlich, aber wunderschön beschreibt Wikipedia die Kunst des gepflegten Oberlippenbartes als „Barttracht[…], bei der nur jene Barthaare nicht wegrasiert werden, die über der Oberlippe wachsen".

Assoziierte man den Schnauzer in der letzten Dekade eher mit Gendarmen, Schmalspur-Strizzis und männlichen Darstellern in Filmen in denen Menschen Geschlechtsverkehr zur Schau stellen, wird auch unter Style-Afficionados der jüngeren, alternativen Semester ein gepflegter Moustache, wenngleich mit einer Portion Ironie getragenen (ähnlich den übergroßen Brillenmodellen der Jungboheme), durchaus goutiert. Schauen wir uns also einmal die Wegbereiter der Oberlippenbart-Kunst an.

Einer der Väter des popkulturell relevanten Schnauzbarts ist Tom Selleck. Keiner trug den ´stache (wie jene Bartform unter Connoisseuren gerne genannt wird) mit einer derartigen Selbstverständlichkeit und Coolness wie Magnum. Selleck, mittlerweile vom Schnäuzer zum Goatee, eigentlich dem Bart der Generation Golf, umgestiegen, wenngleich in etwas imposanterer und grau-coleur Version, ähnlich des Antlitz eines Peter Rapp. Magnum verfügte über einen derartigen Überschuss an Testosteron (unter Kennern moustache-Mojo genannt), so dass er sich den Schnauzer zu Magnum-Zeiten zwar abrasieren hätte können: er wäre ihm stante pede in gewohnter Form nachgewachsen.

Ein Gottvater des Killer-Schnauzers war natürlich auch der 2003 verstorbene, völlig großartige Charles Bronson. Der Unterschied zu Selleck war, dass wenngleich man sich mit Magnum nicht hätte anlegen wollen, er im Vergleich zu Bronson noch ein diplomatisches Gemüt versprühte. In seinen späten Jahren wurde die Rasurform des Bronson’schen Bartes feiner – nennen wir es hier den Stil des „elder statesman of moustachedom“.

Zu jenen Granden des eher dünnrasierten Bartes gehört natürlich auch Clarke Gable – doch hier gehen einige Protagonisten noch weiter. US-Regisseur John Waters (1946 verstorben) glänze mit einem Bart, der so filigran rasiert war, dass er beinahe als eine mit Lippenkonturenstift umzeichnete Oberlippe durchgehen könnte (ähnlich Thomas Gottschalks Frau Thea, die wiederum aussieht, als hätte sie einen Bart). Kontemporär glänzt derzeit vor allem Bob Dylan mit einem elder statesman-moustache. Der in der kontemporären Musik vielleicht am ikonenhaftesten Bart, buschig und grimmig, trug der geniale Frank Zappa.

Geschichtlich früher angesiedelt gab es auch den einen oder anderen extravaganteren Schnauzbart: Surreal wie seine Bilder trug der große Salvador Dalí seinen Schnauzbart, der ergonomisch den Gesetzen der Schwerkraft zu trotzen pflege. Imposant, wenngleich kombiniert mit Backenbart nicht einwandfrei als Moustache durchgehend war, Gott hab ihn selig, Kaiser Franz Joseph.

Im kontemporären Österreich waren es vor allem der Infanten-Romancier Thomas Brezina, in etwas buschigerer Ausführung der STS-Barde Gert Steinbäcker, Schneckerl Prohaska (dessen Gesichtsbehaarung stets etwas asymmetrisch und ergo schlampig rasiert wirkte) sowie früher auch Hans Krankl. Vom Fußball sprechend war vor allem die Italia 1990-WM ein gutes Jahr für Haarangelegenheiten, als Regenten dieser Disziplin muss wohl Kurt Russ genannt werden (der den Moustache, so wie viele andere, noch mit einem beherzten Vokuhila zu kombinieren pflegte). Im selben Kader verdienen auch Manfred Linzmayr und Andreas Reisinger Nennung, wenngleich sie an die Eleganz eines Kurt Russ nicht ganz herankamen.

Im neuen Millenium kam dann, weil das Rad ja bereits zu oft neu erfunden wurde, die Ironie in diverse Störmungen der Popkultur, und während es in den Neunziger Jahren dem Gros der Unter-Vierzigjährigen der Gedanke des Tragens eines von Gegnern als „Rotzbremse“ und schlimmeres titulierten Bartes ein Gräuel gewesen wäre, ist der Schnauzbart in diversen Variationen mittlerweile wieder präsent und respektabel, sei es in Songschreiber/Anti-Folk/Kreisen wie auch in Elektro-Glam-Trash-Tekkrock was auch immer Kreisen.

Stadtbekannt hält es da mit einem für diesen Zweck adaptieren AC/DC-Zitat: FOR THOSE ABOUT TO ´STACHE: WE SALUTE YOU

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