Kultur

Childree 1

Hereinspaziert! Clifton Childrees groteske Jahrmarktinstallation

18. Februar 2011 • Kultur

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Clifton Childree ist ein anachronistischer Künstler. Ein Künstler, der sich seltsam unzeitgenössischer Medien und Bilder bedient. Der sich nicht der High Definition Ästhetik und 3-D-Animation hingibt. Clifton Childree orientiert sich eher an körnigen Schwarz-Weiß-Filmen aus den 1920ern, am derben Brachialhumor alter Slapstickstreifen. An Jahrmarktstand und Jahrhundertwendeästhetik. Diese Faszination schlägt sich auch in Childrees Kunst nieder: Seine Filme und Mutimedia-Rauminstallationen lassen Reminiszenen an Varietébühnen, Kirmesbuden, Jahrmärkte, Midnight Movies, an das amerikanische Vaudeville Theater und Zirkusmanegen anklingen.

Bizarre Rummelplatzatmosphäre

Gerald Matt holte den englischen Künstler nach Wien, nachdem er Childrees Kunst vor einigen Jahren auf der Art Basel Miami entdeckt hatte. Für seine Ausstellung „Fuck that Chicken from Popeye“ im project space der Kunsthalle Wien baut Clifton Childree eine multimediale Installation aus Filmen, Sperrmüll von Baustellen, Papiermaché Skulpturen, sowie allerhand Tand und Trödel: Insgesamt neun Tafeln, auf denen Wiener Postkartenmotiven aus der Zeit um 1900 abgebildet sind, bespielt der Künstler mit Bildsequenzen- und Motiven aus der amerikanischen Populärkultur.

Man sollte sich die Ausstellung fast zweimal ansehen: Das erste Mal tagsüber, wenn die Projektionen durch die Verglasung des project space und das damit einfallende Tageslicht fast unsichtbar sind und man so die nostalgisch besetzten Schießbudencharme und die Jahrmarktästhetik erst richtig erkennen kann. So sieht man auch erst die inszenierte Ästhetik des Verfalls mitsamt dem umliegenden Dreck, dem trockenen Laub, die abgegriffenen Holzpostkarten, die ramponierten Zirkuszelte, die die Rückwände verkleiden, die Papiermaché Skulpturen, die aussehen als seien sie einer stillgelegten Geisterbahn entwendet worden.

Das zweite Mal sollte man wiederkommen wenn es draußen dunkel geworden ist. Dann plötzlich ist aus dem vorher devastiert und ramponiert wirkenden Rummelplatz ein schreiend bunter, schriller Kirmes geworden. Absurd-komische Slapstickfilme, animierte Riesenaffen mit Megaphalli, neonfarbene Spiralen, Irrlichter und tanzende Hühnerkeulen werden dann erst wirklich sichtbar. Aus dem nostalgisch-melancholischen Vergnügungspark, der sich unter Tags bietet, wird eine infernalische Vergnügungsmaschine, die den rasenden Trashprojektionen eine Drehorgelsoundkulisse gegenüberstellt.

Die Kunst des Karnevalesken

Gerade Childrees Art der ahistorisierenden Erzählung, die Atemporalität seiner Kunst und seine unzeitgeistige Ästhetik fällt aus der innovationsfixierten Produktionsmaschinerie zeitgenössischer Kunst so eigentümlich aus dem Rahmen. Clifton Childree recycelt ranzige Textilien, morsches Holz, verottetes Laub zu einem nostalgischen Gegenentwurf zu virtueller Cyberspace Illusionsräumen. Clifton Childrees Kunst ist eine Kunst des Karnevasken: Eine Kunst jenseits von gesellschaftlichen Vorstellungen von der Moral und Geschmack, von manierlichem Anstand. Childrees Kunst ist eine Kunst des Exzesses, brachialem Humor, schlüpfriger Geschmacklosigkeit, die so herzlich schrill und grell ist, so derb und unanständig wie ein Varieté- oder Jahrmarktsbesuch. Und genau deshalb macht Childrees Kunst so viel Spaß.

Wem Childrees Installation gefallen hat wird sich freuen zu hören, dass Gerald Matt den Künstler bereits für 2013 eingeladen hat, an der Ausstellung "Parallelwelt Zirkus" mitzuwirken.

Ausstellungsdauer: 9. Februar – 16. März 2011

Öffnungszeiten: Dienstag – Samstag 13.00 – 24 Uhr, Sonntag/Montag 13.00 – 19.00 Uhr

Ort: Kunsthalle porject space, Treitlstraße 2, 1040 Wien

Eintritt frei!

Laura Windhager

Über das Leichte und das Schwere. Zwischen Kulturpessimismus und Poputopien.

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Kunsthallencafe

Teinfaltstraße 2
1040 Vienna
01 587 00 73
http://www.kunsthallencafe.at/khc/index.html

Montag bis Sonntag: 10:00 -02:00
\r\nKüche: 10:00 – 24:00

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