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Heinz-Christian Strache im Interview mit Armin Wolf

28. August 2012 • Leben

Wie vielleicht bekannt, zählt der Wolf zur Gattung der sozialen Tiere. Allerdings gibt es auch andere Launen der Natur, die wir nur schwer erklären können.

Die vielen Stunden und noch mehr Seiten Lektüre über freiheitliche Politik waren nicht gerade vergnüglich, so Armin Wolf über seine Vorbereitungen auf das Sommergespräch vergangenen Freitag auf Facebook. Mehr Vergnügen versprach er sich von seinem Gegenüber – FPÖ Parteiobmann Heinz Christian Strache später beim Interview.

Tatort ist der dritte Wiener Gemeindebezirk. Hier lebt es sich multikulturell. In der Tat, der ideale Ort für einen Plausch mit einem blauen Parteiobmann. Doch H.C. Strache ausreden zu lassen, solange er aus Antworten keine Wahlreden formt und Fragen ohne erschöpfende Abschweifungen beantwortet zu bekommen, ist im Verlauf dieses Gespräches wohl eher misslungen.

Missverstanden, verfolgt und als Opfer einer Verschwörungstheorie, verfällt Gast Nummer drei, Antwort für Antwort in einen endlos polemisierenden Monolog. Er ist kaum zu stoppen. Meinungen prallen aufeinander. Zwei Personen. Armin Wolf auf der linken, Heinz Christian Strache auf der rechten Seite des Bildschirms. Zufall?

Auf A. Wolfs Frage: Gibt es einen Politiker im Parlament der weiter rechts ist als Sie? – kam die Antwort von Strache beinahe lammfromm und spiegelte die Verfolgungsphobie wider: Das ist kein Sommergespräch, sondern ein Sommergericht, wo Sie Hr. Wolf den ORF-Inquisitor spielen. Gott sei Dank! konnte Armin Wolf H.C. Strache dahingehend beruhigen, dass er ihm versicherte: Sie werden das Gespräch körperlich unversehrt überstehen.

Zwei Stimmen. Eine gewohnt hektisch. Die andere gewohnt energisch, einen Hauch aggressiv. Und wurden beide zugleich eingesetzt, war parallel Gesprochenes sowieso nur mehr schwer zu identifizieren. Hier wäre man durchaus für das Einspielen einer kurzen Werbeunterbrechung dankbar gewesen. Pikanterweise endete sogar das Sommergespräch mit dem Störton einer zu früh eingesetzten Schlusssignation.

In puncto Ehrlichkeit und deren Relevanz für das Bundeskanzleramt übernimmt Armin Wolf kurzer Hand den Puppenspieler, der FPÖ-Parteichef wird zur Marionette. Vorwürfe über rechtsradikale Plagiate, über das eine oder andere Duell im Mensurfechten mit Partei Gegnern. Über antisemitische Karikaturen im Internet und die Weiterentwicklung der Euro- zu einer Hartwährungszone tarnt Herr Strache gekonnt durch unschuldiges Auftreten. – Ausreden.- Schönreden. Nein. Wieder ein Klischee. Die nächste Fehlinterpretation und Sätze wie: Ich erkenne Probleme und bin mutig und spreche sie an waren nur wenige leichte Auswege aus seiner Misere.

Das Thema Stiftung und Martin Graf, immerhin 3. Nationalratspräsident, endete wohl in Armin Wolfs persönlicher Zufriedenheit. Das Frage-Antwort Spiel schien endlich aufzugehen. Immerhin war Strache zu entlocken, dass Graf bei einer Verurteilung in dieser Causa aus seinem Amt ausscheiden muss.

Doch irgendwann verfallen selbst Wölfe ihrem Gejaule und mit ihnen das Vergnügen nach der Jagd nach einem weiteren Skandal. Der spätestens dann eintreten könnte, würde Herr Stronach einem HC Strache bei den nächsten Wahlen 2013 gefährlich werden. Doch selbst wenn Sie hundert Mal etwas falsch behaupten, wird es nicht wahr werden, so Strache zu Wolf. Fazit: Der blaue Boss bleibt der arme Verfolgte. Hauptsache ist, dass sein Name richtig geschrieben wird.

Fotos (c) ORF

Carmen Reiter

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