Kultur – Film / TV

Kaboom

Gregg Arakis „Kaboom“

10. Mai 2013 • Film / TV

Ein Film, der sämtliche cineastische Codes bricht: Mit „Kaboom“ hat Gregg Araki einen Streifen vorgelegt, der Teenie-Horrokomödie, LSD-Trip und heteroqueerer Softpornokomödie in einem ist. Ein Film, nach dem benommen hinaustorkelt, schwindlig vor Farben, Frechheit und Frivolität. Ein Film, der verdammt gut tut.

Der Mensch tendiert dazu, in Systemen zu denken. Kategorisierungen, Genreeingrenzungen, Schubladentaxonomie. Leidenschaftlich gerne ordnen wir Dinge zu, dröseln sie auf um sie in einer komplex-verästelten Systematik zu verorten, egal ob das nun Gedanken, Musik oder kulturelle Strömungen sind. Gern machen wir das auch bei Filmen. Und dann kommt jemand wie Gregg Araki.

Gregg Araki ist eine der Schlüsselfiguren des sogenannten (Achtung cineastische Taxonomie!) New Queer Cinemas. Das wars dann auch schon mit Schubladen, in die man Araki möglicherweise stecken könnte. Denn Arakis Ouevre beinhaltet neben Exploitation Cineama, billigst produziertem Hochglanztrash auch feinfühlige Dramen wie The Living End (1992).

Twin Peaks auf LSD

Eigentlich gibt der Titel des Filmes bereits onomatopoetisch seine Cinematographie wieder. Was Araki mit „Kaboom“ bietet ist eine retinale Kollision – so schrill, grell, psychodelisch war lange kein Film mehr. Worum es geht? Der bisexuelle Collegestudente Smith (Thomas Dekker) wird neben dem fleißigen Konsum sämtlicher psychodelischer Drogen, hingebungsvollem Masturbieren und exzessiven Sexabenteuern von unheimlichen Visionen heimgesucht: Immer wieder sieht er, wie ein rothaariges, unbekanntes Mädchen von Männern mit Tiermasken und Messern gejagt wird. Nach und nach kommt Smith einer weltumspannenden Verschwörung auf die Spur die nichts Geringeres im Schilde führt als – die Zerstörung der Erde. Klingt schräg? Ist es auch. Denn was jetzt nach einer relativ stringenten Narration klingt, die Handlung schlingert wie ein Betrunkener. In realita ist sie ein Potpourri an Skurrilitäten: Da trifft Freuds Unheimliches auf Lynch’sche Unwirklichkeit, die fast irreal schönen Jugschauspieler, das Jonglieren mit Hetero- und Queerklischees, Ritualmörder und satanische Hexen gehen im kalifonischen, sonnigen Collegecampus aus und ein und all das wird mit einer ordentlichen Prise Weltuntergangshysterie und Verschwörungstheorien gewürzt.

„Kaboom“ ist eine cineastische Genreimplosion, eine Amalgamierung des guten und des schlechten Geschmacks, eine metasexuelle Komödie, eine halluzinierende Technicolorreverie, eine schreiend bunte Teeniehorrowkomödie. Kurzum: Alles was ein Film eigentlich nicht sein darf ist „Kaboom“ einfach. Prädikat: Sehenswert.

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