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Grabenkämpfe und Grenzziehunge

14. Juni 2011 • Allgemein

Idyllisch ist er, der Jodok-Fink-Platz im 8. Wiener Gemeinde Bezirk. Ein kleiner, pittoresker Platz, mit Schule, Maria Treu Kirche und italienischem Schanigarten. Ein bürgerlicher Traum im bürgerlichsten Bezirk Wiens. Während man den Blick gelassen über das ruhige, verkehrsberuhigte Idyll schweifen lässt bleibt der Blick unvermittelt an einem Maschendrahtkäfig hängen. Seit Mai stört Gerald Rossbachers Installation „Ausland“ die großbürgerliche Harmonie des Jodok-Fink-Platzes.

Die Szenerie könnte nicht gegensätzlich sein: In der Mitte des Platzes thront Franz Caspars hochbarocke Mariensäule, dahinter die schwingende Fassade der Maria Treu Kirche. Rechts davon, ein quadratischer Grundriss des Platzes wird abgezäunt von mannshohem Maschendrahtzaun auf dem noch mal Stacheldraht ein Überwinden beziehungsweise Eindringen unmöglich macht. Links davon, quasi gegenüber steht etwas verloren eine einsame, stilisierte Palme aus Neonröhren.

Das Phantom des Fremden

Rossbachers Installation „Ausland“ thematisiert sehr geschickt auf mehreren Wahrnehmungsebenen das paradoxe Verhältnis von österreichisch wie europäisch gedachter Heimat und des diffusen Phantoms der „Fremden“. Hier werden jeweils zwei stereotypen Projektionen gegeneinander ausgespielt: Indem die Neonpalme Träume des Exotischen, gewisse Eskapismus-Phantasien mit Bambushütte am Strand suggeriert, generiert sie bewusst das positiv konnotierte, gewollte, akzeptierte Bild „des Fremden“.

Dem gegenüber setzt Rossbacher das auf derselben Ebene und nach demselben Prinzip funktionierende Phantasma des negativ besetzten „Fremden“, eine Projektion der Xenophobie. Willkürlich wird mit Stachel- und Maschendrahtzaun auf dem Platz eine Grenze gezogen, ein Areal abgesteckt, das simultane In- wie Exklusion vermittelt. Die innere Sicherheit und die äußere Bedrohung. Gleichzeitig die Stigmatisierung des Fremden, die ständige Ausgegrenztheit auf scheinbar neutralem Boden.

Das Paradoxon des Fremden

„Ausland“ stellt die Paradoxie des Begriffs des „Fremden“ aus österreichisch wie auch auf europäischer Ebene einander gegenüber. Obwohl beide mit dem Mechanismus der Projektion arbeiten, funktioniert das eine mit Hilfe der Sehnsucht, kreiert das Bild des Exotischen, des gewollten, begehrten „Fremden“, des „Anderen“ der trotzdem als gleichwertig empfunden wird. Und andererseits funktioniert das andere „Fremd-Bild“ durch Projektionen der Angst vor dem Fremden, der Xenophobie.

Rossbacher macht jene realen, geographischen und jene im Kopf vollzogenen Grenzziehungen, die unterschiedlich gewichtet werden ob nun aus Sehnsucht oder Angst Angst gezogen, mit seiner Installation „Ausland“ sichtbar. „Ausland“ wirft Fragen auf nach Migrationsproblemen, nach Ausbeutung und Massentourismus, nach Stereotypen und Vorurteilen, verbindet Fragen nach prekären Zusammenhängen zwischen Globalisierung, Grenzziehungen, Eigen- und Fremdbild.

Begleitprogramm:

14. Juni 2011, 20:00 Uhr
"Fremdes Wien"
Lesung/Gespräch Susanne Scholl und Gabriele Madeja

15. September 2011, 20:00 Uhr
Ein Abend von/für CARE
Vortrag + Film mit Dr. Andrea Wagner-Hager (Geschäftsführerin CARE Österreich)

VOLXKINO am Jodok-Fink Platz

29.6., 21:30 Uhr: OFFSIDE, IR 2006, 93 Min
30.6., 21:30 Uhr: STURM, DE/DK/NL 2009, 103 Min
1.7., 21:30 Uhr: ANOTHER YEARGB 2010, 129 Min, OmU
2.7., 21:30 Uhr: IN IHREN AUGEN-EL SECRETO DE SUS OJOS, AR 2009, 129 Min

Zu allen Veranstaltungen (außer Volxkino) sind Sitzgelegenheiten selbst mitzubringen! Wann: 6. Mai – 15. September 2011

Wo: Jodok-Fink-Platz, 1080 Wien

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