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Geburt als Performance – Ist das denn noch Kunst?

11. Oktober 2011 • Kultur2 Kommentare zu Geburt als Performance – Ist das denn noch Kunst?

Seit Mitte des letzten Jahrhunderts wird in der Performancekunst die Annäherung von Kunst und Leben sukzessive vorangetrieben. Zentral hierfür ist der eigene Körper, der zum Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung erkoren und zum Teil in radikaler Weise eingesetzt wird. Marina Abramovic, Tracey Emin, oder der Chinesische Künstler Cheng Li etwa haben mit einem radikalen Kunstbegriff die Kunst aktualisiert und die Grenzen zwischen Kunst und Leben neu definiert.

Die hochschwangere Künstlerin Marni Kotak geht nun noch einen Schritt weiter. Sie will ihr erstes Kind in einer New Yorker Galerie zur Welt bringen. In der Performance mit dem Titel „The Birth of Baby X“ wird die Annäherung von Kunst und Leben vollkommen vollzogen, das Leben wird ganzheitlich zur Kunst. Gleichzeitig ist es auch ein Umgang mit Intimität und Voyeurismus – alles Themen, die in der Gesamtschau früherer Performances von Marni Kotak immer wiederkehren.

Das ganz normale Leben als Kunst

So kreisen ihre Perfomances immer um Themen aus dem alltäglichen Leben, wie etwa bei „My grandfathers funeral“, „How to french kiss“ oder bei einer Aufführung, bei der sie ihren ersten Geschlechtsverkehr nachstellte. „Ich bin der Meinung, die faszinierendsten Performances passieren dann, wenn sie uns nicht bewusst sind. In meiner Arbeit versuche ich Erlebnisse aus meinem Leben auszudrücken, und gleichzeitig ein verbindendes Moment mit dem Publikum herzustellen, das möglicherweise durch ähnliche oder verwandte Ereignisse gegangen ist“, erklärt die Künstlerin ihre Kunst auf ihrer Homepage.

Die Galerie als Entbindungsstation

Der Geburtstermin ist zwar erst für Mitte November veranschlagt, dennoch kann die Geburt jeden Moment stattfinden. Deswegen sind die Galerieräumlichkeiten bereits für das Ereignis eingerichtet und neben ihren Kunstwerken mit persönlichen Gegenständen dekoriert. Wenn es soweit ist, wird sich Kotak zusammen mit ihrem Mann und einer Hebamme in die Galerie begeben und dort entbinden – BesucherInnen können sich hierfür in den Verteiler der Galerie eintragen und werden via E-Mail benachrichtigt.

Interessiertes Publikum

Das Vernissagen-Publikum nahm die angekündigte Aktion erstaunlich wohlwollend auf. Faszination, Verwunderung oder Bewunderung für den Mut der Künstlerin war die Bandbreite der Emotionen. Ob man schließlich bei der Geburt live dabei sein möchte, bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

Darf das Kunst überhaupt?

Wir möchten von euch wissen: Was haltet ihr von einer Geburt als Performance: ist das ein gelungenes Beispiel der Annäherung von Kunst und Leben? Oder verletzt die Aktion die Intimsphäre, ist zu voyeuristisch und hat in der Kunst nichts verloren?

Wir sind auf eure Meinungen gespannt!

Homepage Marni Kotak
Homepage Microscope Gallery

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2 Antworten auf Geburt als Performance – Ist das denn noch Kunst? – Verstecken

  1. AniMoli sagt:

    Es ist nicht alles Kunst
    Ich finde Geburt ist was sehr intimes und frau möchte nicht unbedingt jeden zusehen lassen. Wird sterben auch Kunst? Dürfen dort auch alle zusehen? Übrigens ich werde am Wochenende in aller Öffentlichkeit frühstücken…Eintrittskarten dafür gibt es bei mir. Das ganz normale Leben als Kunst eben…oder doch nicht?

  2. yfi sagt:

    armes kind
    Die junge Frau hat wohl als Kind nicht genug Aufmerksamkeit bekomment das sie sich so sehr danach sehnt. Soll sie ruhig machen….ihr zweites kommt nicht in der Gallerie auf die Welt, bin ich mir ziemlich sicher.

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