Kultur

(c) Anselm Kiefer
(c) Anselm Kiefer

Geballte Monumentalität

17. Februar 2012 • Kultur

Geballte Monumentalität Der deutsche Künstler Anselm Kiefer im Essl Museum. Klein, aber fein – so könnte man die Ausstellung über einen der wichtigsten deutschen Gegenwartskünstlern bezeichnen, die aktuell im Essl Museum in Klosterneuburg gezeigt wird. Nur 15 Werke von Aselm Kiefer, die jedoch monumentale Wirkung besitzen.

Er gilt als ein Geschichtsversessener, der sich als erster deutscher Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg auf das tabuisierte Reizthema der Nazisymbolik begab. Für den 1945 geborenen Künstler Anselm Kiefer ist die Auseinandersetzung mit dem Erinnern und insbesondere mit dem Vergessen und der Vergänglichkeit zentrales Motiv seiner Kunst.


The Fertile Crescent, 2009 

In großformatigen, antiheroischen morbiden Natur- und Historienbildern thematisiert Kiefer eine von der NS-Vergangenheit zerstörte Gegenwart. Dick aufgetragene Farbschichten bearbeitete er mit Feuer oder mit der Axt und kombinierte sie mit Glas, Holz und Pflanzenteilen. Daneben fließen immer wieder auch literarische Versatzstücke in seine Arbeiten mitein: etwa Zitate von Literaten wie Paul Celan („Dein goldenes Haar, Magarethe“ aus der Todesfuge) oder Ingeborg Bachmann („Böhmen liegt am Meer“).

Seine oft ironisch-ambivalenten Bilder waren bei der Biennale in Venedig im Jahr 1980 Anstoß für einen Skandal, da die BetrachterInnen entscheiden mussten, ob die an NS-Symbolik erinnernden Motive ironisch oder mit faschistischem Unterton gemeint waren. 1993 verschwand mit seinem Umzug nach Frankreich auch die Beschäftigung mit der Vergangenheit, im Gegenzug dazu wendet er sich dem Kosmischen zu.


Ausstellungsansicht, Essl Museum

Sein Interesse an Anselm Kiefer war „Liebe auf den zweiten Blick“, erzählte der Sammler und Kurator der Ausstellung Karlheinz Essl. Erst 2003 bei einem ersten, „unglaublichen“ Besuch in Kiefers Atelier in Südfrankreich sei diese Liebe entstanden, in Zuge derer erst die Arbeit „Horlogium“ (Sternenfall) angekauft wurde und im Lauf der Jahre weiteren Erwerbungen folgten. Mit nur 15 Werken in der Ausstellung ist sie überschaubar, doch verlangt jedes Werk die nötige Aufmerksamkeit und Vertiefung, und dies macht die Präsentation zu einem spannenden Erlebnis.

Anselm Kiefer
Essl Museum
bis 29.5.2012
Eintritt € 7 / € 5
kostenloser Shuttelbus

Abbildungsnachweis:
Claudia Quinta, 2005 Öl, Emulsion, Schellack und Erde auf Fotografie und Karton mit Draht und Bleiboot sowie Objekten 95 x 124 x 28 cm © Anselm Kiefer Fotonachweis: courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, Paris

The Fertile Crescent, 2009
Mischtechnik auf Leinwand
330 x 762 x 7 cm

© Anselm Kiefer
Fotonachweis: Ulrich Ghezzi courtesy Galerie Thaddaeus Ropac Paris · Salzburg 

InstallationViews/Ausstellungsansichten © Sammlung Essl Privatstiftung Fotos: Peter Kuffner

Sammlung Essl

An der Donau-Au 1
3400 Klosterneuburg an der Wien
(0) 2243-370 50 150
www.sammlung-essl.at

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