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Filmkritik: Wie man leben soll

5. Oktober 2011 • Film / TV2 Kommentare zu Filmkritik: Wie man leben soll

Karl Kolostrum, kurz Charlie, ist dick und lethargisch, aber herzig. Aus Selbsthilfe-Shows im Fernsehen weiss er, dass er ein Sitzer ist. Das klingt schon nicht erstrebenswert – ist es auch nicht. Allein mit seiner Mutter, bei der die Mutterliebe ein wenig ausblieb, besteht seine größte Freude meist darin, bei Tante Ernestine auf Fleischlaberl und Fernsehen vorbeizukommen. Wie man leben soll, das weiß er einfach nicht so recht.

Nach der Matura erst mal von zu Hause ausziehen, mithilfe der Finanzspritze der sonst ekelhaften Verwandtschaft, zu der man zu diesem Zwecke nett sein muss. Die Studiumswahl gestaltet sich auch nicht einfach, wenn man ein Sitzer ist. „Wofür interessierst du dich denn?“ „Für Frauen.“ Das Gespräch mit dem Studienberater endet in der Wahl für Kunstgeschichte, dort sind nämlich angeblich die schönsten Frauen zu finden. Als beste Quelle hierfür entpuppt sich aber schnell der VSSTÖ (Verband Sozialistischer StudentInnen Österreichs), es stellt sich nämlich heraus, dass der liebe Charlie bei den hübschen linken Mädels besser ankommt als erwartet. Aus seinen Ratgeberbüchern hat er gelernt, dass es funktioniert, wenn er Frauen mit Komplimenten überschüttet; schlanke, schöne Männer machen das nämlich nicht. Da tut sich die Nische auf, die der Dicke besetzen darf.  

Schnitzi mit Pommes Fritzi

Seine Charaktermischung aus desinteressierter Zurückhaltung und maximaler Tolpatschigkeit bringt ihm nebenbei auch noch unangenehme Verwicklungen in mehrere unglückliche Todesfälle, an denen ihn dennoch nie die Schuld trifft. Das Studium ionischer und gothischer Bögen begeistert ihn erwartungsgemäß gar nicht, und der Nebenjob als Taxifahrer wird schnell zum Hauptinteresse, sofern Charlie jemals irgendwelche Interessen hat. Der Zufall will es, dass sein Traum von einer größeren Existenz als Musiker doch noch wahr wird. Als DJ Ötzi – artiges Phänomen unter dem Namen Big Charlie mit gehaltvoller Musik über „Schnitzi und Pommes Fritzi‘ steigt er zum Trash-Helden auf. Ob er das mit dem Leben gelernt hat, darüber kann man streiten.

Arbeit ist keine Alternative

In David Schalko‘s prominent besetzter Verfilmung von Thomas Glavinic gleichnamigem Roman aus 2004 spielen in den unzähligen Nebenrollen von Robert Stadlober über Michael Ostrowski und Detlev Buck bis zu Josef Hader mit, letzterer als der männliche Part eines Swinger-Ehepaars, mit dem Charlie verkehrt. Lizzi Engstler und Armin Wolf spielen sich selbst. Der Deutsche Axel Ranisch musste für seine Rolle des Charlie extra nachsynchronisiert werden.

  ‚Wie man leben soll‘ ist ein Porträt einer Zeit, als Student noch eine vollkommen ausreichende Zustandsbeschreibung für ein Jahrzehnt war. Fern von Studiengebühren und Leistungsdruck steht für Charlie und seine AltersgenossInnen fest, dass Arbeit keine Alternative sein kann. Mit Charakteren wie dem cholerisch-korrupten Taxi-Unternehmer und dem glatten und redegewandten VSSTÖ-Vorsitzenden spart der Film ganz und gar nicht an komödiantischen Klischees, hinterlässt aber trotzdem den Eindruck, dass es all diese Charaktere so geben könnte. Traurig eigentlich, aber trotzdem ganz lustig.  

‚Wie man leben soll‘ kommt am 7. Oktober in unsere Kinos.

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2 Antworten auf Filmkritik: Wie man leben soll – Verstecken

  1. Simon sagt:

    Ich freu mich schon so
    Auf den Film. Schalko garantiert ja fast schon großes Kino.

  2. Canthonia sagt:

    So geht es mir auch
    Habe von Glavinic schon einige Bücher gelesen, die mir großteils auch sehr gut gefallen haben. Darunter auch die Vorlage für den Film. Schalko hat mich bisher auch meist überzeugen können, wenn auch mehr im TV-Bereich als im Schriftstellerischen. Auf das Ergebnis beider Arbeit bin ich nun sehr gespannt und warte voller Ungeduld.

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