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Filmkritik: The Future

3. Jänner 2012 • Film / TV

Miranda July hat gesagt, sie wünscht sich, ihr Leben wäre normaler. Ähnlich würde das wohl die Protagonistin Sophie in ‚The Future‘ ausdrücken, die von der Regisseurin selbst gespielt wird. Sophie und Jason sind 35, in fünf Jahren sind sie 40, und das ist eigentlich dasselbe wie 50. Nach fünfzig gibt dir das Leben nur mehr Kleingeld, und für Kleingeld kann man sich nichts kaufen.

Jason dachte immer, er wäre klüger, und die Ballettlehrerin Sophie wäre gerne ein klein wenig hübscher. Gemein sind ihnen ihre Frisuren, eine kleine Wohnung in LA. und ihre vertraute Gemütlichkeit. Ob das von nun an reichen wird, wissen sie aber nicht.

When life gives you change…

Eine Katze, die die beiden aufgelesen haben und in eine Klinik gebracht haben, fungiert als die Erzählerin der Geschichte. Nach ihrem Krankenhausaufenthalt soll sie zu Sophie und Jason kommen, weil man ursprünglich dachte, dem Tier bliebe nur ganz kurze Zeit zu leben. Nun stellt sich heraus, dass sie noch gut fünf Jahre haben könnte, eine freudige Nachricht – an und für sich. Für Jason und Sophie nicht so richtig, denn mit der Katze könnte nichts mehr so sein wie früher. Aber bis dahin ist noch ein Monat Zeit, das künstlich überhöht zum fast Letzten ihres regulären Lebens wird, an dem sie gelangweilt hängen. Auf einmal eilt es, soll es eine Zukunft geben, müssen sie jetzt damit anfangen.

..cash it into a dollar.

Viele Paare üben bekanntlich durch die Anschaffung eines Hundes, ob man der Verantwortung für ein anderes Lebewesen gewachsen ist. Wenn man wie Sophie und Jason bei einer Katze ausflippt, stehen die Zeichen wohl nicht ideal. Aber der digitale Wecker tickt, und die Beiden bäumen sich angesichts der Veränderung auf: die langweiligen Jobs werden gekündigt, Lebensprojekte angegangen, auf neue Menschen zugegangen. Das Kappen der Internetverbindung ist ein Akt, von nun an wollen sie in der Realität leben. Auf einmal ist es dringend, und das Erlischen der Apple-Logos, als die Laptops zugeklappt werden, ist nahezu dramatisch. Sowohl Sophie als auch Jason machen die Bekanntschaft von älteren Männern, durch deren stabile Identitäten die beiden wackelnden Mitdreißiger auf unterschiedliche Weisen merken, dass sie erst am Anfang stehen.

Julys Bizarro-Welt

Wer Miranda Julys Kurzgeschichten kennt, weiß, was filmisch zu erwarten ist. Schön bizarr ging es in ‚Nobody belongs here more than you‘ zum Beispiel um eine junge, verlorene Frau, die greisen DorfbewohnerInnen aus Ermangelung eines Pools Schwimmunterricht am Teppich gibt. Oder von einem Vater in ‚The Moves‘, der seinen Nachkommen stolz den erworbenen Wissensschatz darüber mitgeben will, wie man Frauen befriedigt. Wohl oder übel seiner heterosexuellen Tochter, denn Söhne hat er keine. Im Zeit-Magazin erzählte die Allround-Künstlerin kürzlich davon, wie gewisse Vorstellungen sie für bestimmte Episoden zur Gänze in ihren Bann gezogen haben: sei es ein Puppenhaus oder Männer. Nun sind es Kinder. Eben die Zukunft, wie im Film. Einige stilistische Elemente zeugen noch davon, dass es sich bei ‚The Future‘ ursprünglich um ein Theaterstück handelte. Die machen den Film stellenweise zwar skurril, aber sie halten lediglich dafür her, etwas zu vermitteln, was die Charaktere an Tiefe nicht hergeben. In der erzählenden Katze, die in der deutschen Übersetzung leider nach Marge Simpson im Stimmbruch klingt, sah die Regisseurin so auch die einzige Möglichkeit, die Bittersüße, die dem Stoff innewohnt zu verarbeiten: aus der Perspektive jener, die bei dem Beziehungstanz der Beiden auf der Strecke bleiben.

‚The Future‘ kommt am 30.12.2011 in unsere Kinos.

Maxi Lengger

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