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Filmkritik: Herzensbrecher

3. Jänner 2012 • Film / TV3 Kommentare zu Filmkritik: Herzensbrecher

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Wenig ist so zufriedenstellend zeitfüllend wie das Geschwaffel über die Liebe. Genau davon handelt Xavier Dolan’s neuer Film.

Wenig ist so zufriedenstellend zeitfüllend wie das Geschwafel über die Liebe. Das schickt uns Xavier Dolan über seinen neuen Film ‚Herzensbrecher‘ voraus. Darin buhlen die jungen franco-kanadischen Hippster Francis und Marie um die Gunst des lächerlich gutaussehenden Nicholas und steigern ihre Rivalität bis zu dem Grad, an dem ihre Freundschaft auf dem Spiel steht.

Der 22-jährige kanadische Regisseur Xavier Dolan, der selbst eine der drei Hauptrollen spielt, wird als das neue Wunderkind der Branche gefeiert: seinen ersten Film ‚I killed my mother‘ schrieb er mit 17 und thematisiert darin die Beziehung zu seiner Mutter als Heranwachsender vor dem Hintergrund seiner Homosexualität. Xavier Dolans nun zweiter Film erinnert an Bernardo Bertoluccis Träumer, bei dem der Geschlechterfokus vertauscht wurde: diesmal steht ein Mann in der Mitte als Objekt der Begierde. Dem Film wird, wie so oft, der deutsche Titel nicht gerecht. Im Original ‚Les amours imaginaires‘ trifft den Kern der Sache auf den Punkt – die eingebildeten Lieben. Dabei vermischen sich die Wirren der Ménage-à-trois mit Textpassagen aus Gesprächen mit jungen FrankokanadierInnen über verflossene Lieben und wann verliebtes Verfolgen zu Stalking wird. Die Gespräche sind für den Inhalt der primären Geschichte nicht relevant, sie schaffen nur den größeren Rahmen all der eingebildeten Lieben.

Eitelkeit und Gefühle

Dolans Film mutet wie ein verfilmter Fotografie-Bildband an, in dem alles und alle schön sind. Francis und Marie sind hip und urban, und von beidem so viel, dass man gerne weniger davon vertragen könnte. Xavier Dolan scheint sich dessen aber bewußt zu sein: wenn er dem aufgetakelten Entlangschlendern auf dem Gehsteig in neuen Klamotten eine lange Zeitlupensequenz zu Nouvelle-Vague-Musik widmet, ist das so bobo, dass es wieder Absicht ist. Dieses Spiel mit dem Kitsch zeigt er auch im Umfang mit Farben: Marie’s Schlafzimmer wird in rot getaucht, während Francis‘ im blauen Dunst erscheint.

‚Herzensbrecher‘ ist eine Milieustudie junger Bobos, das vor lauter Fokus auf Frisuren, Klamotten, Farben und Inszenierungen sogar ohne eine Ewähnung dessen auskommt, womit die ProtagonistInnen abseits der Liebe ihre Zeit verbringen. In einem Interview sagte Dolan dazu, er wollte zeigen, wie seicht wir in der Liebe sein können. Dahingehend sei es nur folgerichtig, dass auch im Film über die seichte Liebe dem Stil mehr Bedeutung zukomme als dem Inhalt. Die Beobachtung der eingebildeten Liebenden wird dabei nie uninteressant, und das, ohne jemals mehr Tiefgründigkeit vorzutäuschen, als das bisschen, das wirklich vorhanden ist.

‚Herzensbrecher‘ läuft seit Freitag, dem 9. September in unseren Kinos.

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3 Antworten auf Filmkritik: Herzensbrecher – Verstecken

  1. Joe sagt:

    was fürs herz
    klingt wirklich gut der film, muss ich mir unbedingt anschauen!

  2. Sandros Sonntags Sommer sagt:

    Klingt nicht uninteressant
    Werde ich mir vielleicht auch ansehen. Danke für die Review.

  3. geli sagt:

    <3
    super film, kann ich nur empfehlen. es heißt trotzdem geschwafel und nicht waffel 😀

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