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Filmkritik: Der Gott des Gemetzels

25. November 2011 • Film / TV

Als das Zusammentreffen von zwei elfjährigen Jungs im Park in zwei ausgeschlagenen Zähnen endet, besuchen Alan (Christoph Waltz) und Nancy (Kate Winslet), ihres Zeichens die Tätereltern, die Eltern des Opfers in deren New Yorker Wohnung.

Höflich bemüht gehen die beiden Paare an die vernünftige Klärung des Konflikts: man betont auffällig oft die eigenen zivilisatorischen Kompetenzen, die Involviertheit in das Leben der Kinder. Man wird das in Frieden klären, die Kinder müssen lernen, wie man Konflikte löst. Zum Glück ist man einer Meinung, man weiß schließlich, wie viele Eltern sich heutzutage nicht darum kümmern, ihre Kinder in Konfliktbewältigung zu schulen. Die Selbstinszenierung der beiden Paare ist zunächst noch makellos. Doch die Fassaden bröckeln schnell und die Messlatten werden angelegt: wer hat den besseren Ehemann, die glücklichere Familie, wer das schönere Leben?

Wessen Lebenslauf gewinnt?

Alans Telefon läutet im Fünf-Minuten-Takt, Nancy übergibt sich auf einem seltenen Kunstbuch. Penelope (Jodie Foster) ist pikiert ob der Suggestion, ihr Kuchen könnte der Grund für die Magenverstimmung sein, und Michael (John C. Reilly) ist bemüht, seinen Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem ökonomischen Schwergewicht Alan als Liebe zur Familie zu kleiden. Alan hat keine Zeit, das Problem seines Sohnes zu regeln. Als Jurist bei einem Pharma-Konzern ist er bemüht, das mediale Echo einer Studie zum Schweigen zu bringen, die einem Medikament des Konzern schlimme Nebenwirkungen attestiert. Mit seiner Frau Nancy führt er trotz deren Investment-Broker-Dasein ein klassisch rollenverteiltes Familienleben, sehr zu deren Frustration. Auch der Gegenpol, das künstlerische Paar Penelope und Michael entpuppt sich bald als nichts mehr als Fassade, hinter der es mindestens so brodelt wie unter dem gegnerischen Dach.

„Ich glaube an den Gott des Gemetzels“

Schon nach einem kurzem Vorspiel werden Regeln und Normen, zunächst noch beschämt, fallen gelassen. Passiv-agressive Kommentare schwappen in immer offenere Aggression über. Zwei narzisstische Paare, für die ihre Kinder lediglich eine Verlängerung ihrer Selbst sind, ziehen sippenhaftend in ein Familiengemetzel, in dem alle Beteiligten zunehmend ihre bourgeoisen Masken fallen lassen. Als sich herausstellt, dass Michaels Mutter das fragwürdige Medikament einnimmt, dessen Nebenwirkungen Alan zu vertuschen versucht, explodiert die bürgerliche Sittlichkeit vollends.

Roman Polanskis neuer Film basiert auf dem Theaterstück ‚Le dieu du carnage‘ von Yasmina Reza. Uraufgeführt in Zürich vor nur fünf Jahren, ist es schnell zu einem der meist aufgeführtesten zeitgenössischen Theaterstücke avanciert.

Der Gott des Gemetzels kommt am 25. November in unsere Kinos.

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