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Black Swan Presse

Filmkritik: „Black Swan“

3. Jänner 2012 • Film / TV

Wer beim Stichwort "Ballettfilm" an Tränen-Kuschel-Liebhab-Dramen wie Center Stage denkt, der wird von „Black Swan“ geschockt sein. Es wird halluziniert und geblutet, geschwitzt und verletzt im neuen Film von Regie-Outlaw Darren Aronofsky.

Natalie Portman spielt die Ballerina Nina Sayers, deren sehnlichster Wunsch es ist, in der geplanten Neu-Inszenierung von Schwanensee sowohl den zauberhaft betörenden weißen Schwan, als auch den verfürerisch diabolischen schwarzen Schwan zu tanzen. Der Theaterdirektor (Vincent Cassel) weigert sich zuerst ihr beide Rollen zu geben, stimmt aber nach einiger Überredung zu.

Nina ist glücklich über ihren Erfolg und stürzt sich in die Proben. Doch im Laufe der Zeit erleidet sie immer schlimmere Halluzinationen. Auf ihrer Schulter klafft in ihrer Vorstellung plötzlich eine Wunde und als eine neue Tänzerin zum Ensemble stößt verdächtigt sie diese sofort ihr die Doppelrolle wegnehmen zu wollen. Ihr Verhalten nimmt immer paranoidere Züge an, bis es am Premierenabend zum Äußersten kommt.

Zurück zum Ursprung

Nach dem anrührenden Abgesang auf einen gebrochenen Sportler mit „The Wrestler“ und dem gelinde gesagt kryptischen Film „The Fountain“ heißt es in „Black Swan“ wieder „back to the roots“ für Aronofsky.
Ähnlich wie in seinen Frühwerken „Pi“ und „Requiem for a Dream“ wird es dunkel und verworren, Halluzinationen trüben den Geist der Hauptfigur und Realität und Einbildung verschwimmen miteinander.

Aronofskys Ballettwelt ist ohnehin schon nicht nicht der zuckerlrosa Ponyhof, der in vielen Köpfen verhaftet ist. Essstörungen und Selbstverletzungen kommen hier im Tütü daher. Doch neben der harten Realität einer Tanzkarriere packt der Independent-Filmer in seinem Psychothriller noch eine ordentliche Portion Horror drauf. Natalie Portman schwankt als Nina dauernd zwischen Vernunft und Wahnsinn. Immer tiefer gräbt sie sich in ihre persönliche Hölle vor und durchlebt die Verwandlung in den dunklen Schwan sowohl körperlich als auch geistig. Sie verzehrt sich vollkommen in und nach ihrer Rolle.

Bildgewalt
     
Freunde von intelligentem und hintergründigem Horror kommen bei „Black Swan“ mit Sicherheit auf ihre Kosten. Nicht von ungefähr nannten Aronofsky David Cronenberg, David Lynch und Roman Polanski als Inspirationen für seinen Film. So erinnert vor allem das düster verworrene sexuelle Motiv stark an Polanskis ähnlich aufgestelltes Meisterwerk „Rosemary’s Baby“. Bei Lynch sah man bereits das facettenreiche Spiel mit Realität und Wahrnehmung und auch die Anklänge an Cronenberg, dem Altmeister des Body-Horrors, sind unübersehbar.

„Black Swan“ ist ein impulsiv photographierter Psycho-Horror-Thriller der mit wunderbar albtraumhaften Bildern gegen die Sehgewohnheiten des Tanzfilmpublikums aufbegehrt.
Wer „Pi“ und „Requiem for a Dream“ mochte wird an „Black Swan“ nicht vorbeikommen können.

„Black Swan“ startet am 21. Jänner in den heimischen Kinos.

Black Swan
Regie: Darren Aronofsky
Drehbuch: Darren Aronofsky
Darsteller: Natalie Portman, Mila Kunis, Winona Ryder, Vincent Cassel, Barbara Hershey u. a.
FSK freigegeben ab 16 Jahren (in Wien ab 14 Jahren)
USA 2010, 108 min.

Trailer:

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