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Filmkritik: A dangerous method / dt. Eine dunkle Begierde

1. November 2011 • Film / TV

In der Schweizer Klinik Burghölzli testet der junge C.G. Jung zum ersten Mal die von Freud entwickelte Methode der Psychoanalyse. Seine Patientin ist die junge Russin Sabine Spielrein, die an Angstzuständen leidet.

Freuds Mantra bestätigt sich: Die Wurzeln von Spielreins Krankheit sind sexueller Natur. Im Zuge des interessanten Falles reist Jung erstmals nach Wien, um den berühmten Freud persönlich zu treffen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine innige Mentoren/Mentee – Beziehung, die sich an den fachlichen Differenzen der Beiden reibt.

Die Geburt des Richtungsstreits

Jungs Ablehnung gegenüber Freuds Beharren auf die sexuelle Grundstruktur aller Neurosen und im Gegenzug Freuds Befürchtung, Jungs Ausweiten des Blickfeldes könnte das ohnehin hoch umstrittene Feld in den Augen der Gegner in die Esoterik abgleiten lassen, ändert zunächst aber nichts an Jungs Faszination für die psychoanalytische Vaterfigur, und hält auch Freud nicht davon ab, in Jung den Einzigen zu sehen, der die Psychoanalyse weiter tragen kann. Auch die übrigen Unterschiede zwischen den Beiden sind groß: Jung ist frei von Geldsorgen durch seine Heirat mit einer vermögenden Frau, wovon Freud, der mit seiner achtköpfigen Familie in einer winzigen Wohnung in Wien wohnt, nicht unberührt bleibt. Obendrein liegt für Freud die Zukunft der Psychoanalyse auf den Schultern des jungen Kollegen, weil dieser der einzige Nichtjude ist, der sich damit beschäftigt. Abseits eines Traums von Jung von einem ‚Meer aus Blut‘ weist ‚A dangerous method‘ zwar nicht auf die kommenden Ereignisse hin, aber Freuds Selbstverständnis als Jude und die Limitationen, die sich dadurch für den Gegenstand seiner Forschung ergeben, zeichnen bereits ein Bild des erstarkenden Antisemitismus.

Biographie der Psychoanalyse

In Zürich führt der Besuch des exzentrischen Psychoanalytikers Otto Gross dazu, dass Jung sich auf eine Affäre mit seiner Patientin Spielrein einlässt, aus der sich für beide eine bedeutende Liebe entwickelt. Nachdem sich Jung reuevoll von ihr trennt, wendet sich Spielrein hilfesuchend an Freud und wird zunehmend zum Keil in der Beziehung zwischen Freud und Jung, die letztlich im Bruch mündet. Gedreht wurde die Biographie der Anfänge der Psychoanalyse unter anderem an Wiener Originalschauplätzen wie dem Cafe Sperl, Belvedergarten und der Berggasse, für die Rolle des Freud war ursprünglich auch Christoph Waltz geplant. Zu sehen ist ‚A dangerous method‘ ab 11. November in unseren Kinos und noch einmal am 2.11. um 15:30 im Rahmen der Viennale, Tickets dafür gibt es hier.

Maxi Lengger

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