Kultur – Musik

Ernst Molden "Foan"

Ernst Molden „weida foan“ – das neue Album

17. September 2011 • Musik3 Kommentare zu Ernst Molden „weida foan“ – das neue Album

Das neue (Cover-) Album von Ernst Molden, "weida foan", erscheint am 30.9. via monkey music.

Losgefahren ist Ernst Molden längst, in alle Himmelsrichtungen eines Mikrokosmos, an dessen Epizentrum er laut eigenen Angaben wie von einem Gummiband immer zurückgezogen wird. Eine Art eigene Nische hat sich Molden, der Beobachter und Geschichtenerzähler , quasi geschaffen – und aus dieser Nische gibt es in schöner Regelmäßigkeit tolle Alben. Geschichten und Mythen werden erzählt, weiter gesponnen und mit dem Blues verwoben, der geschundene, alte Blues. Nicht, weil er sich anbieten würde, der Blues: viel mehr weil er eh seit jeher die Marschrichtung angibt: in amerikanischen Hinterhöfen, in australischen Fluss- und Sumpflandschaften oder in Wiener Vororten. Andere Orte vielleicht, und doch der selbe rote Faden, die selben Prototypen: die Taschenspieler und die Betrogenen, die Gauner und die Verliebten, die Strizzis und die Hinterhofheiligen.

Wahrscheinlich ist gerade das der Grund, warum auch Stücke, die in ganz anderen Vegetationen entstanden sind, in den Wiener Kontext mehr als nur übersetzbar wie auch übertragbar sind: vielmehr verleiben sich gute Coverversionen den Song völlig ein und (und dann wird es wirklich interessant) stellen ihn in einen anderen Zusammenhang, lassen den vielleicht selben Plot auf einer ganz anderen, fremden Bühne bestens funktionieren, zeigen ihn aus einem anderen Blickwinkel.

weida foan!

Dass das funktioniert, hat Molden auf „foan“ 2008 bewiesen. Jetzt, nicht lange nachdem er mit „Es Lem“ ein bemerkenswertes Album mit Eigenkompositionen veröffentlicht hat, geht das Spielen und mit Umkontextualisieren von „fremden“ Liedern weiter, und konsequenterweise ist das ganze dann auch als „weida foan“ betitelt.

Molden schöpft größtenteils aus einem Liedfundus von Leuten, die natürlich so weit von ihm nicht weg sind: so wird Nick Caves „Red Right Hand“ zum Albumopener „Rode Rechte Hand“, Dylans „Red River Shore“ zum melancholischen „Lobau“(„jo i schau ned lustig aus / das falsche Leben hat mi vernicht’/ oba das hat alles sei richtigkeit / a des falsche grinsen auf meim g’sicht“) – und auch Springsteen, Van Zandt und der viel zu früh verstorbene Warren Zevon („Carmelita“ wird bei Molden zu „Katharina“) bieten auf „weida foan“ quasi Ausgangsmaterial.

Wunderschön melancholisch wird es beim vierten Stück der Platte: Radioheads „Black Star“ wird zum im Duett mit Ingrid Lang gesungene „Dunkla Schdean“ und zu einem Highlight des Longplayers. Bei „Foan“ („Sailing“) übernimmt dann Altmeister Willi Resetarits das Gesangsruder.

Zwölf Songs, bei denen  Molden eigentlich immer dann am Besten ist, wenn rund herum alles sinister, düster und ein wenig g’schissen ist. Soweit lehne ich mich aus dem Fenster: wenn einer "Murder Ballads" in einen österreichischen Kontext bringen könnte, dann wird es Molden sein müssen.

Wie nicht anders zu erwarten: bemerkenswertes Album.

Markus Brandstetter

Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

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3 Antworten auf Ernst Molden „weida foan“ – das neue Album – Verstecken

  1. paul sagt:

    toll!
    molden rules, stadtbekannt rezensionen rules, win win.

  2. Dr. Markus sagt:

    großartig
    wo ist aber das david hasselhoff cover?!

  3. Shankatel sagt:

    Sehr fein
    Gut, dass hier auch einem sehr speziellen Künstler wie dem Molden eine Rezension gewidmet wird.

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