Kultur – Musik

(c) Magdalena Blaszczuk
(c) Magdalena Blaszczuk

Ernst Molden – „a so a scheena dog“

20. Mai 2012 • Musik1 Kommentar zu Ernst Molden – „a so a scheena dog“

Ernst Molden nimmt uns wieder mit auf eine Reise durch ein Panoptikum des menschlichen Seelenlebens, in verzweigte Gassen des Lebens und schließlich auch durch Wien. Die 11 Lieder auf dem neuen Album „so a schena dog“ betten sich wieder in den gewohnten Molden, Wiener Kosmos ein und sind Liebeserklärungen an die kleinen Geschichten des Lebens, und Alltäglichkeiten und manchmal auch an die Banalität selbst.

„a so a scheena dog“ , a so a schenes Album.

Hier treffen Poesie musikalischer, virtuoser Minimalismus und Lebensimmanenz höchster Güte aufeinander. Textlich wie gewohnt herausragend. Die große Stärke bei Moldens Texten ist, dass sie immer auch Platz lassen, Platz für sich selbst, für die eigenen Erfahrungen und Geschichten, Moldens Lieder – Corpus als Biotop der eigenen Lebenswelt. Melancholie und die Leichtigkeit des Seins.

Doch wie passt das zusammen? Melancholie und „a so a scheena dog“ ? Molden schafft es selbst einem regnerischen Tag in Wien („Regn en Wien“ ) etwas schönes abgewinnen, nämlich, der Tatsache, dass es ja nicht allzu weit ist der Stadt zu entfliehen. Das Credo: Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Limonade draus. Jedoch wirkt das Ganze nie als würden sich die Lieder rein um platte Durchhalteparolen handeln.

Molden lässt uns wie schon im Vorgängeralbum „Es Lem“ wieder Teilhaben an der Gedankenwelt eines der wohl begnadetsten Liedermachers Österreichs. Ein Beobachter, Chronist und Dokumentator Wiens und seinen Menschen. Wie eine Schau durchs Schlüsselloch erzählt Molden die kleinen Geschichten und großen Freuden des Lebens. Immer zwischen süßer Melancholie und dem alltäglichen Hass auf die Welt (oder den „Möwen“?) und gleichzeitiger Lebensfreude zur selbigen.

Wossa und Schdaana.

Es ist aber eben diese Ambivalenz und diese herrliche Ehrlichkeit die Molden uns textlich wie musikalisch wunderbar aufbereitet und die das Album zu einem weiteren Kleinod in Moldens Diskografie werden lässt. Sich einfach einmal den kleinen Dingen des Lebens widmen, lachen, weinen, Wasser, Steine, „a so a schena dog“.

Musikalisch bewegt sich das Album zwischen Minimalismus und diskreter Zurückhaltung, jedoch so eindringlich, dass es bisweilen sogar („Matzlansduafa Blods“) an Götz Widmann erinnern lässt. Große Gesten und Pathos findet man nicht auf „a so a schena dog“ doch ganz viele ehrliche Momente. Molden, Gitarre und Mundharmonika ergeben zusammen mit seiner Liebe zu Wien, das Resultat was wir auf „a so a scheena dog“ hören: eine Liebeserklärung an das Leben selbst, vor allem aber an Wien. Poetisch, zerbrechlich, wahrhaftig, Molden.

Molden selbst sagt zum Album: „Bei diesen elf Liedern wusste ich nichts, außer dass ich mit ihnen allein bleiben wollte“. Praktisch eine Höranleitung, denn die 11 Lieder laden ein sich in eine eigene Gedankenwelt zu vergraben und sich in dieser ein ums andere Mal zu wälzen und zu sulen. Eine Aufforderung zur Immigration in die eigene Gedanken – und Gefühlswelt.

"Wäre Bob Dylan Wiener, er wäre Ernst Molden."

Ernst Molden – a so a scheena dog
VÖ: 1.6.2012
monkey music

(Philipp David Köstenberger)

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Eine Antwort auf Ernst Molden – „a so a scheena dog“ – Verstecken

  1. re ne va plus sagt:

    bye bye love
    bye bye love

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