Kultur – Musik

Es Lem

Ernst Molden „Es Lem“

26. Mai 2011 • Musik

Ernst Moldens neues Album "Es Lem" erscheint  am 27.5. über monkey music. Wir haben reingehört.

Vom verrückten alten Sommer hat Ernst Molden damals gesungen, auf seinem Album „Haus Des Meeres“ (nach „Bubenlieder“ bis dato mein Molden-Lieblingsalbum), vom perfekten, verrückten alten Sommer. Wie oft habe ich diesen Satz im Kopf gehabt, wenn ich in der Hitze durch Wien spaziert bin, wie oft habe ich dieses Zitat als Gruß in irgendwelche Bücher gekritzelt, perfekter alter Sommer, verrückter alter Sommer. Damals mein, auch heute noch gerne gehörter, Soundtrack für den Sommer zwischen Asphalt, Donauufer und den üblichen Plätzen mit den üblichen Verdächtigen.

Der verrückte alte Sommer, er steht wieder vor der Tür – und wieder gibt es ein neues Album von Ernst Molden, der in den letzten Jahren nun wirklich nicht unproduktiv war in punkto Release. „Es Lem“ heißt es allumfassend, das Leben: zu dem Titel hat ihn sein Sohn Karl inspiriert, gewidmet ist das Album seiner Familie. Auf einem Felsen sitzt Molden am Cover, als kleiner Teil einer Flusslandschaft, ganz rechts unten im Bild mit Gitarre.

Es Lem

Wien ist und bleibt Moldens umkreister und beschriebener Kosmos, doch ist „Es Lem“ auch eine Liebeserklärung an selbiges an sich – und gleich im Titelstück kommt die Conclusio, dass alles das letzte Mal sein könnte und man es sich deswegen ordentlich „geben“ sollte. Sang Molden früher noch wienerisch eingefärbtes Hochdeutsch, geht es hier – wie auch schon bei seinen letzten Alben – im Dialekt zur Sache (die Transkription der Texte im Booklet sind ein wenig mühsam zu lesen).

Elf Songs hat er auf „Es Lem“ draufgepackt, elf Beobachtungen, Momentaufnahmen, Umkreisungen – meist akustisch, ruhig, wunderschön instrumentiert. Vom Flakturm und seiner Geschichte, den Fußballspielenden Romakindern. Vom 74 A, mit dem man in arge Gegenden kommt, vom Wirtshaus mit der tätowierten Kellnerin und den Gesprächen über den Krieg. Vom Sich-nicht-bewegen-wollen im Bundesbad. Von blauen Augen und roten Haaren, von einem Spaziergang durch die Schlachthausgasse und den Passanten und Protagonisten in der selbigen. Vom Joe Zawinul Park.

I dadad schbüün.

Und am Ende wieder, wie auch am Anfang, eine Art Liebeserklärung: „I dadad schbüün“. Weil ein Lied geht immer noch, anders geht es nicht – auf Begräbnissen und in Kindergärten würde er spielen – überall, immer, und wenn sie anrufen wegen einem Auftritt im Happelstadion: „sog i naa, heid schbüü i scho bei dia“.

Moldens Band auf „Es Lem“ besteht, nebst Molden an Stimme und Gitarren aus Sibylle Käfer, Heinz Kittner, Marlene Lachersdorfer, Walther Soyka und Hannes Wirth. Als Gäste hat er unter anderem den Nino aus Wien, Willi Resetarits und Robert Rotifer ins Studio geladen.

Mit „Es Lem“ ist Molden wieder einmal ein wunderbares Album gelungen. Empfehlung!

Markus Brandstetter

Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

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