Kultur

(c) Galerie Nächst St. Stephan
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Ernst Caramelle: diesmal ganz abstrakt

18. Oktober 2011 • Kultur

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In Ernst Caramelles Kunst geht es seit jeher um Prozesse – sei es im kognitiven, sei es im konkreten Sinn, wie in der aktuellen Ausstellung der Galerie Nächst St. Stephan. Genauer gesagt präsentiert der Tiroler Künstler Arbeiten, die vom Prozess des Entstehens und des Verschwindens zeugen.

In seinen Wandmalereien, die im Werk des Künstlers seit den 80er Jahren eine wichtige und stete Rolle einnehmen, setzt sich Ernst Caramelle in der Regel konzeptuell mit dem Ort beziehungsweise mit den Räumen, für die sie geschaffen sind, auseinander. So auch jene Wandmalereien, die für die Ausstellungsräume der Galerie Nächst St. Stephan konzipiert wurden. Farbige, streng geometrische Flächen erstrecken sich über die Wände zweier Räume der Galerie. Die Wand wird zum Bild, das sich wiederum an die räumlichen Anforderungen, wie Fenster, Türen oder Putzdekor, anpasst. In der Verwendung der stets gleichen Farben, der Verdoppelung und Spiegelung von Flächen, entsteht zudem ein vielfältiges System an Korrespondenzen: Was ist Original, was Reproduktion, was ist Negativ und was Positiv, wer ist der Künstler und wer der Betrachter?

„Proportionen beflügeln die Ideen“ (E. Caramelle)

Das Moment der Prozesshaftigkeit entfaltet seine Bedeutung auf einer hintergründigen Ebene. Denn Wandmalereien sind, da direkt auf die Wand aufgetragen, für einen bestimmten Ort gemacht. Vorausgesetzt, es handelt sich dabei um Ausstellungsräume, ist auch klar, dass sie von dort wieder verschwinden werden – nämlich spätestens dann, wenn die Galeriewände für die nächste Ausstellung neu gestrichen werden. Ihre Entstehung unterliegt außerdem einem aufwändigen Prozess, denn die Wandbilder werden mit Wasserfarbe aufgetragen und teilweise wieder abgewaschen.

Von der Sonne gemalt

Den großformatigen Wandmalereien sind kleinere Arbeiten, die an den Wänden hängen, gegenübergestellt. Einen Teil davon bilden die sogenannten Lichtmalereien – Papierarbeiten, deren Farbe mithilfe des Sonnenlichts (und einer Belichtungsdauer von mehreren Jahren) sich verändert hat und die sozusagen „von der Sonne gemalt“ wurden. Dem Konzept des äußerst langwierigen Entstehungsprozesses dieser Lichtmalereien korrespondiert der Prozess des Verschwindens bei den Wandmalereien.

Internationaler Vertreter der Konzeptkunst

Seit seinen künstlerischen Anfängen überführte Ernst Caramelle neue Medien in neue Kontexte, wobei er immer auch ein ironisches Spiel mit den jeweiligen Ausdrucksformen trieb. Seine Arbeiten zeugen nicht zuletzt deswegen von Ironie, weil sie das klassische Tafelbild und dessen Entstehung vollkommen negieren und die klassiche Rolle des Kunstschaffenden im Kunstbetrieb neu definieren. Im Zentrum stehen dabei immer gedankliche Überlegungen und Prozesse: "Meine Arbeiten kommen immer vom Kopf, ich mache fast nie etwas aus dem Bauch", sagte der Künstler einmal.
(Barbara Pflanzner)

Ernst Caramelle: Diesmal ganz abstrakt
Galerie Nächst St. Stephan
bis 29.10.2011
Eintritt frei.

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Galerie Nächst St. Stephan

Grünangergasse 1
1010 Wien
+43 / 1 / 512 12 66
http://www.schwarzwaelder.at

DI – FR: 11:00 – 18:00 Uhr
\r\nSA: 11:00 – 16:00 Uhr
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