Lifestyle – Im Gespräch

Eristoff - Bring on the Night

Eristoff meets Loomit

5. Oktober 2012 • Im Gespräch

Eristoff – Bring on the night

Im Rahmen des Waves Vienna Festivals von 4. bis 7. Oktober verleiht der internationale Graffitikünstler Loomit der Frontwall der Pratersauna ein tierisch gutes Gesicht. Motiv ist der neu interpretierte Kopf des legendären Eristoff Wolfes in Graffiti-Style. Als kleiner Bonus prangt außerdem eine Wolfstatze von einer weiteren Wand der Partylocation. Wir haben den Ausnahmekünstler aus München getroffen und skurrile Geschichten über ihn und seine Reisen rundum die Welt erfahren.

Blockflöte gegen Spraydose

Der FM4 Empfang in Bayern ist sehr gut, so Loomit. Daher sind ihm einige Acts auf der Waves Festival Bühne durchaus ein Begriff. Er selbst bezeichnet sich als leidenschaftlicher Musikhörer, jedoch nicht als aktiv Praktizierender. Schuld daran ist die Blockflöte, die er als erstes und auch letztes Musikinstrument in seiner Kindheit ausprobiert hat. Stattdessen findet er sein Interesse im Zeichnen. Bereits in den frühen Achtzigern macht er seine Leidenschaft zum Beruf. Er verrät uns, dass seine hauseigenen Wände nicht von seinen Werken, sondern mit Leinwänden seiner Kollegen geschmückt sind. Das die Graffitikunst unter Sprayern hoch geschätzt wird und sein Job neben kreativem Geschick auch Mut und Risiko verlangt. Lässt sich ein Graffiti-Künstler während seiner Tat erwischen, macht er sich strafbar – offizielle Aufträge sind davon ausgeschlossen. Loomit gibt uns allerdings zu verstehen, dass sich ein leidenschaftlicher Künstler durch illegale Praktiken, nicht vom Sprayen abbringen lässt. Im Gegenteil. Auf der Flucht zu sein verleiht sogar einen gewissen Kick.



Seine Bilder sprechen Bände

In seiner Welt gilt verbale Kommunikation teilweise als überflüssig. Deshalb entscheidet er sich, seit der Erfindung des Mobiltelefons, gänzlich darauf zu verzichten. Er bediene sich lediglich dem Anrufbeantworter, gesteht er. Stattdessen unterhält er sich bevorzugt via Graffitimotive, in Ländern, deren Sprache er (noch) nicht mächtig ist. Schließlich sagen Bilder mehr als tausend Worte.

Das Motiv eines Zuges gilt als Fixbestandteil seines Repertoires. – Ein Insider-Motiv, das zuzeiten seiner künstlerischen Anfänge in der Bronx entstanden ist und seither, auf seinen bisher bereisten Kontinenten zahllose Wände ziert. Hier in Wien könnte einer dieser Wagons auf den Mauern, entlang der Gleise in Heiligenstadt, entdeckt werden. Ein Bezirk, in dem Loomit seine Inspirationen während seiner Besuche, auf wienerischem Mauerwerk ausüben konnte. Allerdings gilt die Graffiti-Kunst als kurzweilig. Und da wo einst Züge über Wände fuhren, speien heute möglicherweise Drachen Feuer von Betonklötzen. Denn die kreativen Köpfe in dieser Szene, hinterlassen auf bereits bestehenden Werken, gerne ihre Spuren. Somit wird Graffiti ständig neu erfunden.

Das perfekte Zusammenspiel von Menschenhaar und Wolfspelz

Loomit erzählt von Indien, Asien, der Bronx im Big Apple und die Bedeutung von Frisuren in unterschiedlichen Ecken dieser Welt. Seinem Haarschnitt zufolge – schulterlanges Haar – fällt er dann wohl in die Kategorie: Wenn Schwiegermütter nicht pünktlich zur Schere greifen, so Loomit. Zumindest passt er sich perfekt der klischeehaften Haarschnittkultur in der Musikszene an, die während des Waves Vienna Festivals, durch neue AusnahmekünstlerInnen bereichert wird. Auch für Loomit wird es wohl nicht der letzte Besuch in der Pratersauna gewesen sein. Denn in seinen Augen war der Eristoff Wolf der perfekte Auftrag: Sprayen, in einer Stadt mit hoher Lebensqualität und umringt von guter Musik.

Persönlich genießt er den Alkohol nur in Maßen. Er selbst zählt sich jedoch zu den Ausprobier-Typen. Und statt einem Glas Rotwein, verlangt er als Begleitung zu gebratenem Hund, bei seinem nächsten Aufenthalt in Wien, vielleicht sogar nach einem Glas Eristoff. Denn geschmacklich zusammenpassen sollen nachwievor nur seine Wandgemälde. Und wer weiß, vielleicht ist es sogar Loomit, der heute Nacht doch noch zur Eristoff Flasche greift, und inspiriert von seinem gesprayten Wolf in Überlebensgröße, bis in die frühen Morgenstunden zu den Klängen des Waves Festivals jault. Fazit ist: Mit einem der bedeutenden Künstler in der Graffiti Szene hinterlässt Eristoff sein Markenlogo in guten Händen. Und wie der Eristoff Wolf wird auch Loomit in Wien seine Spuren hinterlassen und uns im Gedächtnis bleiben.

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