Kultur

Eliasson Yellow Fog

Eliassons „Gelber Nebel“ in Wien

4. Jänner 2011 • Kultur2 Kommentare zu Eliassons „Gelber Nebel“ in Wien

Kunst im öffentlichen Raum hat ja des öfteren das Problem, dass sie, da ihr die schützenden Wände des White Cube fehlen die sie als Kunst ausweisen, schlichtweg übersehen wird. Wenn man nicht genau weiß, wonach man Ausschau halten muss kann man schon mal an den verhalteneren, nicht allzu marktschreierischen Kunstwerken vorbeilaufen. Dieses Übersehen kann einem auch leicht bei Olafur Eliassons ephemerer Lichtskulptur passieren: Schon seit 2008 steigt nun täglich an der Fassade des Verbund-Gebäudes am Hof gelber Nebel auf.

„Den negativen Raum sichtbar machen“

Dabei ist Eliassons Lichtskulptur viel zu schön um übersehen zu werden. Mit Beginn der Dämmerung färbt der dänische Künstler Olafur Eliasson den aufsteigenden Wasserdampf entlang der Fassade des Verbundgebäudes dottergelb. Dieses Lichtspektakel entsteht, da entlang der Gebäudefront ein Gitter in den Gehsteig eingelassen, unter dem sich 32 Leuchtstoffröhren befinden. Sie tauchen den Nebel, der nach Einbruch der Abenddämmerung alle drei Minuten für jeweils 40 Sekunden an der Fassade hochsteigt, in gelbes Licht. Täglich zur Abenddämmerung wird die Fassade für eine Stunde in gelben Nebel getaucht. Die Stunde richtet sich nach der einsetzenden Dämmerung, richtet sich also nach Naturphänomenen und nicht nach einer Stechuhr.

Durch dieses Spektakel wird der historische Platz Am Hof zu einem offenen Ausstellungsraum in der Stad, der ein Wechselspiel aus Stadtarchitektur, Nebel und Natur zeigt. Darüber hinaus thematisiert Yellow Fog den Übergang vom Tag zur Nacht und macht auf die Veränderung des Tagesrhythmus aufmerksam. Ziel dieser Installation ist laut Eliasson, die Luft selbst sichtbar zu machen, eine Kontrastfärbung des negativen Raums zwischen den Gebäuden zu produzieren und den Platz an sich sichtbar werden zu lassen. Und mit dieser Sichtbarmachung geht eine Inszenierung, ein Aufmerksam machen auf den öffentlichen Raum einher, denn statt der üblichen kommerziellen beziehungsweise stadtarchitektonischen Nutzung der Fassade wird die plane Fläche hier künstlerisch genützt. Indem die Grenzen zwischen öffentlichem Platz, Gebäude und Raum in eins fallen und verschwimmen, soll die Wahrnehmung des urbanen Lebensraum geschärft werden. Eliasson macht nicht nur den abstrakten Begriff des Raums, sondern auch die technischen Voraussetzungen der Intervention sichtbar.

Von New York nach Wien

Die Installation „Yellow Fog“ selbst wurde jedoch nicht für die Wiener Verbundfassade selbst konzipiert, sondern wurde erstmals 1998 in New York ausgestellt. Dort war sie 10 Jahre lange an der Außenwand des Jewish Museum zu sehen bevor die Lichtskulptur nach Wien wanderte und seit 2008 das Verbund-Gebäude ziert.

Wir finden: Eliassons „Yellow For“ ist definitiv einen abendlichen Spaziergang wert. Da sich die Installation nach den Jahreszeiten richtet können wir euch nur raten, kurz vor Einsetzen der Dunkelheit dort zu sein.

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Laura Windhager

Über das Leichte und das Schwere. Zwischen Kulturpessimismus und Poputopien.

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Verbund Gebäude

Am Hof 6A
1010 Wien
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2 Antworten auf Eliassons „Gelber Nebel“ in Wien – Verstecken

  1. Huberbauer sagt:

    Nebel hübsch, gebäude weniger
    Der Nebel kann einiges und zum Glück konnte ich ihn auch selbst schon bewundern. Ein Phänomen ist aber, dass der verbund als eines der größten östereichischen Unternehmen, ein dermaßen scheußliches Gebäude bewohnt. Na wenigstens gibt es den Nebel

  2. laura windhager sagt:

    @Huberbauer
    ich glaube der nebel rettet das gebäude, deswegen haben sie ihn nach wien geholt 😉

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