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Eine Viennale-Bilanz und Film-Wunschliste

3. November 2011 • Film / TV

Seit gestern ist die Viennale zu Ende, das Raum-Zeit-Geld-Paradoxon beendet, die Taschen-Debatte passé (ist greige wirklich eine Farbe?). Der Rückbesinnung auf Leben in 2D steht nun nichts mehr im Wege. Die richtig Hartgesottenen wie Lars von Trier träumen zwar von Filmen, die 80 Stunden dauern, aber wir zählen uns da eher nicht dazu. Eine Nachbesprechung inklusive Wunschliste für baldige Kinostarts muss trotzdem sein.

Fazit: schön wars. Auch die Viennale sieht das so: die Besucherzahlen waren gleichbleibend gut, ebenso die Auslastung mit fast 80%. Daher hat man heuer auch auf eine Abschluss-Pressekonferenz verzichtet und schlicht die Bilanzen online gestellt. Die Home Run-Schiene ging besonders gut: das Kellerkind-Drama ‚Michael‘ erhielt den Wiener Filmpreis, als bester Dokumentarfilm wurde ‚Der Prozess‘ ausgezeichnet. Auch der Mehrwert-Preis des Hauptsponsors Erste Bank ging an den Tierschützer-Prozess-Film. Die mexikanische Dokumentation ‚El lugar más pequeno‘, welche die Auswirkungen des Bürgerkriegs in El Salvador anhand der BewohnerInnen eines kleinen Dorfes zeigt, hat den Publikumspreis des Standard bekommen und wird gratis Anzeigenfläche und somit wohl hoffentlich einen Verleih-Vertrag bekommen.

Wiewohl uns das freut, hätten wir gerne einen Verleih-Vertrag für ‚L’exercise de l’etat‘, zu englisch kurz ‚The Minister‘, zu deutsch derzeit noch titellos. Wir optieren für ‚Der Minister‘ als deutschen Titel und wünschen uns, dass der Politikfilm möglichst bald in unsere Kinos kommt. Bertrand Jean-Marie kämpft darin als Verkehrsminister gegen die Privatisierung der französischen Bahnhöfe, aber nicht etwa aus Überzeugung oder gar Ideologie, sondern lediglich zur Erhaltung seiner Macht. Der Regisseur Pierre Schoeller wollte eigentlich einen Actionfilm machen, der lediglich über Bilder funktioniert, und war überrascht, dass sowohl französisches wie auch österreichisches Publikum von Politikern in Filmen stets moralisches Verhalten erwarten. Dieser Wunsch wird in ‚The Minister‘ nicht bedient, ein reiner Actionfilm ist es aber trotzdem nicht.

Obwohl Natalie Portman zurzeit die Mirjam Weichselbraun Hollywoods ist, ist ‚Hesher‘ auch auf unserer Wunschliste. Darin bringt der eher primitiv orientierte Hesher das Leben einer kürzlich zur Vater-Sohn-Beziehung geschrumpften Familie zuerst durcheinander, und dann wieder halbwegs in Ordnung. Zwischendrin fängt er sich dabei etwas mit Natalie Portman an, was insofern ein Problem ist, als dass der kleine Sohn TJ in sie verknallt ist. Sofern es nach dem Publikum geht, müsste auch ‚Hesher‘ in die Kinos kommen: der Film wurde bei der Viennale dreimal gezeigt, wovon zwei ausverkauft waren, und die dritte Vorstellung um 6:30 morgens war und deswegen nicht zählt.

Das Drama um das Kellerkind Michael hat in Markus Schlainzers gleichnamigem Film alle österreichischen und sonstigen Lorbeeren eingefahren. Zu Ungunsten von ‚Stillleben‘ von Sebastian Meise, auch – bei dem Thema wohl unüberraschend – ein Drama, das sich um die Enthüllung der Pädophilie des Vaters und die daraufhin folgende Krisenbewältigung der Familie, beziehungsweise deren Ausbleiben, dreht. Auch ‚Stillleben‘ fordert den SeherInnen stabile Gemütslagen ab und eignet sich weniger für einen Geburtstagsausflug ins Kino, ist aber dennoch sehr sehenswert.

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