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Ein unverschämt cooler Alpenkönig

5. Dezember 2013 • Kultur

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Das Burgtheater zeigt mit der Neuauflage des Raimund-Klassikers „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ ein zeitloses Lehrstück über die Selbstreflexion und den Mut zum Vertrauen.

Gar nicht menschenfeindlich präsentiert sich die aktuelle Burgtheater-Inszenierung von Ferdinand Raimunds „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“. Regisseur Michael Schachermaier inszeniert das 1828 uraufgeführte Zauberspiel als flottes Theater mit liebenswürdiger Komik und zurückhaltender Moralkeule.

Am Ende steht ein Neuanfang

Voller Misstrauen und Furcht seinen engsten Mitmenschen gegenüber zieht sich Herr von Rappelkopf – der Hauptakteur im Raimund-Stück – in eine paranoide Wahnwelt zurück. Das Dienstmädchen will ihn bestehlen, der Butler ihn ermorden, die Tochter gegen seinen Willen einen Künstler-Taugenichts zum Mann nehmen und seine vierte Frau nimmt Rappelkopf ohnehin nur noch als diabolisch-hinterlistige Bestie wahr. In einem seiner zahlreichen Tobsuchtsanfälle beschließt Rappelkopf in die Berge zu gehen, um sich in karger, menschenleerer Gegend endlich sicher zu fühlen. Die idyllische Alpenruhe wehrt jedoch nicht lange. Aus mangelnder Einsicht in sein paranoides Fehlverhalten treibt es Herr von Rappelkopf in die Fänge des teuflischen Alpenkönigs Astragalus. Dieser beschließt fortan mit ihm die Identität zu tauschen um dem misstrauischen Hitzkopf seinen Starrsinn vor Augen zu führen. Durch die Konfrontation mit sich selbst gelingt es dem Alpenkönig Herr von Rappelkopf von seinem Menschenhass zu befreien. Am Ende steht ein Neuanfang im Zeichen der Selbstreflexion und des Vertrauens in seine Umwelt.

Alpenkönig in Rockstar-Pose

Schachermaier gelingt es, die humoristischen Seiten des Stücks hervorzustreichen, ohne der mystischen Gestalt des Alpenkönigs seine Ernsthaftigkeit zu entziehen. Unterstützt wird diese Wirkung durch das kitschfreie Bühnenbild von Damian Hitz, der die Alpen in all ihrer Dramatik und gespenstischen Kargheit zeigt und dabei nicht mit großen Effekten spart. Die Wiener Musikerin Eva Jantschitsch alias „Gustav“ sorgt mit ihren verspielten Texten und pointiertem Sound für die musikalischen Einlagen der Inszenierung. Johann Adam Oest als unfreiwillig komischer Butler des Herrn von Rappelkopf, avanciert zum Running-Gag des Stücks. Neben Cornelius Obonya als Rappelkopf, dessen Großvater bereits in diese Rolle geschlüpft war, beeindruckt vor allem Johannes Krisch als blutverschmierter Lederhosen-Teufel Astragalus. Krisch zeigt die nötige Ernsthaftigkeit und wirkt dennoch so unverschämt cool, als würde er Alpen-Rocker Gabalier die Lederhose quasi im Vorbeigehen ausziehen. So hat man den Alpenkönig garantiert noch nie gesehen.

„Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ läuft noch bis 25. November im Burgtheater

Foto: (c) Reinhard Werner Burgtheater

Stefan Weiss

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