Lifestyle – Reise

(c) Neubauer
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Ein erster Donnerstag in Dublin

9. Juli 2013 • Reise

“Dublin is very much a city caught by anxieties, for its half way between an old way of life and a new one… It´s a city which glows with promises and with promises to mend broken promises, which sparkles with guesses, which loves to agree and reserves the private pleasure of not really agreeing at all.”

Über fünfzig Jahre ist es her, dass der britische Autor V.S. Pritchett seine Sicht auf die irische Hauptstadt in so poetische Worte gefasst hat. Seine Partnerin Evelyn Hofer hat für ihren Blick auf Dublin die Kamera benutzt. Entstanden sind schwarz-weiß Porträts von irischen Großfamilien, die etwas steif vor der Kamera posieren und deren lachende Augen doch durchblitzen; Bilder von einsamen Straßen mit hohen, schmalen Häusern, die ein bisschen verloren, und ja, auch etwas düster wirken. Hier, in der Gallery of Photography zeigt sich Dublin für uns von einer Seite, die so ganz und gar nichts mit dem Dublin zu tun hat, das ich in den letzten 36 Stunden kennen gelernt habe. Und dann wieder doch.

Keine fünf Minuten ist es her, dass wir vor dem Eingang zur Galerie, zu der auch ein Fotoshop gehört, beobachtet haben, wie mitten im Menschengewusel bunte Lampen, Laternen und andere Überbleibsel von einem Fest weggetragen wurden. Bunt, lebendig, pulsierend, so haben wir die Stadt auch gestern bei unserer ersten Tour durch Temple Bar, das touristische Viertel von Dublin kennen gelernt. Unser Kurzbesuch ist nämlich auf den First Thursday Dublin gefallen: Jeden ersten Donnerstag im Monat öffnen Galerien und andere kreative Plätze ihre Pforten, um Besucher länger einen Blick auf die Kunst zu ermöglichen. Und das muss schnell gehen – die Öffnungszeiten zwischen 18:00 und 20:00 Uhr reichen bei Weitem nicht für alle Locations, die auf den Handouts gelistet sind. Wir müssen uns entscheiden und gehen, weil wir ohnehin nichts kennen, einfach in den erstbesten Laden hinein.

Von Ago Szots großflächigen Malereien in der “No Grants Galery” ziehen wir zum Project Arts Center, wo wir auf einer Post-Its Wand auch unsere aktuellen Alltagsgrübeleien hinterlassen können; wir versuchen unsere hungrigen Mägen mit gratis Wein, Cracker und Mozarella-Sticks in einer Galerie ohne Namen zu füllen; stehen bei der Gallery of Photography vor verschlossenen Toren und beschließen, die Ausstellung am nächsten Tag nachzuholen. Das und einen entspannten Erkundungsgang durch Temple Bar mit seinen Straßencafés, kleinen Boutiquen und farbenprächtigen Pubs. Dafür bleibt nämlich auf diesem “Art Run” wirklich keine Zeit. Und dass wir so nebenbei Dublin Castle in der Ferne gesehen haben und ganz nah am River Liffey vorbei laufen, das haben wir noch nicht einmal gemerkt.

Anders als das Hungergefühl, das sich mittlerweile in unseren Mägen breit gemacht hat. Letzteren ist auch egal, ob das Abendessen 30,- Euro kostet oder nicht. Unsere Geldbörsen protestieren, aber die müssen sich geschlagen geben: In Dublin – oder besser gesagt in Irland – kostet Essen leider viel, sehr viel. Das vergesse ich jedoch gleich wieder, als die Kellnerin im vegetarischen Restaurant Cornucopia mir in der entzückend freundlichen Manier der Iren die Portion Curry überreicht: Bunt, viel versprechend, nicht zu groß und nicht zu klein hat es alles, was ich gerade brauche. Genau wie Dublin.

Doris Neubauer
http://littlemissitchyfeet.com – von einer, die auf der reise ist

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