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Ein Goldhäubchen für die KHM-Wunderkammer

20. September 2011 • Kultur

Wer momentan durch die Stadt schlendert oder der U-Bahn entsteigt, entkommt ihnen nicht. Denn überall lächeln von großformatigen Plakaten bekannte Gesichter, die Häupter oder andere Körperteile bedeckt mit güldenen Hauben, herab.

Doch, um was geht es denn eigentlich? Bei den Hauben handelnt es sich um Helme, die offensichtlich erstanden werden können. Einer kostet stolze 49 Euro, bei genauerem Hinsehen erschließt sich, dass davon aber 21 Euro der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums Wien zu Gute kommen. Die anderen 28 Euro investiert der Käufer in seine eigene Sicherheit – wenn er den Helm denn auch aufsetzt.

Mit der Plakataktion versucht das KHM Einnahmen für die Fertigstellung seiner Kunstkammer zu lukrieren. Diese soll 2012 eröffnet werden, derzeit wird sie optisch ansprechend in einem goldfarbenen Baucontainer präsentiert. Als Werbeträger engagieren sich bekannte Menschen wie der Künstler Erwin Wurm, der Live-Ball-Organisator Gary Keszler, der ORF-Moderator Roman Rafraider oder der Sammler und Ausstellungsmacher Karlheinz Essl.

Warum dient aber gerade ein Helm und warum noch dazu ein goldener als Einnahmequelle? Ist die Goldhaube gar eine Referenz an die österreichischen Trachtenhauben und somit als Schmuck zu verstehen? Gleichzeitig bezeichnet die „Goldhaube“ aber auch ein militärisches Luftüberwachungs- und Führungssystem, das das österreichische Territorium beschützen soll – also doch eher als Schutz? Oder kommt doch eher die dritte Möglichkeit, die, weil auch so proklamiert, als Referenz an den Bauarbeiterhelm steht, mit dem der geneigte Käufer die Kunstkammer „mitbauen“ soll. Schmuck, Schutz und aktives Mitgestalten – gar nicht mal so schlecht eigentlich!

Mit dem Helm-Accessoire proklamiert das KHM nicht nur einen neuen Schick – denn T-Shirts oder Jutetaschen einschlägiger Institutionen kann ja jede(r) tragen! –, es greift auch auf eine neue BesucherInnengruppe, die anscheinend aus einem eher jüngeren Klientel bestehen soll. Ein jugendlich-aktives Publikum nämlich, dass am besten auch ökonomisch sinnvoll zum Besuch ins KHM radelt.

Insofern statuiert das KHM momentan generell eine neue Jugendlichkeit – öffnet es sich doch gerade mit den Künstlern Lucien Freud, Ed Ruscha und Joseph Cornell auch hinsichtlich seiner Ausstellungen einer etwas „jüngeren“ Generation. (BP)

Der Fahrradhelm ist im KHM-Shop oder online erhältlich.
Kunstkammer-website: www.kkhm.at

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