Kultur

Opening Night

Ein Ausblick auf die diesjährigen Wiener Festwochen

14. Mai 2011 • Kultur

Gestern wurden die Wiener Festwochen wieder feierlich am Rathausplatz eröffnet. 41 Produktionen aus 23 Ländern stehen von 13. Mai bis 19. Juni auf dem Programm.Wir haben uns das Programm und die Schwerpunkte des diesjährigen Festivals genauer angesehen.

Die Wiener Festwochen können auf eine bewegte Geschichte zurückblicken: Erstmals fanden sie 1927 statt, wurden dann aber im Zuge des Zweiten Weltkrieges sehr bald wieder eingestellt. Eine Wiederaufnahme des Kulturfestivals gab es erst 1951 in der noch von den Aliierten besetzten Stadt. Seitdem wächst und gedeiht das Festival. Besonders seit Luc Bondy 2002 Intendant der Wiener Festwochen wurde, hat man von Mai bis Juni jedes Jahr die Gelegenheit außergewöhnliche Theaterproduktionen und Musikstücke zu sehen. Verantwortlich für die Sparte Musiktheater ist seit 2005 Musikdirektor Stéphane Lissner , für die Schauspielauswahl seit 2008 Schauspieldirektorin Stefanie Carp.

Von den Enden der Welt über die Enden der Welt

Die Wiener Festwochen wollen Theaterstücke und Inszenierungen zeigen, die gesellschaftspolitisch-kritische Inhalte auf höchstem künstlerischem Niveau thematisieren. 41 Produktionen aus 23 Ländern stehen von 13. Mai bis 19. Juni auf dem Programm. Der Doppelsinn der Weltenden beschäftigt das diesjährige Schauspielprogramm, das sich geographisch zwischen Grönland, Mali, Kasachstan und Kolumbien bewegt, und auch inhaltlich zwischen extremen Klimazonen, in denen sinnfällig wird, dass Wasser ein Kriegsgrund ist, und dass die Möglichkeit zu atmen und zu essen eine Ware wird, die sich nicht jeder leisten kann. „Für alle reicht es nicht“, hat Heiner Müller einmal kühl konstatiert; womit er nur unter der Prämisse recht hat, dass man die gegenwärtige Verteilung der Ressourcen akzeptiert. Die Kämpfe um diese Verteilung sind härter und mitleidloser geworden, nicht nur an den Enden, auch in den Zentren der Welt.

Eine kleine Auswahl

Als Uraufführung eröffnet "+- 0 – Ein subpolares Basislager", ein Christoph Marthaler-Projekt zum "musikalischen Klimawandel", das von der Kultur, den Menschen und Landschaften Grönlands erzählt, am 12. Mai den Programmreigen – also einen Tag vor dem eigentlichen Eröffnungsfest am Rathausplatz.

Neben Marthaler gibt es auch ein Wiedersehen mit bereits bekannten Regisseuren aus den vorangegangenen Jahren, deren Produktionen ganz besonders die Wiener Festwochen mitgeprägt haben:

So bringt Peter Sellars, der letztes Jahr Shakespears „Othello“ inszeniert hat, dieses Jahr unter dem Arbeitstitel "The Desdemona Project" einen Text von Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison als Uraufführung, Robert Lepage, der letztes Jahr mit „The Anderson Project“ das Publikum verzaubert hat, zeigt sein bereits über zehn Jahre altes Stück "The Far Side of the Moon". Und besonders gespannt sind wir auf Patrice Chereau zwei Stücke von Jon Fosse: " Le rêve d’automne/ Traum im Herbst" und "I Am the Wind“, die er einander gegenüber stellt.

Der lettische Regisseur Alvis Hermanis kommt mit „Lettische Liebe“ ebenso wieder wie die Theatergranden Frank Castorf, Ruedi Häusermann, Ivo von Hove und Andreas Kriegenburg.

Das Musiktheaterprogramm startet mit der Open-air-Aufführung "Orestreïa" des 2001 verstorbenen Komponisten Iannis Xenakis auf dem Karlsplatz. Für die Realisierung durch das La-Fura-dels-Baus-Mitglied Carlus Padrissa wird "effektvolle Pyrotechnik als zentrales Gestaltungselement" versprochen.

Da das Festwochen Programm aber natürlich mehr bietet als diese zugegebenermaßen sehr subjektive Auswahl sollte man sich unbedingt selber durch das Theater- und Musikprogramm stöbern, für viele Vorstellungen gibt es jetzt noch Karten und ansonsten lohnt es sich (fast) immer auf Restkarten bei der Abendkassa zu spekulieren.

 

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