Kultur – Musik

(c) Marco Prenninger
(c) Marco Prenninger

Ein Abend mit Soap&Skin

11. Februar 2012 • Musik1 Kommentar zu Ein Abend mit Soap&Skin

In der ausverkauften Arena präsentierte Soap&Skin, gemeinsam mit ihren Ensemble, ihr gestern erschienenes Album „Narrow“.

Beim rausgehen gehen mir einige Dinge durch den Kopf. Dass das hier weder die angeblichen Abgesänge aufs Leben sind noch das Schwelgen in Todesphantasien zum Selbstzweck. Dass die Restdistanz, die zwischen Soap&Skin und ihrem Publikum an Abenden wie diesen immer bleiben wird, weder aufgesetzt, arrogant noch gekünstelt sondern notwendig, der Sache angemessen ist.

Soap&Skin exerziert emotionale Konstrukte gleichermaßen wie sie diese Konstrukte seziert und fragmentarisch beleuchtet. Verluste, unwiderlegbare Realitäten, das Körper- und das Rauschhafte, Phobien, Schmerz und Tod durchlaufen offen zur Schau gelegte Kanäle, lakonisch und ekstatisch. Das Ausufern ist so entgrenzt wie es kontrolliert, beinahe diszipliniert scheint.

Hell won’t tolerate hymns.

Anja Plaschg kommt alleine auf die Bühne, und wird nach der Zugabe auch wieder alleine von der Bühne gehen. Zwischen den Songs spricht sie wenig, ohne dabei abwesend zu wirken. Ihr Ensemble besteht aus Streichern, Bläsern und einem Chor, der Laptop steht wie immer am Flügel. Beats ertönen, Plaschg stampft, windet sich. „Deathmental“ eröffnet den Abend: „Cede my hands to wash the knife / and thy lust wants my hash life / Hell won’t tolerate Hymns“.

Die Hölle toleriert keine Hymnen, und genau als das gesagt ist, beginnt in der defragmentierten digitalen Klanglandschaft etwas Hymnischen zu erklingen. Vielleicht, um der Hölle zu entkommen, vielleicht auch nur um die Hölle offenzulegen – und als diese offengelegt ist, setzt sich Anja Plaschg an den Flügel. „You know it rises and falls / it effaces every piece of light“, heißt es im „Cradle Song“.

Here my soul grows till it smashes / above the scene, the balcony

Neunzehn Stücke wird Soap&Skin an diesem Abend spielen. Elegien, Wiegenlieder, elektronische Dystopien, Symphonisches wie Defragmentiertes. „Marche Funébre“ wie „Vater“, ihre atemberaubende Version von „Voyage Voyage“ wie „Mr. Gaunt PT 1000“, „Cynthia“, „Thanatos“ und eben beinahe alle Stücke von „Narrow“ (einzig „Boat Turns Toward The Port“ ließ sie an diesem Abend weg). Zwei Male unterbricht sie kurz nach den ersten Tönen. „War das jetzt überhaupt richtig?“, fragt sie beim ersten in ihr Ensemble. Bei der zweiten Unterbrechung, man kann sie beinahe lächeln fühlen, ruft jemand aus dem Publikum: „Wir lieben dich trotzdem, Anja“.

Als sie nach „Born To Lose“ von Shirley Bassey von der Bühne geht, hallt der frenetische Applaus noch lange nach. Man musste danach nicht viel darüber sprechen, wie berührt man von diesem Konzert war. Man war so wenig überrascht darüber wie man es aussprechen musste: das war schon etwas Großes, etwas ganz Großes.

(Markus Brandstetter)

Foto (c) Marco Prenninger.

Hier das großartige "Wonder" zum Anhören:

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Eine Antwort auf Ein Abend mit Soap&Skin – Verstecken

  1. vali sagt:

    spitzenkonzert
    ich war auch dort, und es war wirklich spitze. echt berührend.

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