Kultur

(c) Lisa Rastl
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Echter Luxus ist Nichts kaufen

14. Jänner 2012 • Kultur

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Der niederländische Künstler Erik van Lieshout präsentiert mit „Erik makes happy“ seine kritische Auseinandersetzung mit der Konsumwelt, die auch die Frage aufwirft, inwieweit wir alle selbst in diesem Konsum vorkommen. Eine Ausstellung, die ohne rein moralischen Zeigefinger auskommt.

Im Zentrum der Ausstellung steht der Film Commission, eine Art Dokumentation über das 1968 geschaffene Einkaufszentrum Zuidplein im Süden Rotterdams. Einst Symbol einer utopischen Vision von Reichtum und urbaner Harmonie, ist Zuidplein heute etwa mit dem Wiener Gasometer oder der Lugner City vergleichbar: Billiggeschäfte reihen sich nebeneinander, zahlkräftiges Publikum bleibt eher rar, dafür ist es Schauplatz für Arbeitslose, Migranten und Pensionisten. Während am Südufer Rotterdams in repräsentative Bauten von Stararchitekten, etwa Rem Koolhas, investiert wird, bleibt Zuidplein politisch, finanziell und sozial vernachlässigt.

Die Utopie trifft auf die Realität, die Kapitalismus heißt.

So verwundert es nicht, dass die Filmarbeiten van Lieshouts von Seiten der privaten Betreiber von Zuidplein unerwünscht waren und er ständig Gefahr lief, aus dem Areal zu befördert zu werden. Um dem entgegenzuwirken, mietete van Lieshout eines der leerstehenden Geschäftslokale, das er mit wechselnden Kunstaktionen bespielte und so lange betrieb, bis sein Film fertiggestellt war.

Zuidplein Junkspace.

Außen wie im Inneren von „The Shop“ montierte der Künstler den Slogan „Echter Luxus ist nichts kaufen“ – eine Remineszenz an Rem Koolhaas´ Slogan im Prada Store von NY „Echten Luxus kann man nicht kaufen“ – uns weist das Geschäft als Ort aus, am dem es zwar viel zu sehen, aber nichts zu kaufen gibt. Angebotene Waren, wie kaputte Glühbirnen, verweisen kritisch auf das Konsumverhalten des Ortes. Doch in Zuidplein gibt es keinen Platz für künstlerische Überlegungen, wie diese. Zudem verstehen die Menschen van Lieshouts Ironie nicht, sie empfinden es vielmehr als zynisch, da sie ohnehin kein Geld besitzen, um etwas zu kaufen.

Konsumkritik der Marke Eric van Lieshout.

In der Bawag Contemporary nutzt van Lieshout die Wände der Ausstellungsräume als riesige Werbeflächen. Er bedient sich der plakativen visuellen und sprachlichen Codes der Werbung, die jedoch das Angepriesene gleichzeitig hinterfragen. Die einzelnen Versatzstücke sind in ein installatives Setting aus skulpturalen Elementen, Zeichnungen und Klebefolien eingebunden. Die Frage, die sich alle BesucherInnen stellen sollten, ist, welche Stellung man selbst in dieser unserer Konsumwelt einnimmt. Erik van Lieshout zeigt jedenfalls ein Abbild dessen, was wir uns selbst geschaffen haben – man muss sich nur an das vorweihnachtliche Treiben auf Wiens Einkaufsstraßen zurückerinnern.

(Barbara Pflanzner)

Erik van Lieshout – Erik makes happy
Bawag Contemporary
bis 29.1.2012
Eintritt frei.

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BAWAG Contemporary

Franz Josefs Kai 3
1010 Wien
http://www.bawag-foundation.at/

Öffnungszeiten: täglich 14:00 – 20:00 Uhr
\r\nFührungen: jeden Donnerstag, 18:00 Uhr

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