Kultur

Dylan, Bob. Song and dance man.

Dylans 70er: ein Nachtrag

26. Mai 2011 • Kultur, Musik3 Kommentare zu Dylans 70er: ein Nachtrag

Nachtrag zum Dylanismus der vergangen Tage und Wochen.

Das omnipräsente Thema der letzten Tage und Wochen in popkultureller Hinsicht war natürlich Bob Dylans siebzigster Geburtstag und die damit einhergehenden Konferenzen, Konzerte und lebhaften Diskussionen, wir haben ja einiges darüber geschrieben. Jetzt ist er also siebzig, der Große – am 26.5. findet noch einmal eine von Manfred Horak von kulturwoche.at organisierte und co-moderierte Diskussion zu Dylan statt, nachdem die von Literatur- und Kulturwissenschafter Eugen Banauch (hier im Gespräch mit stadtbekannt) organisierte Konferenz „Refractions of Bob Dylan – cultural appropriations of an American Icon“ letzte Woche über die Bühne ging.

Natürlich gab es da viel Diskussionspotential, auch Kontroversen in den Gesprächen und Veranstaltungen, in den Foren und Magazinen. Martin Blumenau (der ja auch Vortragender auf der Dylan-Konferenz war) hat, wie auch zu erwarten war, einige sehr interessante und gute Sachen zu dem Thema geschrieben.

(Über)Akademisierung und hey, wo ist die Metaebene?

Überakademisierung, hieß es von vielen Seiten. Das ständige Erwarten und Zurechnen einer Metaebene, das ständige Idealisieren von jedem noch so kleinen Huster. Dylanismus, ein super Hobby für Zielgruppe männlich und über 50, paraphrasiert habe ich auch diesen Satz des öfteren gehört und gelesen. Oder, dass Dylan eigentlich fad sei, ein popkultureller Anachronismus.

Oder, dass Dylan eigentlich immer so wirkt, als habe er keine Lust, auf der Bühne zu stehen. Dass er seine eigenen Songs zerlegt, weil er sie nicht mehr hören kann. Viele Einschätzungen – Einschätzungen die ich nicht teile, was aber völlig egal ist. Jetzt ist Dylan also Siebzig, der Geburtstag ist vorbei, die Feierlichkeiten gehen dem Ende zu und viele werden froh sein, dass das Thema bis zum nächsten runden Geburtstag vom Tisch ist. „Einen Tag später interessiert´s schon keinen mehr“, ätzen manche.

Meinungen.

Nun, Meinungen sind Meinungen und das ist gut so – ich als Dylan-Verehrer fand es wirklich spannend und bereichernd auch mal mit Leuten zu diskutieren und Meinungen von Leuten zu hören, die mit Dylan eigentlich nichts zu tun haben. Natürlich bin ich völlig konträrer Meinung, wenn mir jemand erzählt, dass Dylans einzige Relevanz Protestsongs mit schlechtem Mundharmonikaspiel seien oder, dass er nicht singen kann, aber jeder hat natürlich das Recht alles scheiße finden zu dürfen und das inkludiert auch den Song-and-Dance Man.

Wie ich Bobs Geburtstag feierte.

Auf der anderen Seite habe ich für meinen Teil Bobs Geburtstag auch für intensive Diskussionen mit Gleichgesinnten genutzt. Ich hatte auch das Vergnügen, gemeinsam mit Chris Zitta anlässlich des Dylan-Symposiums ein Konzert in der Bunkerei zu spielen und mit vielen Dylanianern aus aller Herren Länder zu diskutieren. Ein herzliches Dankeschön an den Organisator der Dylan-Konferenz, Eugen Banauch, an dieser Stelle. Es war für mich schön, mich auch schreibetechnisch ein wenig mit Dylan auseinander zu setzen.

Wer jedenfalls noch nicht genug von der Auseinandersetzung mit Dylan hat, dem sei heute die Veranstaltung „The Man in Me“ in der Arena Bar ab 20:00 Uhr (Margaretenstr. 117, 1050 Wien) empfohlen. All jenen, die genug haben, eine schöne Bobfreie Zeit – für die Dylanianer unter uns wird sich nicht viel ändern: es wird auch weiterhin auf Sessions gebobt und nächtelang zu diskutieren, wie grandios Blood on the Tracks ist, kann man auch ohne feierlichen Anlass.

Markus Brandstetter

Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

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3 Antworten auf Dylans 70er: ein Nachtrag – Verstecken

  1. Simone sagt:

    Wer entscheidet überhaupt
    ob jemand singen kann. Wer meint das bestimmen zu können, predigt doch nur elitaristischen Scheiß oder dürfen Musik nur Absolventen eienr mehrjährigen Gesangsausbildung machen?

  2. Calimero sagt:

    War auch auf der Konferenz
    und habe sie extrem spannend gut aufbereitet und insgesamt gut zusammengestellt gefunden. Mein Kompliment an den Veranstalter.

  3. brandstetter sagt:

    @simone
    gebe dir völlig recht. gerade bei stimmen ist das dermaßen subjektiv.

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