Kultur – Musik

Chris Cunningham

Donaufestival: Chris Cunningham als Höhepunkt

8. Mai 2012 • Musik

Es gilt ohne Zweifel als das österreichische Aushängeschild der Gegenkultur. Das, mittlerweile seit einem Vierteljahrhundert stattfindende Donaufestival, widmet sich Jahr für Jahr mit viel Programmatik und gut durchdachtem theoretischen Fundament den avantgardistischen Formen der Kunst, Musik, Theater, Literatur und Performance.

Kultur der Unkultur

Drohte man in den letzten Jahren, mit großen Namen wie James Blake oder Deichkind und der kommerziellen Durchdringung bis hin zu Merchandiseartikeln, sein Underground-Image etwas zu verlieren, so drehte sich im Jahr der Spar- und Umkehrphilosophie alles um die Wiederherstellung des Naturzustandes. War es doch die Kultur, die den Menschen unsanft aus dem Urzustand riss, so sollte die Wiederherstellung desselben – die Vertreibung ins Paradies – durch eine Kultur der Unkultur gelingen.

Werft nichts mehr weg, John Bock kann es brauchen

Mit Material- und Aktionskünstler John Bock (noch zu sehen bis 24. Juni in der Kunsthalle Krems) konnte man einen Künstler für das Festival gewinnen, der in seinen Arbeiten kulturelle Errungenschaften und Erzeugnisse konsequent ihrer Funktion entreißt und, oftmals performativ und theatralisch, in einen Zustand der Unkultur überführt. Seine skurrilen Materialskulpturen stellen Form und Funktion von Gebrauchsgegenständen in Frage und scheinen einem irgendwie sagen zu wollen: „Werft nichts mehr weg, John Bock kann es brauchen.“

Feminismus, Techno und Performance

Musikalisch hatte das Donaufestival neben einem feministischen Schwerpunkt mit Acts wie Cocorosie, Lesbians on Ecstasy, oder der Performance-Gruppe Dolce after Ghana, einiges an elektronischer Unterhaltung zu bieten. Zum Höhepunkt des Festivals avancierte die Show von Videoästeth Chris Cunningham. In einem multimedialen DJ-Set, bestehend aus Lasershow, Videoeinspielung und waghalsigen Technokompositionen, schuf Cunningham ein Gesamtkunstwerk. Der britische Videoregisseur drehte in der Vergangenheit bahnbrechende Musikvideos für Björk, Squarepusher oder Aphex Twin.

Cunninghams wegweisende Videokunst

Während „Come to daddy“ für Aphex Twin ins kollektive Gruselgedächtnis einging, war sein Video zu Björks „All is full of Love“ von 1999 bahnbrechend und an der Schwelle ins neue Jahrtausend in vielerlei Hinsicht wegweisend für Design und Special Effects. Nicht umsonst kann die Arbeit heute im New Yorker MOMA bewundert werden. Über zehn Jahre später, wirkt das Werk noch derart aktuell, technisch perfekt und ästethisch, dass es gestern entstanden sein könnte.

Foto: (c)Chris Cunningham

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