Wien – Leben

Radfahrer Mariahilfer Straße (c) stadtbekannt.at
Radfahrer Mariahilfer Straße (c) stadtbekannt.at

Die neue Mariahilfer Straße

12. Februar 2014 • Leben

Des einen Freud, des anderen Leid: Nichts ist so umstritten und vieldiskutiert wie die neue Mariahilfer Straße. Besonders Geschäftsbetreiber empfinden die verkehrsberuhigte Zone als Fluch.

Das Ding mit den Wienern

Man kann ja sagen was man will, aber es dem Wiener recht zu machen, das war schon immer schwierig. Damals sorgte "Kärnter Straße verkrehrsfrei" für Aufruhr und hitzige Diskussionen, heute tut dies die Mahü. Kann man sich heutzutage jedoch Wiens Vorzeige-Flaniermeile im 1. Bezirk anders vorstellen? Eben, kann man nicht. Erneuerungen steht der Wiener immer etwas skeptisch gegenüber um dann, etwas später, festzustellen, dass das doch eh nicht so schlecht ist, dass das Ganze eh‘ irgendwie was kann. So ganz unrecht hat der Wiener dann aber vielleicht doch nicht, wenn er grübelt und grantelt.

Weg mit dem Verkehr aus der Mahü. Nur wohin?

Wenn nachmittags um halb fünf am Gürtel alles steht und Pendler dabei wirklich keinen Spaß mehr haben, dann hat das einen Grund: weniger Autos auf der Mariahilfer Straße, mehr Autos am Gürtel und in den umliegeneden Seitenstraßen. Der Verkehr in der Mahü ist also verschwunden. Nur leider genau dorthin, wo ihn jetzt erst recht keiner braucht. Großes Thema. Zurecht. Während nun Zieglergasse und Kaiserstraße im Verkehrschaos ersticken, lässt es sich auf der Mahü schön shoppen. Und dann kommt auch noch der etwas fehlkoordinierte 13A hinzu. Dass sich dabei grünen Verkehrsstadträtin und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou keine großen Gedanken gemacht hat, haben wir nun ja weiss-rot-grau (der Bus) auf rot (des Busses Weg). Vorschläge, Lösungen und Änderungen sind bei Vassilakou aber sicher gut aufgehoben und werden bestimmt noch mehr in die Tat umgesetzt, als es schon passiert ist.

Geschäftsbetreiber bangen um ihre Existenz? Müssen sie nicht.

Naturgemäß kommt auch der gramgebeugte Geschäftsinhaber zu Wort. Dass man Möbel und sperrige Dinge wie Elektronikartikel ob der fehlenden Parkplätze und Zufahrtsmöglichkeiten, nicht unbedingt im 13A oder mit der U3 nach Hause führen könne, sei ein Greul und lässt das Geschäft und vorallem den Verkäufer arm aussehen. Dafür gibt es aber eine ganz einfache Lösung: kleinere Dinge öffentlich transportieren (wie eh immer schon) und sperrige Güter zustellen lassen oder mit einem Auto direkt vom Lager abholen (auch wie eh immer schon). Problem ist also ohne jemals ernst geworden zu sein auch schon wieder im Keim erstickt und somit gelöst. Außerdem sagen Experten, dass Umsätze in Fußgängerzonen im Allgemeinen um mehr als 20 Prozent ansteigen. Um seine Existenz zu bangen hat also durch eine autofreie Zone nun wirklich niemand.

Stadtbekannt meint

Eine neue MaHü ist schon etwas gutes. Die Stadt wird vom Verkehr befreit, es wird grüner, gemütlicher und das Einkaufen macht einfach mehr Spaß, wenn man dabei nicht im Verehrschaos untergehen muss. Das Wichtigste sei jedoch: Die neue MaHü zudem zu machen, was sie heute ist, hat schon genug Geld gekostet. Ist es dann nicht weitaus geschickter, Geld dafür auszugeben, die verkehrsbefreite Zone noch schöner zu gestalten, als es für ein Rückgängigmachen hinzulegen? Wir finden schon und sagen auch Ja zur neuen MaHü. Und das Übel mit dem Verkehr in den Seitengassen wird auch gelöst, das braucht halt noch etwas Zeit.

Rainer-Georg Voggenberger

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