Kultur – Musik

Harlequin's Glance

Die neue Live-DVD von Harlequin’s Glance

24. April 2011 • Musik

Mit „Howling At The Moon“ haben Harlequin’s Glance, einer der tollsten Wiener Bands im an tollen Acts nicht armen Folk’n’Roll Biotop, ihre erste Live-DVD veröffentlicht. Aufgenommen im Klub OST zeigt die DVD ein imposantes Konzert anlässlich der Releaseparty ihrer aktuellen CD „Turn“ – eine Band- wie auch DVD-Empfehlung.

Howling at the moon

Ich hab ihnen schon oft live zugehört, wie sie den Mond angeheult haben in diversen Clubs, dem großartigen Quintett rund um Sänger- und Songschreiber Gernot Feldner. Gemeinsam mit Alexander Gantz an der E-Gitarre (unter anderem auch in Martin Kollers Band tätig), Daniel Klemmer am Schlagzeug und allerlei Perkussion-Instrumenten sowie den hyperumtriebigen Stephan „Stoney“ Steiner (Nyckelharpa und Geige, unter anderem Hotel Palindrome) sowie Martin „Tino“ Mixan am Kontrabass (u.a. Pallawatsch, Laura & The Comrats und Skyside) bildet Feldner das Kollektiv Harlequin’s Glance – ein Bandname, der Feldner laut der wunderbaren Bandbiographie (hier nachlesen und gutfinden) von einer bärtigen Lichtgestalt mit einem Eimer Opposumgift in der Hand und einem T-Shirt mit dem Slogan „Mehr Mut zur Zumutung“ befohlen wurde.

Den Mond angeheult mit treibendem Folk, rumpelnden Polkas, poetischen und rauen Geschichten – balladesk, wild, zart, verschroben, eigensinnig. Und immer energetisch, wenn am Gas dann so richtig, wenn mal drunten dann beinahe herzzerreißend, so wie bei Morning Light. Manchmal stur den Schmerz umgesungen, wie bei „Time Of Grief“ („I think I’m gonna use it, to improve my juggling with Pain“, singt Feldner in dem Song“). Oder ganz reduziert, mit wunderschön filigranen Streicherarrangements („Up To Me“, einer der Höhepunkte des letzten Albums). Rumpelnd, treibend, widerspenstig, eigen, Rock’n’Roll.

Der Abend im OST

Der Abend im OST, an dem die DVD aufgenommen wurde, war wahrscheinlich eines der besten Konzerte, die ich von ihnen gesehen habe. Mit einem Aufgebot von diversen befreundeten Musikern beging man die Feierlichkeiten, und das mit jeder hochenergetisch und dynamisch. Eine Setlist, die keinerlei Wünsche offen gelassen hat, und wenige Leute, die an jenem Abend nicht mit einem Grinsen im Gesicht der Band zugeprostet hätten. Sing another song boys, würde der alte Cohen sagen.

Die Bandmythologie

Am besten beschreibt es allerdings Alex Trevor Gantz in der ausführlichen Bandmythologie (welcher der Legende all seine weltlichen Güter zurückließ und in einem Planwagen nach Wien kam um sich dem Wandertross rund um Banddompteur und Hutträger Gernot Feldner anzuschließen:

Entourage einer Wandermenagerie mit Tierdresseuren, Magiern und lasziven, in die Jahre gekommenen Revuegirls, angefeuert von neureichen Exzentrikern, irischen Trinkern und bettelarmen ostjüdischen Einwanderern auf der Suche nach einem kleinen Stück Heimat. Zwischen den Schaubuden des Jahrmarktes, in dessen Getümmel ihre stürmischen Polkas die tot geglaubten Tanzbeine zahnloser alter Narren beflügeln und ihre betörenden Schmonzetten ein Lächeln auf die Lippen der Herzdame zaubern. Über die Straße in dem kleinen Halbwelt-Varieté, immer zwischen Molly’s frivoler Federboanummer und Igor dem opiumsüchtigen Schwertschlucker. Du wirfst die Münze, Zahl oder Krone, verzerrte Groteske, süßer Schmerz; wirre Komik, abgrundtiefe Verzweiflung; wütende Lebenslust, den Atem raubende Einsamkeit; grelle Flamboyanz, dunkle Leidenschaft; das Bad in Champagner, der Sprung aus dem Fenster…..”

Fazit und Empfehlung

„Howling at the Moon“ zeigt die Essenz von Harlequin’s Glance: den Live-Kontext. Sowohl für all jene, die die Band noch nie live gesehen haben ein großartiger Einstieg wie auch für alle Afficionados von Feldner, Gantz & Co ein Muss. Zu bestellen auf der Homepage der Band – und live demnächst sicher wieder im Club Ihres Vertrauens.

Hier der Teaser:

Meine Damen, meine Herren, um es mit Tom Waits zu sagen: Tango till they’re sore!

Markus Brandstetter

Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

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