Kultur – Musik

Vienna Songwriting Association

Die Vienna Songwriting Association im Gespräch

28. Oktober 2011 • Musik3 Kommentare zu Die Vienna Songwriting Association im Gespräch

Seit 2004 versorgt uns die Vienna Songwriting Association, kurz VSA, mit einer weiten (internationalen wie nationalen) Bandbreite an musikalisch hochwertigen Konzerten rund ums „Singer/Songwriter“-Biotop.

Am Aufschwung der heimischen Singer/Songwriter- und generell Musikszene hatte der Verein um Klaus Totzler (auch als Kultur-Redakteur beim ORF bekannt) und Jenny Blochberger (siehe auch: FM4) einen gehörigen Anteil – die Förderung der heimischen Szene ist ein essentieller Bestandtteil der VSA-Philosophie. Auch heuer wird wieder feines geboten: so findet zwischen dem 24. und 26. November im Porgy & Bess das Blue Bird-Festival statt, bei dem ein extrem vielseitiges, internationales Line Up (unter anderem mit den übergrandiosen Flotation Toy Warning) geboten wird. Viele Gründe also, Klaus Totzler und Jenny Blochberger zum Gespräch und Frühstückskaffee ins Funkhaus KulturCafe zu bitten.

Jenny Blochberger und Klaus Totzler (VSA) im Gespräch mit Markus Brandstetter.

Erzählt ein wenig von der Gründung der VSA.

Jenny Blochberger: Entstanden ist die VSA 2004. Wir hatten eigentlich gar nicht vor, etwas zu gründen, sondern eine Veranstaltung zum 30. Todestag von Nick Drake machen. Zwei Freunde von uns, die selbst Musiker sind, meinten, dass es doch nett wäre, ein paar Leute zusammenzutrommeln und einen Coverabend zu machen, im kleinen Rahmen. Offensichtlich haben sich viel mehr Leute dafür interessiert, als wir uns das gedacht haben – und so hat sich das von einem kleinen Abend zu einem größeren Rahmen im Porgy & Bess ausgewachsen. Viele Musiker, bekanntere und unbekanntere, haben an dem Abend gespielt, wir waren ausverkauft. Es war ein Benefizabend, wir hatten eine super Stimmung und haben uns danach gedacht, dass es schade wäre, das einschlafen zu lassen – nachdem es einfach viele Menschen gibt, die sich dafür interessieren, sowohl Musiker als auch Zuhörer. Und so haben wir eben beschlossen, einen Verein zu machen, um ähnliche Dinge weiterzumachen.

Wie ist es dann weitergegangen?

Klaus Totzler: Wir haben dann einen weiteren Abend im Porgy und Bess quasi aus dem Boden gestampft, der eigentlich für das Fluc ausgemacht gewesen wäre. Das Fluc ist ein paar Tage zuvor zugesperrt worden wegen irgendwelchen Behördenauflagen. Wir hatten einen Musiker, Don Piper, der extra aus New York gekommen war, und haben dann kurzfristig im Porgy angerufen, die uns binnen ein paar Tagen quasi eine Late Night-Show aus dem Boden gestampft haben, ohne Vorwerbung. Es hat trotzdem funktioniert, war passabel besucht. Dann ist es ein wenig in der Luft geschwebt, wie es weitergeht – irgendwann ist dann Rainer Krispel auf mich zugekommen, der damals gerade damit aufgehört hat, für das Chelsea zu buchen. Der meinte, er würde jetzt Promotion fürs Gasthaus Vorstadt machen, und hat uns gefragt ob wir uns vorstellen können, eine Serie zu machen. Wir haben dann dort einmal im Monat mit den „VSA presents“ eine Abendveranstaltung gemacht, mit eigentlich immer zwei, manchmal auch drei Artists. Der Schwerpunkt war immer ein wenig auf Österreich, wenn auch nicht ausschließlich. Einige österreichische Artists haben uns attestiert, dass wir von Anfang an dabei waren – ich glaube dass wir essentiell an der Karriere von Artists wie Paper Bird und Marilies Jagsch mitgearbeitet haben. Clara Luzia hat ihren ersten Soloauftritt unter ihrem eigenen Namen bei uns gehabt, Paper Bird überhaupt den ersten Auftritt ihres Lebens, bei Marilies Jagsch war das ähnlich. Wir hatten auch immer wieder internationale Musiker.

Blochberger: Das war auch von Anfang an ein wenig unser Konzept, dass man internationale mit österreichischen Musikern zusammenspannt. Es war alles learning by doing, aber wir sind relativ schnell draufgekommen, dass es durchaus Sinn macht, einen bekannteren, international Act mit einem österreichischen, vielleicht weniger bekannten Act zusammen zu tun – das bringt eben beiden Seiten etwas. Also einen Act, der zieht – und einen der mitgezogen wird.


Klaus Totzler

2004 habt ihr die VSA gegründet, das war ja auch die Zeit des Singer/Songwriter-Aufschwungs in Österreich, oder?

Blochberger: Ja, absolut. Die zwei Leute, die bei uns im Team waren, waren ja auch Singer/Songwriter. Daniel Adam Smith, der nach wie vor Musik macht, und Eva Woska, die damals auch viel gemacht haben.

Totzler: Wir haben es genau richtig erwischt. Zufall wäre vielleicht das falsche Wort, es war eher eine Gefühlssache. Die Geschichte mit der Vorstadt hat im März 2005 begonnen, und bis Ende 2009 funktioniert. Es haben sich parallel andere Dinge entwickelt, der Pächter der Vorstadt war dann irgendwann nicht mehr an Kulturarbeit wirklich interessiert und hat sich einen Aufschwung des Lokals erwartet, was nicht ganz so gut funktioniert hat. Dadurch hat die Zusammenarbeit gegen Ende auch einige Makel gehabt – und wir haben dann eben beschlossen, das ganze wo anders zu machen. Und parallel dazu haben sich eben die anderen Schienen entwickelt – ein Jahr danach ist der Event-Manager vom Haus der Musik auf mich zugekommen und meinte, ob ich bei ihm nicht so eine Schiene aufziehen will. Das war Anfangs nicht ganz so unsere Ästhetik, wir hatten eher so den Indie- und Beisl-Style, aber es hatte den großen Vorteil – abgesehen, dass er es sehr geschätzt hat, was mir machen – dass dort auch Geld im Spiel war. Wir konnten somit den Musikern etwas mehr Geld anbieten. Das ganze machen wir jetzt ein, zwei Mal im Monat unter dem Namen „VSA Special“.

Jetzt steht ja das Blue Bird Festival an.

Totzler: Im Prinzip ist das Bluebird-Festival die Fortsetzung vom Nick Drake-Abend, wir haben das 2005 das erste Mal gemacht und seit dem findet es jedes Jahr im November statt.

Blochberger: Rund um den 25.November soll das jedes Jahr stattfinden, eben um den Todestag von Nick Drake. Mit Drake hat das Programm nichts mehr zu tun, aber es ist eine Tradition geworden.

Erzählt ein wenig über das Programm dieses Jahr – es ist ja wirklich ein großartiges Line Up geworden.

Totzler: Das Programm ist zu 90 Prozent auf meinen Mist gewachsen, aber es wächst schön langsam vor sich hin. Ich habe ein paar Eckdaten, was ich will – und dann muss ich mich nach diversen Dingen richten. Wenn ich zu schnell Sachen buchen würde, die mir gefallen – und mir wird mittlerweile eine Menge angeboten – dann wären wir schlecht besucht. Das heißt, die Kombination ist auch hier eine internationale/nationale, wie wir das vorher schon besprochen haben. Wir hatten aber auch österreichische Headliner, Clara Luzia zum Beispiel, oder Gustav. Die Headliner kriegt man relativ spät, wenn man sie leistbar haben will – und mit Förderungen ist das so eine Sache. Klar kriegt man den und den, wenn man 10.000,- Euro auf den Tisch legen will, aber die habe ich eben nicht. Da muss ich eben taktieren. Ich glaube jedenfalls, dass die Mischung wieder gut gelungen ist – ich würde sagen, dass drei Viertel des Line Ups Kult oder unbekannte Artists sind und einige Acts, von denen man weiß, dass sie aufgehen.


Jenny Blochberger – Foto (c) Christian Stipkovits

Ich nehme an, ihr bekommt viele Demos zugeschickt.

Totzler: Dazu muss ich vorher sagen, dass wir den „VSA presents“-Abend nicht mehr machen. Das hat wegen Förderungen nicht mehr geklappt, und hätte zuviel Geld gekostet. Wir haben aber parallel dazu andere Dinge entstehen lassen, die das ideologisch und österreich-bezogen ersetzt haben. Wir haben das vierte Jahr eine Open-Stage Sache, einen Nachwuchsbewerb namens „Michaela singt“, natürlich nach dem Element Of Crime-Song. Das andere, das quasi daraus entstanden ist – wir haben vor einigen Jahren Joe Hartmann mit seinem Kurzzeitprojekt Cloud 9 bei uns gehabt, und der hat ein Beisl in Wien, das Jetzt. Der wollte dem Beisl eine Facette hinzufügen, mit der er bei uns offene Türen eingerannt ist: er wollte einmal im Monat einen Abend mit unbekannten österreichischen Bands machen, und wir sollten das Programm aussuchen. Die Bands werden fair bezahlt und haben eine Auftrittsmöglichkeit. Das funktioniert extrem gut, und damit haben wir auch das Selbstverständnis, etwas für die österreichische Szene zu tun, ein wenig zurückerobert – eine Maxime, die wir uns auch stellen. Der Abend heißt übrigens, wieder als Anspielung, „The Song Remains The Same“.

Blochberger: Dadurch, dass wir diese eine Schiene nicht mehr haben, fehlt uns ein wenig das Auffangbecken für mittel-bekannte Bands. Für ganz unbekannte gibt’s ja unsere Open Stage. Die ganz großen, wie Mika Vember, kann man zum Blue Bird einladen, die Mitte ist etwas schwierig.

Es gibt ja seit Jahren einen Aufschwung in der österreichischen Szene.

Blochberger: Ja, und das hat vielleicht auch mit den neuen Produktionswegen zu tun. Es ist leichter, Musik selber zu machen und rauszubringen, auch wenn es nur im Internet ist.

Totzler: Ich glaube, es ist auch ein wichtiger Punkt, dass sich die Industrie auf eine Art und Weise geändert hat, dass zwar die Großen medienwirksam laut gezittert haben, aber etwas gutes passiert ist: die Kleinen konnten wieder besser leben. Clara hat zu der Zeit ein eigenes Label gegründet. Die meisten dieser Artists gehen über Mini-Labels: Siluh, Fettkakao… unheimlich viele interessante. Es ist alles zugleich gekommen: die Großen haben sich selbst abgeschafft, die Kleinen haben Sachen vollbracht, auf die man stolz sein konnte, und die Journalisten fanden das symphatisch und gut. Dieser Zeitgeist, im positiven Sinn, wurde wahrgenommen und ein paar Journalisten von den etwas substantielleren Sorte hatten eh immer schon eine Affinität zu anspruchsvollen Songwritern.

Blochberger: Es gab eine Re-Definition vom Wort „Singer/Songwriter“. Klar gibt’s Leute, die an alten Strukturen hängen, manche meinen auch, uns Austropop schicken zu müssen und sind dann beleidigt, wenn man sagt „es ist eh schön, für das, was es ist – passt aber in der Form nicht mehr in die heutige Zeit“. Wir sind da im Jetzt verhaftet.

Danke für das Gespräch. Für genaue Daten sei ein Besuch auf der VSA-Homepage empfohlen. Über das Blue Bird Festival wird stadtbekannt  demnächst detailliert berichten.

Markus Brandstetter

Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

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3 Antworten auf Die Vienna Songwriting Association im Gespräch – Verstecken

  1. k'dix sagt:

    nice
    Schönes interview. Die VSA macht echt tolle konzerte.

  2. mariaohnenachnamen sagt:

    clara, mika & co
    jup, da geht schon einiges ab in Vienna. beim blue bird is das feine, dass es wirklich – im Vergleich zu vielen anderen Festen wie dem Popfest – was anderes gibt als die immer gleiche Indieprominenz. Popfest, Summerstage – da is meistens wirklich alles gleich

  3. fritz sagt:

    flotation
    flotation oida da muss ich hinne

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