Kultur

Schnitte © Caterina Krüger

Die Soho Werkzeugsammlung Teil I

17. April 2011 • Kultur

Werkzeug-Gespräch 1:

Warten auf Tesco. Kultur und Stadtentwicklung in der postindustriellen Vorstadt

Vor kurzem war Soho in Ottakring im Project Space zu Gast. Ein Abend voller Überraschungen und Erzählungen aus dem ab und an auch mühsamen Geschäft der Kunst- und Kulturarbeit im Spannungsfeld der Stadtentwicklung. So wie über den Anfang einer Werkzeugsammlung für Kunstprojekte im Kontext von Stadtplanung und Aufwertungsprozessen.

Bettina Leidl von KÖR (Kunst im öffentlichem Raum) bezeichnet in ihrem Eingangsstatement Ottakring als Chiffre für Orte an denen Kunst stattfindet und spricht über den „Mehrwert“ von Kunst für die Stadt. Damit reiht sie sich in die Reden der Stadtplanung ein, für welche Kunst oft als Allheilmittel dienlich ist. Egal ob es um leerstehende Geschäftslokale oder neu zu planende Stadtteile geht.
Im Rahmen der Veranstaltung wurde das Kunstprojekt von Monika Vykoukal „Black Country Creative Advantage“ vorgestellt und diskutiert. Dieses wurde in der postindustriellen Vorstadt von West Bromwich in Birmingham im Rahmen eines Forschungsprojekts durchgeführt. Das Thema des Projekts war der geplante Bau eines Tesco- Supermarktes und der damit verknüpften Veränderung des Stadtteils. Vor dem Hintergrund der postindustriellen Kleinstadt mit hoher Arbeitslosigkeit und wenig Perspektive auf bessere Aussichten.
Die Künstlerin näherte sich der Problematik mit einem forschenden und hinerfragenden Blick. Monika Vykoukal bezog zu diesem Zweck für ein halbes Jahr einen Marktstand in einer Einkaufsgalerie vor Ort, mit dem Ziel gemeinsam mit den BewohnerInnen einen kritischen Blick auf die Entwicklungen rund um den Bau des geplanten Supermarkts zu werfen.

Dabei ging es um Fragen wie: Wie laufen die Entscheidungsprozesse bei dem Planungsprozess ab? Welche Informationen kommen den BewohnerInnen solcher Planungsvorhaben zu? Wie würden zum Beispiel Kinder und Jugendliche einen neune Stadtteil planen?

Eine Werkzeugsammlung

Diskutiert wurde auch eine mögliche Theorie der Praxis im Spannungsfeld von Kunst- und Stadtentwicklung sowie Öffentlichkeit, als auch Strategien aus der Erfahrung der Kulturarbeit und Forschung in diesem Bereich.
Welche Werkzeuge stehen Kunstprojekten die in diesem Kontext arbeiten zur Verfügung und wie wird mit gesellschaftlichen Phänomenen wie Aufwertungsprozessen und gesellschaftlichen Veränderungen, die durch den Wandel der Arbeitswelt stattfinden, umgegangen?

Mit dem ersten Werkzeug-Gespräch wurden die ersten Tools von KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen, die in diesem Spannungsfeld arbeiten, gesammelt. Denn KuraturInnen, KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen haben je nach der Ausgangssituation unterschiedliche Herangehensweisen. Je nachdem ob ein Kunstprojekt seine Zelte in einem geplanten Stadtentwicklungsgebiet, in einem städtischen „Problemgebiet“, oder in Suburbia aufschlägt. Es gibt auch sehr unterschiedliche Positionen, wenn es um die Frage geht, wie man mit der möglichen Vereinnahmung durch die Stadtplanung oder anderen Interessengruppen umgeht. In städtischen „Problemgebieten“ oder geplanten Stadtentwicklungsgebieten wird Kunst von der Seite der Stadtverwaltung und Wirtschaft oft als rettender Anker oder günstige Lösung der Probleme betrachtet. Das erste Werkzeuggespräch von Soho in Ottakring, hat uns dazu verleitet sich über die Situation in West Bromwich in Vergleich zu Wien Gedanken zu machen und darüber nach zu denken welche Tools den AkteurInnen zur Verfügung stehen.

Das Projekt Country Creative Advantage

Dieses Projekt entzieht sich herkömmlichen Verwertungslogiken, da es kein explizites Ziel verfolgt hat, sondern es eher darum ging die Planungsprozesse in der Stadt gemeinsam mit anderen KünstlerInnen und BewohnerInnen kritisch zu analysieren und zu hinterfragen. Dabei wurden im halb/öffentlichen Raum diese für die BürgerInnen oft undurchsichtigen Planungsprozesse sichtbar gemacht und KünstlerInnen eingeladen ihre Projekte zu dem Thema zu realisieren.
Nachdem es kein Produkt des Projekts gab aus dem Tesco oder die Stadtplanung einen Mehrwert hätte ziehen können, wurde das Projekt davor bewahrt sich durch diese Institutionen vereinnahmen zu lassen.

Tool I: Entziehen aus der Verwertungslogik durch den forschenden Blick mittels kuratorischer Forschungsarbeit.

Eine mögliche Werkzeugsammlung für – Kunst und Stadtentwicklung in Wien

Betrachtet man die Situation in Wien am Beispiel von zwei Projekten zeigt sich, dass KünstlerInnen mit dieser Herausforderung je unterschiedlich umgehen.

Soho in Ottakring

Das Kunstprojekt Soho in Ottakring ist in Wien stadtbekannt und hat sich in den letzten 11 Jahren kontinuierlich mit Kunst im öffentlichen Raum mittels verschiedener Arbeitsschwerpunkte beschäftigt. Soho hat in seinem Werkzeugkasten verschiedene Tools mit denen es arbeitet. Zum einen hat es immer gesellschaftspolitische Themen in den medialen und öffentlichen Raum gebracht. Wie letztes Jahr mit „Kick the Habit“, bei demRassismus und die Angst vor „Fremden“ große Themen waren. Mit ihrer Arbeit haben sie bisher immer Diskurse angeregt und verhärtete Bilder und Vorurteile damit aufgebrochen. Soho in Ottakring hat außerdem immer darauf geachtet, so viele Institutionen und Gruppen wie möglich in ihre Projekte mit ein zu beziehen. Mehr über Soho in Ottakring 2011 findet ihr hier, stadtbekannt berichtete.

Tool II: Kooperation und Diskurs im öffentlichen und medialem Raum.

Silo Markt Galerie

Das Kunstprojekt Silo Markt Galerie entstand voriges Jahr im Sommer. Zwei angerierte KünstlerInnen Yvonne Kaufmann und Kristina Kölblinger bespielten einen Sommer lang den Vorgartenmarkt und luden Street Art Künstler, ein Theaterprojekt und die BewohnerInnen dazu ein, den Markt wieder zu beleben und ihn ein Stück weit mehr zu „ihrem Markt“ zu machen. Im Zuge eines Projekts wurden beispielsweise Street Art Künstler eingeladen, die in Absprache mit den MarktstandbetreiberInnen, die Marktstände umzugestalten. Das Projekt war ursprünglich nur für ein paar Monate geplant, doch es wurde von den Leuten am Markt und der BewohnerInnenschaft so gut aufgenommen, dass die Silo Markt Galerie ihre Arbeit fortsetzt. Nähere Infos zum aktuellen Programm findet ihr hier.

Tool III: Kooperation und Empowerdment als Strategie.

Begrüßung: Bettina Leidl, Gf KÖR Wien
Special Guest: Monika Vykoukal, Kuratorin
Kommentar: Angelika Fitz, Kulturtheoretikerin, Kuratorin
Moderation: Wolfgang Schneider, Künstler

signatur_cornelia.jpg Cornelia Dlabaja

Verloren in der Stadt: Auf Entdeckungsreise im Asphaltdschungel

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