Kultur

Festival der Tiere

Die Sammlung Essl zelebriert ein „Festival der Tiere“.

8. März 2011 • Kultur

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Kunst aus der Perspektive eines Erwachsenen für Kinder aufzubereiten ist nicht immer leicht. Die meisten Museen bieten zwar im Rahmen der Kunstvermittlung kindergerechte Führungen an, wirklich auf Kinder eingegangen werden kann dort aber natürlich nicht – die Ausstellungen richten sich an ein Erwachsenenpublikum.

Die Sammlung Essl unternimmt nun erstmal den Versuch, eine reine Kinderausstellung zu präsentieren. Eine Ausstellung für Kinder und unter anderem auch von Kindern gestaltet. Hierfür lud das Kuratorenteam des Essls eine Volksschulklasse als Gastkuratoren ein, das tierische Panoptikum mitzugestalten. Das Ergebnis verwundert und begeistert nicht nur die kleinen, sondern auch die großen Besucher.

Kunst erfahrbar machen

Was unterscheidet nun das „Festival der Tiere“ mit seinem Anspruch eine Kinderausstellung zu sein von anderen Ausstellungen? Der eklatanteste Unterschied ist der der Hängung: Statt die Bilder in gewohnt-überhöhter Position anzubringen – sodass man stets ein wenig zur Kunst aufschauen muss – werden die Kunstwerke hier in kindergerechter Höhe angebracht. Das erleichtert aber nicht nur den Kleinen das Schauen, sondern auch Erwachsene werden überrascht sein, wie sehr die Höhe der Anbringung die Sehgewohnheiten steuert. Generell wird in dieser Schau der Erlebnischarakter von Kunstbetrachtung hervorgeboben, eine interaktive Herangehensweise forciert: So kann man besonders „gefährliche“ Tiere von einer Art Aussichtsplattform mit Feldstechern betrachten oder man wandert durch schmale Gänge bis „nach Australien“ um dort die Kunst der Aborigines zu dechiffrieren. Ein anderer Themenraum nennt sich „Augenweide“, eine Art umgekehrte Tierkoppel komplett mit (Kunst-) Rasen und Weidezaun von der aus Franz Kammerlanders Art Brut-Kühe bestaunt werden können.

Am beeindruckendsten ist jedoch der „Black Cube“ gleich zu Beginn der Ausstellung, ein vollkommen abgedunkelter Würfel, in dem unheimliche und gruselige Tierbilder hängen. Beleuchtet wird das Ganze nur durch Taschenlampen die ausgegeben werden, mit denen die Bilder erkundet werden können. Es ist erstaunlich, wie viel Spaß diese Art der Betrachtung machen kann, wenn man der passiven und bluternsten Betrachterposition, die einem in einem normalen Museum aufoktroyiert wird, entrückt wird, und Kunst auf eigene Faust erkunden kann.

Textproduktion aus Kinderhand

Innovativ ist auch das kuratorische Konzept: Neben dem hauseigenen Kuratorenteam durften beim „Festival der Tiere“ Kinder und Erwachsene mitkuratieren, am Katalog mitschreiben, Wandtexte verfassen und Künstler in ihren Ateliers besuchen. Insgesamt durften vier verscheide Gruppen zwei Räume der Ausstellung eigenständig gestalten, welche jetzt im Abstand von drei Wochen umgehängt werden. Eingebunden in die Vorarbeiten waren eine Klasse der Wiener Volksschule Petrusgasse, eine Klasse des Ella-Lingens-Gymnasiums, eine Gruppe von Frauen aus dem Haus Miriam der Caritas sowie Facebook-Freunde des Museums. Was nun nach Wagnis klingt, hat sich allemal rentiert: Die Texte der ersten Gruppe, der Integrationsvolksschule, sind witzig, frisch und in eine originelle Geschichte eingebunden. Man darf gespannt sein, wie die anderen Gruppen das noch toppen wollen!

Wo
: Sammlung Essl
An der Donau-Au 1
3400 Klosterneuburg bei Wien

Dauer: 07.03. – 21.08.2011

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Sammlung Essl

An der Donau-Au 1
3400 Klosterneuburg an der Wien
(0) 2243-370 50 150
www.sammlung-essl.at

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