Kultur

MARGHERITA SPILUTTINI, from the series MONO, 1981 Courtesy Christine König Galerie, Vienna

Die Poesie der komponierten Bildästhetik

7. Februar 2012 • Kultur

Rigid ins Bild gesetzten Kubaturen, klassisch komponiert, menschenleer. So kennt man die Ästhetik der Arbeiten der Fotografin Margherita Spiluttini. Aktuell zeigt die Galerie Christine König nicht nur ihre Architekturfotografie, auch eindrückliche Aufnahmen persönlicher Lebensmomente finden in der Ausstellun Platz, die der Fotografin Spiluttini endgültig den Status einer Künstlerin zuerkennen.

Die Bauten ihres ehemaligen Ehemannes, dem Architekten Adolf Krischanitz, gaben vor mehr als 25 Jahren den Impuls zur fotografischen Beschäftigung mit Architektur. Ihre Aufnahmen von unzähliger Gebäuden wurden zu Synonymen für Kompositionsstrenge und technischer Perfektion. Stets perfekt arrangiert, mit geschärftem Blick für Proportion und Komposition, der sich in strengen Fluchtlinien, Staffelung von Räumen und Flächen, Zentralperspektive und goldenem Schnitt äußert.

Pathos und Schönheit anonymer Architektur

Die außergewöhnliche Bildästhetik artikuliert sich aber nicht nur in einer formal-harmonischen Schönheit. Denn Spiluttini sucht stets auch Momente der Brechung: eine irritierende Oberfläche beispielsweise oder eine spannungsvolle Beziehung zwischen mehreren architektonischen Komponenten. Gänzlich objektiv sind also auch diese, im ersten Moment so objektiv scheinenden Abbildungen nicht.

Aufnahmen persönlicher Lebensmomente

Neben den ausgestellten Architekturfotografien ist ein weiterer Raum den „persönlicheren“ Fotoarbeiten gewidmet. Bereits in den 70er Jahren hielt Spiluttini die Angestellten und Arbeiter des familieneigenen Bau-Unternehmens fest, die offen und herzlich in die Kamera blicken. Auch ihr bereits greiser Vater ist wiederkehrendes Motiv, tagebuchartig begleitet sie seine späten Lebensjahre. Doch weder sachlich noch in trocken-dokumentarischer Weise festgehalten, sondern vielmehr mit einer spürbaren emotionalen Bindung, mit welcher sich Margherita Spiluttini auch selbst in diese persönlichen Arbeiten einbringt.

(BP)

Margherita Spiluttini, Third Room: Love architecture
Galerie Christine König
bis 10.3.2012
Eintritt frei.

Abbildungsnachweis:
MARGHERITA SPILUTTINI, from the series MONO, 1981
b/w barytprint, 22-parts, each 14 x 21 cm
Courtesy Christine König Galerie, Vienna

Galerie Christine König

Schleifmühlgasse 1A
1040 Wien
+ 43 1 585 74 74
www.christinekoeniggalerie.com

Dienstag bis Freitag, 11 – 19 Uhr
\r\nSamstag, 11 – 16 Uhr
\r\nEintritt frei.

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