Kultur – Musik

Freischwimma

Die Freischwimma im Interview

3. Juni 2011 • Musik

"FS1" heißt das neue Album der Freischwimma, jener Band rund um Songschreiber Florian Kargl, das wir hier ja bereits reviewt haben. Ich treffe Florian Kargl und Gitarrist/Produzent Alexander Lausch in dessen Wiener Tonstudio. Die Freischwimma im sehr persönlichen und oft lustigen Gespräch mit stadtbekannt.

Erzählt ein wenig von der Entstehungsgeschichte der Freischwimma.

Florian: Drei Freischwimma gibt’s schon seit Jahren, aber erst seit anderthalb Jahren den vierten: Alex. Wir haben schon soviel Umwege genommen, über Musikkabarett bis hin zu Protestliedern und Acoustic Blues-Geschichten – auch englischsprachig, irgendwann sind wir dann aber auf die Mundart gekommen. Und da brauchten wir eben einen anderen Namen. Vorher hieß es ja nur "Florian Kargl". Wir hatten einen Auftritt im Folkclub Waidhofen, gemeinsam mit Ernst Molden – und das hat am Plakat irgendwie blöd ausgeschaut, Ernst Molden und Band UND Florian Kargl und Band. (lacht) Dann hat der Herbert Höpfl gsagt, "das geht so net. Du musst dir an gscheiten Namen einfallen lassen. (Gelächter).

Alex: Es hat doch schon vorher einen Song von dir namens "Freischwimma gegeben oder?

Florian: Das Lied hat’s vorher schon gegeben, ja. Der Bandname ist später enstanden.

Jetzt gibt´s mit "FS1" ja Euer Banddebütalbum. Dem archaischen Ausdruck für den Einser-Kanal gleichnamig. Anspielung?

Florian: Naja, das ist halt der erste Eindruck. Ältere Leute werden ans Testbild denken, wenn du das Cover aber in die Hand nimmst, siehst du das "FS1" der Name unseres Schiffs ist, mit dem wir unterwegs sind. Darum fällt der Fernsehgedanke schon weg. Ein kleines Wortspiel, ja, aber nicht mehr.

Dein erstes Album war ja ein Kabarettalbum, "Aus der Not heraus".

Florian: "Ja, das waren die Lieder aus dem Programm, das ich damals gespielt habe, mit ein paar zusätzlichen Texten die ich auf die CD raufgesprochen habe, damit man ein Gefühl kriegt, um was es geht, thematisch. Das war eine schöne Zeit, aber Iirgendwann ist mir aber diese Wettbewerbsmentalität im Kabarett auf die Nerven gegangen.

Gibt es die Wettbewerbskultur dort so stark?

Florian: Extrem. Du schreibst als junger Kabarettist ein Stück, das knappe zwei Stunden dauert – und dann spielst du es komprimiert auf eine viertel, halbe Stunde auf irgendwelchen Wettbewerben, dass du einen Auftritt bekommst. Das ist mühsam, weil mein Zugang zum Kabarett halt ein anderer ist, ein Zugang vom Theater quasi. Ich schreib ein Stück, in dem es einen roten Faden gibt, und den dann auf zwanzig Minuten zu kürzen für einen Wettbewerb wo’s dann effektiv um ein paar Lacher geht: das wurde mir halt zu langweilig, hat mich nicht mehr befriedigt.

Nach zwei Solo-Alben gibt´s dich also im Bandformat. Wie sieht das aus, ist das ein demokratisches Gefüge? Wie ist der Arbeitsprozeß.

Alex: Ja, kann man sagen – obwohl wir ab einem gewissen Punkt sagt, okay wo soll das jetzt hin – und dann muss man schon eine Entscheidung treffen und drüber fahren. Ich erinnere mich Probesessions, da gibts halt zwischen zwei Nummern ewige Diskussionen wie man das jetzt macht, ob man da oder da was auslässt. Und da gibts dann halt verschiedene Meinungen, und man merkt, der eine wird ein bisserl grantiger (lacht). Und dann gibts halt den Punkt, wo man sagt, lass mas kurz, gehen wir was essen.

Florian: (lacht). Da gab’s mal eine Situation, da wollten wir einen Blues machen, der hatte aber keinen Text, keiner hat gewusst um was es gehen soll. Ich hab dann gesagt, lassen wirs mal kurz, gehen wir etwas essen. Wir gehen also essen, und als Mittagsmenü gibt es Schweinsbraten. Und obwohl die Hälfte der Band eigentlich Vegetarier ist, bestellen sich alle Schweinsbraten. (lacht). Da war es dann klar, dass es im Blues um Schweinsbraten geht. Das war auflegt.

Also ein klassisches Bandgefüge.

Florian: Wir sind halt eine Crew, und es muss jeder das Gefühl haben, dass er Entscheidungen treffen kann. Früher hab ich alles alleine entschieden.

Diese neugefundene Demokratie, ist das ungewohnt?

Florian: Es nimmt mir einfach viel Druck. Wo ich früher bei CD-Produktionen alles auf one man machen musste, gab es diesmal eine tolle Aufteilung. Gerade weil es bei mir privat drunter und drüber ging, konnte ich mich da auf die anderen verlassen.

Hatte diese turbulente Zeit einen Einfluss auf die Texte?

Alex: Sehr interessante Frage. Ich kann mich gut daran erinnern als Produzent: ich weiß nicht wie wir das geschafft haben, aber auf eine Art und Weise war der persönliche Hintergrund nicht ausschlaggebend. Wir haben das entkoppelt. Es gibt am Album schon ein paar Nummern, die ganz unten sind, das aussprechen was da passiert ist. Die Songs gab es alle vorher.

Florian: Die Songs hab ich geschrieben, bevor das eben passiert ist. Ich weiß noch, die Songs waren eingespielt, aber eben noch ohne Gesang – und genau dann hat sich eben mein Leben geändert mit der Trennung: und dann sollst auf eimal Liebeslieder, die du halt schon an jemanden gekoppelt hast, einsingen. (lacht). Weisst du was ich mein?

Alex: Man hört es nicht – und das war vielleicht Florians Schritt vom autobiographischen Singer/Songwriter-Schreiben gewissermaßen zum Rollen spielen.

Florian: Ich brauche die Emotion nicht leben, um sie authentisch rüberzubringen. Wenn ich einen Sandler spiele, muss ich ja nicht wie einer leben.

Der Song "Marina" is ja ein Song über den Geschlechtsverkehr.

Alle lachen.

Man könnte über den Song aber schon sagen, dass du ein wenig gar plump wirst, oder?

Florian: Es ist ein Wortspiel, die Nummer ist in einer Lagerfeuersituation entstanden, und ich war ned plump es waren 30, 40 Leute am Musikfest letztes Jahr, die um 6 in der Früh am Lagerfeuer verendet sind und plump waren (lacht).

Alex: Wir haben alle fett g’spielt, und irgendwann ist das Programm ausgegangen. Ich habe dann meinen perversen Textgelüsten gefrönt wo ich allerlei Strophen verunstalte und besoffen umdichte. Und dazu haben wir Raggae gespielt, weil is grad noch gegangen. Der Text am Album is noch die kinderfreundliche Variante, im Vergleich.

Erzählt von Eurer speziellen Touridee: ihr wollt ja Bäder touren. Ihr seid Freischwimma, ihr habt maritime Metaphern. Klingt doch nach einer guten idee.

Florian: Wir haben uns gedacht, wir probieren heuer folgendes im Waldviertel: wir gehen in Bäder, Freibäder, Teichbäder – bauen auf, spielen. Mit dem Hintergedanken: wo sind die Leute im Sommer wenns schön ist? Im Bad sind sie! Nachdem wir ja möglichst viele Leute erreichen wollen, haben wir uns gedacht: gehen wir doch in die Bäder, diesen Sommer. Mittlerweile gibt es sieben Termine, alles im Waldviertel – wir werden auch versuchen, das ganze zu dokumentieren. Wir schauen uns mal an, wie das ankommt – natürlich mit dem Gedanken dass auch in Wien zu machen.

Meine Herren, vielen Dank für das Gespräch. 

Markus Brandstetter

Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

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