Kultur

Sagmeister

Der evolutionäre Zeigefinger

3. Mai 2011 • Kultur

Passanten und Autofahrer erwartet seit 3. Mai 2011 am Kunsthalle public space, also jenem Grünstreifen vor dem Kunsthallencafe, ein etwas ungewöhnlicher Anblick. Ein gigantischer weißer Affe mit grimmigem Gesichtsausdruck lümmelt halb versunken im Boden, dort wo sein Torso sein sollte befindet sich ein weißes Schild mit der Auschrift „THINKS“. Der Affe ist Teil der Installationsreihe „Everybody Thinks They Are Always Right“ von Stefan Sagmeister, und stellt das bisher ambitionierteste Public Art Projekt des renommierten Designers und Graphikers dar.

Things I have learned about life

Die Installation besteht ursprünglich aus sechs aufblasbarer Skukpturen, sechs verschiedenen Affen, denen jeweils ein Schild zugeordnet ist, das mit einem Wort aus dem Titel der Installation korrespondiert. Die Installation wurde 2006 für das Six Cities Design Festival in Schottland hergestellt, wo die Affen an sechs verschiedenen Orten in der Stadt aufgestellt wurden und die Besucher zwischen den grimmigen Affen umherwandern konnten. Die Idee zu den monumentalen Primaten hatte Sagmeister nach der Veröffentlichung seiner 20 Prinzipien „Things I have learned about life“, die auch in Buchform erschienen sind. Einer der Slogans war „Everybody Thinks They Are Always Right“.

Für Sagmeister ist der Satz „Everybody Thinks They Are Always Right“ (jeder glaubt, dass er immer im Recht ist) der Ursprung, der Nullpunkt einer jeden Handlung, eines jeden Dissens. Jeder Disput, jeder Krieg lässt sich auf diesen einen Satz herunter brechen. Sagmeister wählt Affen, wütende, grimmige Affen für die visuelle Transportation dieses Gedankens. Ist diese Aussage wirklich Essenz eines jeden Dissens, so ist der Affe sicher evolutionärer Ursprung. Affen repräsentieren für Sagmeister eine Form menschlicher Hybris, machen Vorurteile und eitle Selbstüberhöhung sichtbar. Die überdimensionalen weißen Affen sollen zur kritischen Selbstreflexion einladen.

Kontextloser evolutionärer Zeigefinger

Leider hat die Kunsthalle Wien nur einen der sechs Affen ausgestellt. Zwar ist „THINKS“ sicher das aussagekräftigste und effekt-haschendste Wort im Solo-Kontext, jedoch wirken Affe und Wort dann doch etwas aus dem Zusammenhang gerissen. Zwar kann der Betrachter sich an den buddhistisch-shintoistischen Affen erinnert fühlen, der “nicht sieht, nicht hört und nicht spricht”, oder dem Symbolgehalt des Affen als Fabeltier nachspüren, doch bleibt der eigentlich Kontext, der Satz, verborgen. Solange man nicht weiß, dass andere Primaten zur Satzbildung und damit zur eigentlichen Aussage des Objekts von Nöten sind, kann man sich zwar an dem halb im Boden versunkenen weißen Affen erfreuen, schöner wäre es aber gewesen, wenn man das Werk nicht fragmentiert, sondern sämtliche Bestandteile ausgestellt hätte.  

, , ,

Kunsthallencafe

Teinfaltstraße 2
1040 Vienna
01 587 00 73
http://www.kunsthallencafe.at/khc/index.html

Montag bis Sonntag: 10:00 -02:00
\r\nKüche: 10:00 – 24:00

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »