Kultur

André Butzer Ohne Titel, 2011 Öl auf Leinwand © André Butzer Courtesy of Galerie Max Hetzler, Berlin; André Butzer Foto: Roman März

Der deutsche Shootingstar André Butzer im Theseus-Tempel

7. November 2011 • Kultur

Der Theseus-Tempel im Wiener Volksgarten dient seit letzter Woche nicht nur als Haus der Götter, sondern auch als Haus der Kunst. Zur Zeit beherbergt er nämlich einige Arbeiten des deutschen Kunst-Shootingstars André Butzer, dem die Hannoveraner Kestnergesellschaft unlängst eine Personale mit dem Titel „Der wahrscheinlich beste abstrakte Maler der Welt“ gewidmet hatte.

Wem die Arbeiten des in Berlin lebenden Künstlers ein Begriff sind, der wird sich bei dieser Ausstellung vermutlich ein wenig wundern. Knallbunt, oft wirr, comicesk und im Stil der Fingermalerei – so kennt man André Butzers Arbeiten, die laut Eigendefinition des Künstlers einem „Science-Fiction-Expressionismus“ zuzuordnen sind, und deren Rezeption zwischen überschäumender Begeisterung und absoluter Ablehnung oszillieren.

Die ausgestellten Malereien im Theseus-Tempel scheinen dagegen eine Art Antithese aufzustellen: minimalistisch-geometrischen Formen vor grauem monochromen Hintergrund hängen an den Wänden. Sieht man genauer hin, erkennt man, dass das Grau nicht einfach nur monochrom-flächig aufgetragen ist, es weist vielmehr eine Vielzahl an Nuancen und Schattierungen auf, beispielsweise da, wo die Farbe mit dem Pinsel verschmiert wurde.

Spannung zwischen Leben und Tod

Die großformatigen Bilder scheinen mit dem Innenraum des Tempels zu kommunizieren, denn das Grau der Leinwand nimmt das Grau des Fußbodenmusters auf, ebenso wie die geometrischen Figuren sich auf die Ästhetik der Architektur des Tempels zu beziehen scheinen: ein vertikales Rechteck kann als Referenz auf die Säulen des Gebäudes gelesen werden, ein horizontaler Balken auf dessen Dachsims. Und noch eine Ebene verbindet beide Disziplinen: vor etwa 200 Jahren wurde das klassizistische Bauwerk errichtet, das gewissermaßen ein Symbol der Unsterblichkeit darstellt, seit etwa 200 Jahren wird das Ende der Malerei proklamiert. Ein idealer Schauplatz also zur Gegenüberstellung des Spannungsverhältnisses von Anfang und Ende, von Leben und Tod.

Allein auf weiter Flur

Die bereits erwähnte Ausstellung in der Kestnergesellschaft will als eine Zäsur in Butzers Schaffen verstanden werden, denn der Künstler lehnt eine Einbettung in eine kunsthistorische Tradition neuerdings ab. Die den Arbeiten im Theseustempel verwandte Arbeit „Ich will erstmal ’ne Cola“ postuliert demnach den Beginn einer neuen Entwicklung. In der Folge nennt der Künstler alle seither entstandenen Werke „N-Bilder“, wobei das „N“ als Bezugnahme auf die Utopie mit dem Namen „Nasaheim“ steht: einen nicht erreichbaren (abstrakten) Ort, an dem etwa „die Farben aufbewahrt werden“. Vielleicht ist es ja der Ort, an dem die Götter wirklich wohnen, wenn sie nicht gerade im Tempel im Volksgarten zu Besuch sind.

(Barbara Pflanzner)

Contemporary Art Club presents: André Butzer
Theseus-Tempel, Volksgarten
bis 29.11.2011
Eintritt frei.

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Theseus-Tempel

Volksgarten
1010 Wien
http://

Täglich 11:00 – 19:00 Uhr
\r\nEintritt frei.

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