Kultur – Musik

Der Nino aus Wien: "Schwunder"

Der Nino aus Wien: „Schwunder“.

30. Dezember 2011 • Musik

Mit „Schwunder“ veöffentlicht der Nino aus Wien via Problembär Records sein nunmehr drittes Album.

Nach „The Ocelot Show“ und „Down in Albern“ ist „Schwunder“ der dritte Streich von Nino Mandl alias der Nino aus Wien. „Schwunder“, das wissen wir seit seinem (zweiten) Besuch bei Willkommen Österreich, ist der Name eines fiktiven Fußballers in einer von Mandls Playstation-Fußballligen. Und das ist nicht nur eine sehr gute Erklärung sondern vor allem der Name eines wirklich tollen Albums.

Um das in möglichst gründlicher Art durchzugehen…

„Ja manchmal da gehst du durch so richtig alte Straßen
und wünscht, sie wären neu – doch du kennst sie zu gut
weil du manchmal da durchgehst, und nicht gerade selten
natürlich nicht sehr oft aber oft genug,
um zu wissen, dass sie dir eigentlich gefallen
und du weißt dass du sie nochmal abgehen musst
vielleicht eh nicht heute und morgen auch nicht
aber das Jahr ist lang genug
umd as in möglichst gründlicher Art durchzugehen“
(„Urwerk“)

Gut, gehen wir das also möglichst gründlich durch. Bis dato, und das gebe ich offen zu, habe ich die Feuilleton-Euphorie um den smarten und in Interviews auch durchaus ein wenig eigensinnig wirkenden Künstler, dem vom großen Poetentum bis zur Heller-Nachfolge so ziemlich alles wohlwollende attestiert wird, nie verstanden. Diese Skepsis möchte ich – spät aber doch, jedoch besser spät als nie – revidieren.

„Schwunder“ ist nämlich alles: klug, gedichtet, hingeschlonzt, lustig, augenzwinkernd, gekünstelt und locker aus dem Ärmel geschüttet, rührend, von häßlichen Haustieren singend, hinterfragen, ironisch, lustig, ernst gemeint, spielend. Und so.

„Schreibs doch auf – wozu taugst du denn sonst?“

"Plurabelle hat ihn ertappt und das Irrenhaus hat seinen Captain bestellt", singt Nino aus Wien. „Immer noch Klarheit, immer noch hier wo diese Klarheit einen verwirrt – wo einem alles weniger bedeutet, was einem vorher alles war und mehr“, einen Song später, dort wo das Feuer uns versaut. „Aus einem Techtelmechtel werden echte Mächte“. Welche Kulisse ich mir erwartet habe? Keine Ahnung, aber ich bin begeistert.

Denn das klingt bei allem Durchdachtsein und Durchgedichtet sein immer locker aus dem Ärmel geschüttet, musikalisch wie lyrisch. Spielend mit Sprache, Dichtung und Intonation, die das alles tragen, auf denen alles basiert – die eigene Sprachverwendung, die wesentlicher Teil vom Groove ist. Von der alten häßlichen Katze bis zu Finnegans Wake, vom Hotel bis zu den abgegangen Straßen.

Fazit:

Wenn du’s mir jetzt nicht glaubst, wann dann“, singt der Nino aus Wien in „Cafe Elektric“. Ich glaub’s jetzt eh auch.

Ganz großes Tennis.

(Markus Brandstetter)

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