Lifestyle – Skurriles

Nacktmull Essen

Der Nacktmull – nie zu viel Haut zum Liebhaben!

14. Mai 2013 • Skurriles

Weltuntergangsphantasien, Verschwörungstheorien, Klimawandel, Sonnenstürme, Meteroriteneinschläge, Atomkatastrophe: Die Welt steht, wie es scheint, nicht mehr lang. Doch Dosenobst zu horten reicht alleine nicht, um uns auf die drohende Apokalypse vorzubereiten. Denn wie langweilig wäre es, die verbrannte Erde einsam neu zu bestellen – ganz ohne ein possierliches Tierchen zum Liebhaben?

Bekanntermaßen sind leider weder unsere lieben Hunderl und Katzen besonders widerstandsfähig, nicht stoßfest (oft bewiesen im Straßenverkehr) und im Gegensatz zu Überlebenskünstlern wie Kakerlaken nicht gut gepanzert. Doch wir wollen eine Alternative ins Rennen um das unkaputtbarste lebende Spielzeug schicken: den Nacktmull! Wer sich von seinen mannigfachen Vorzügen nicht überzeugen lässt, ist selber schuld!

Wenn die äußeren Werte zählen

Der Nacktmull ist ein Nagetier, das sich in vielerlei Hinsicht von den langweiligen Mitbewohnern zigtausender Kinderzimmer unterscheidet. Das wohl offensichtlichste an ihm ist seine schreiende Hässlichkeit. Quasi nackt, über und über mit faltiger braun-rosa Haut bedeckt, sieht er einen aus kleinen Äuglein an und streckt einem riesige Schneidezähne entgegen, die selbst bei geschlossenem Maul herausragen. Zu allem Überfluss kann er diese sogar einzeln bewegen und erfüllt damit wohl alle Kriterien, um als gruselige Fusion aus Nagetier und Alien-Penis bezeichnet zu werden. Aber das hat auch Vorteile: Die lästige Fellpflege entfällt und mit seinem bizarren Aussehen eignet sich der kleine Mull herrlich als Partyspaß, wenn sonst nicht mehr viel von der Welt übrig ist. Bis zum Weltuntergang kann man ihn übrigens auch als Omaschreck verwenden – besonders eindrucksvoll, wer ihn aus dem Hosenschlitz ragen lässt…

Lebensstil ist alles

Nacktmulle sind auch durch ihr Sozialleben durchaus zukunftsweisend. Die unattraktiven Faltenwürmchen leben ähnlich wie Bienen in Kolonien zusammen und bewegen sich flink in riesigen Höhlensystemen durch den Wüstensand. Visionären Charakter bekommt so ein Nacktmull-Clan, wenn man sich ihr Gesellschaftssystem ansieht: Perfekte Arbeitsteilung in „Arbeiter“, „Wächter“ und eine Königin – macht die Tierchen zu Ausnahmeerscheinungen: Sie können über 15 bis 20 Jahre alt werden! Somit eignen sie sich perfekt als Haustier, besonders wenn Eltern nicht alle zwei Jahre Lust haben, das verendete Hamsterlein heimlich durch ein neues zu ersetzen.

Matriarchat unter der Erde

Der Aspekt der Alleinherrschaft einer Nacktmull-„Königin“ ist durchaus einer näheren Betrachtung würdig. Sie alleine ist fruchtbar und gebärt der Kolonie sämtliche Nachkommen. Vermutlich durch den Stress der aggressiven Gebärmaschine sind alle anderen Weibchen unfruchtbar. Aber nur so lange, bis die alte „Königin“ stirbt – dann prügeln sich die anderen darum, wer die neue Mull-Übermutter werden darf. Als ironische Rache an dem Aussehen, das ihnen Mutter Natur beschert hat, ist der Nackmull’sche Paarungsakt zu deuten: Nach vollbrachter Tat altern die Männchen erstaunlich schnell und werden zu kraftlosen Mull-Würstchen. Für die Mull-HalterInnen von Morgen gilt also: Verhütung geht vor! Am Besten gleich dem ganzen Tier ein Kondom überziehen, allein schon weil’s lustig aussieht!

Hart im Nehmen

Das wohl Überzeugendste am Nacktmull ist seine Widerstandskraft. Zusammenfassen lässt sich diese mit: er definiert den Begriff „anspruchslos“ neu. So ein Mull kann sowohl bei der nächsten Eiszeit als auch angesichts drohender Klimaerwärmung des Menschen bester Freund werden. Er reguliert seine Körpertemperatur zwischen 12 und 32 Grad selbst. Über Wohlstandsverwahrlosung und daraus entstehende Bedürfnisse kann der gemeine Nacktmull nur Lachen. Er trinkt kein Wasser und das mit dem Atmen sieht er auch nicht so eng. Stattdessen reicht ihm die Flüssigkeit aus den dürren Knollen, die er so knabbert – dafür pinkelt er mehr oder weniger Streusalz. Zusätzlich nimmt sein Blut so effizient Sauerstoff auf, dass er locker mal ein Viertel weniger als sonst atmen kann, wenn’s denn nötig ist.
Und für den Fall, dass es hart auf hart kommt, hat der Nacktmull auch vorgesorgt, fehlt ihm doch die Substanz P. Diese Substanz ist mitunter dafür verantwortlich, dass unsere Haut Schmerz empfindet. So ein kleiner, harter Dreckskerl fühlt also zwar, wenn man einfach mal in ihn reinsticht, aber es tut ihm nicht weh. Damit ist der Nacktmull perfekt vorbereitet auf das grobschlächtige Kind mit sadistischen Neigungen von übermorgen.

Stadtbekannt meint

Wer sich bereits auf das nächste Tschernobyl vorbereitet, sollte zusätzlich zu Wasser, Klopapier und Batterien auch ein Handbuch zur Nacktmull-Haltung einlagern. Denn wenn sie, was angesichts oben stehender Fakten sehr wahrscheinlich ist, die Weltherrschaft an sich reißen, wollen wir doch gut vorbereitet auf der richtigen Seite stehen!

Nadja Pospisil

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