Kultur – Film / TV

Der Mandant

Der Mandant

18. Juni 2013 • Film / TV

Mick Haller ist als Anwalt mit allen Wassern gewaschen. Egal wie hart der Fall ist, egal wie sehr die Beweislage erdrückt, Mick schlägt immer den günstigsten Deal für seine Klienten heraus. Ob Kleinkriminelle, Prostituierte oder Drogendealer, sie alle haben für ihn die bestmögliche Verteidigung verdient – und die kriegen sie auch.

Seit er seinen eigenen Führerschein abgeben musste, chauffiert ihn ein Fahrer durch Los Angeles, wo er von einem Gerichtssaal in den nächsten eilt, um sich für seine Mandanten ins Zeug zu legen. Passenderweise pflegt Mick auch seine Geschäftskontakte nicht  in einem stilvollen Büro mit teurem Schreibtisch und blonder Sekretärin, sondern völlig zwanglos auf dem Rücksitz seiner dunklen Limousine. Gewissensbisse kennt der smarte Strafverteidiger in seinem Job keine – so lange nur der Rubel nur rollt.

Das ändert sich als er eines Tages endlich einen Auftrag bekommt, der ihn aller Geldsorgen entledigen soll. Louis Roulet (Ryan Phillippe), der ebenso begüterte wie verzogene Spross einer reichen Familie aus der örtlichen Haute-Volée, wird des versuchten Mordes und der Vergewaltigung beschuldigt, doch schwört er Stein und Bein, mit der Sache nichts zu tun haben. Haller soll ihn nun freiboxen.

Sein und Schein

Was anfangs nach einer leichten Aufgabe mit dickem Honorar aussieht, entpuppt sich allerdings bald als Hallers größter und gefährlichster Fall, in dem zunächst sein Gewissen und dann seine ganze Existenz auf dem Spiel stehen. Denn bald steht nicht mehr sein Mandant, sondern er selbst in der Schusslinie.

Matthew McConaughey spielt wohl den aalglattesten, aber auch lässigsten Leinwand-Anwalt seit Tom Cruise in „Die Firma“. Mick Haller ist der Typ Rechtsverdreher der sich an Krankenwagen hängt, um für die verletzten Insassen eine Entschädigung und sich ein ordentliches Erfolgshonorar herauszuschlagen. Der plötzliche Gewissenskonflikt durch seinen neuen Fall wirkt doch genau ob dieser betonten Lässigkeit und Abgeklärtheit etwas konstruiert. Es ist für ihn, den erfahrenen Anwalt, wohl kaum vollkommen neu, dass Schuldige frei herumlaufen und Unschuldige im Häfen sitzen. Er ist kein desillusionierter Sinnfinder wie Paul Newman in Sidney Lumets „The Verdict“. Ein Berufszyniker wird nicht von einem Tag auf den anderen zum Engel der Entrechteten.

So ist es auch schwer, „Der Mandant“ als klassisches Justizdrama einzuordnen. Von einigen spannenden Winkelzügen abgesehen ist es nicht die Handlung im Gerichtssaal, die den Reiz des Filmes ausmacht. Vielmehr sind es die Erzählstränge "außerhalb", die der Geschichte im Verlauf des Prozesses ihre Rasanz verleihen. Haller, der es ansonsten gewohnt ist, alles im Griff zu haben und andere zu manipulieren, ist dort selbst eine Schachfigur des von ihmunkontrollierbarenSpiels.

Die Chemie stimmt

Bei der Rollenbesetzung legten Regisseur Brad Furman und Produzent Gary Lucchesi vor allem Wert auf eine stimmige Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern. „Dieser Film ist über weite Strecken so etwas wie ein Zweipersonenstück, deswegen lebt er natürlich von zwei gleichermaßen starken Darstellungen,“ erklärt Lucchesi. Und so ist es auch dieses spannungsgeladene Verhältnis zwischen McConaughey und Phillippe, von dem der Film lebt. Zwar wenig wandelbar, doch sich hervorragend in diese Rolle einfügend, spielt Phillippe wieder einmal das sinistre Bürschchen, auf das er seit Eiskalte Engel abonniert zu sein scheint. Wenn’s passt, dann passt’s eben.

Für Matthew McConaughey war es nicht die erste Erfahrung als Strafverteidiger in einem aussichtslos scheinenden Fall. Schon 1996 durfte er zusammen mit Sandra Bullock in „Die Jury“ einen Doppelmörder rausboxen. Musste er damals noch den moralischen Konflikt über die Verteidigung nach „gerechtfertigten“ Morden mit sich selbst ausmachen, lässt er sich nun von Widerpart Phillippe zum Äußersten aufschaukeln.

Sympathie vs. Hinterlist

Die Rollenverteilung sitzt hier wie angegossen, lässt aber eben auch wenig Entwicklung zu. Phillippe wird wohl nicht mehr zum herzlichen Sympathieträger und die dunkle Seite von Strahlemann McConaughey fällt ebenso der Verborgenheit anheim.
Ihrem furiosen Widerstreit tut dies keinen Abbruch. So kann die Frage, wer hier nun gerade wen in die Ecke drängt, einen mit Sicherheit einen spannungsgeladenen Kino-Abend lang beschäftigen.

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